Er hat die Parteifronten gewechselt, und ausgerechnet mit der Ex-Partei SPD will Linken-Chef Oskar Lafontaine im Saarland paktieren. Rot-rot ist das Ziel, den Oskar-Anhängern soll's recht sein: Er bleibt weiter "einer von uns".
Zufall, aber doch so passend für die Szenerie. Just in dem Moment, als der Wahlkämpfer Lafontaine auf dam Klarenthaler Dorffest auftaucht, geben die Hornbläser ihr Bestes.
Die musikalischen Mühen entlocken dem Bundesvorsitzenden der Linken ein breites Grinsen. Im Saarland will Oskar Lafontaine wieder Ministerpräsident werden und er sucht die Nähe zum Volk. Kein Fest, kein Fassanstich in diesem Sommer ohne ihn und seine Polaroid. Der Kandidat schlendert von Tisch zu Tisch. Innerhalb einer knappen Stunde lässt er 40 bis 50 Fotos schießen. Die Sofortbildkamera surrt ununterbrochen.
" Komm her, da machen wir noch ein Bildchen von uns. Komm her, hier aus Bliesmengen. Guck mal, sie macht ein Bild von uns ... "
Lafontaine plauscht mit allen, signiert. Ob Freund oder Feind, niemand ist darunter, der das gemeinsame Foto mit dem Politpromi achtlos zur Seite schiebt.
"Das zeige ich meiner Frau, die kann dann mal gucken."
"Ich lass es nachmachen das Bild."
"Das ist für Opa, der ist ein Fan von Lafontaine."
Von Informationsbroschüren hat Oskar Lafontaine noch nie viel gehalten. Auf die Wirkung des Sofortbildes vertraut er hingegen seit Jahrzehnten.
"Das Geheimnis des Polaroid ist, dass die Menschen eine Erinnerung haben an diese Begegnung und das ist natürlich so, dass viele dieses Foto auch ihren Bekannten und Verwandten zeigen, insofern ist das eine Methode, die ich seit Jahren anwende und die sich immer bewährt hat."
Ausgebuffte Wahlkampfstrategie sieht anders aus, unken die politischen Gegner. Allen voran CDU-Ministerpräsident Peter Müller, der sich im Wahlkampf auf einen verbalen Schlagabtausch mit dem Spitzenkandidaten der Linken eingestellt hatte. Zur eigenen Verwunderung des Ministerpräsidenten blieb diese Auseinandersetzung bislang jedoch aus. Woraus der Spitzenkandidat der CDU den Schluss zieht:
"Die Attraktivität, die mit der Person Lafontaine im Saarland verbunden ist, ist Vergangenheit. Die Ära Lafontaine ist vorbei, der Lack ist ab."
Müller führt einen Lagerwahlkampf gegen den Bundesvorsitzenden der Linken, der an der Saar gemeinsam mit der SPD die Regierungsverantwortung anstrebt. Doch die Menschen fürchten die vermeintliche rot-rote Gefahr nicht wirklich. Sie nehmen Lafontaine nicht als Galionsfigur eines rot-roten Bündnisses wahr:
"Wir finden ihn toll, den Oskar, früher schon, bei der anderen Partei. Was er sagt, hat Hand und Fuß. Er ist einer von uns, ganz einfach."
Und wie der Kandidat der Linken die eigene Anhängerschaft begeistert, hat er nicht verlernt.
Auf dem traditionellen Sommerfest der saarländischen Linken am Burbacher Waldweiher in Saarbrücken hatte er zuvor den CDU-Ministerpräsidenten wegen seiner - aus Sicht der Linken - verfehlten Sozialpolitik aus dem Amt komplimentiert, um es selbst besser zu machen.
"Wir wollen, dass hier von der Saar wieder ein Signal ausgeht. Deutschland muss wieder sozialer werden."
Gemeinsam mit der SPD soll dieses Ziel erreicht werden.
"Ich denke, wir kriegen zwischen 23 bis 25 Prozent im Saarland. Um die 24 und die SPD 27 und dann reicht's."
Das Verhältnis zum Wunschpartner SPD, das wegen persönlicher Animositäten zwischen dem SPD-Landesvorsitzenden Heiko Maas und dem Linken-Kandidaten Lafontaine als angespannt galt, habe sich, so Lafontaine, inzwischen entkrampft.
"Weil Heiko Maas und die SPD erkennen, ohne die Linke gäbe es keine Chance auf Regierungsbeteiligung der SPD, denn sonst gäbe es eine schwarz-gelbe Mehrheit im Land."
Und der Berliner Segen für ein rot-rotes Bündnis im Westen ist längst erteilt.
Landtagswahlserie im DLF
Letzte Änderung: 26.02.2010 03:20 Uhr
Links:
Deutschlandfunk
Seit 09:10 Uhr
Die neue Platte
Nächste Sendung: 09:30 Uhr
Essay und Diskurs
Deutschlandradio Kultur
Seit 09:05 Uhr
Thema
Nächste Sendung: 09:20 Uhr
Filmmusik
DRadio Wissen
Seit 09:05 Uhr
Interpretationen
Nächste Sendung: 11:00 Uhr
Nachrichten
Beiträge zum Nachhören
Presseschau
Sendezeit: 12.02.2012, 08:50
Sehen und gesehen werden
Sendezeit: 12.02.2012, 08:35
Geben und Nehmen - Int. mit Anton Leist
Sendezeit: 12.02.2012, 08:13
dradio-Recorder
im Beta-Test: