Die UNESCO wird erstmals von einer Frau geleitet werden. Die bulgarische Diplomatin Irina Bokova hat sich in Paris im fünften Wahlgang gegen den ägyptischen Kulturminister Faruk Hosni durchgesetzt. Sie löst den Japaner Koichiro Matsuura an der Spitze der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur ab.
Um die Nachfolge Matsuuras hatten sich insgesamt neun Kandidaten beworben, unter ihnen auch die österreichische EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner, die am Sonntag ihre Kandidatur zurückzog.
Als aussichtsreicher Kandidat hatte bislang der ägyptische Kulturminister Faruk Hosni gegolten. Kritiker monierten jedoch, dass er in Ägypten auch für Zensur zuständig sei und deshalb ungeeignet, die UN-Kulturorganisation zu führen. Zudem mehrten sich Stimmen, die Hosni antisemitische Äußerungen vorwarfen. Die französischen Intellektuellen Bernard-Henri Lévy und Claude Lanzmann sowie der amerikanische Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Elie Wiesel veröffentlichten im Mai eine Schmähschrift, in der sie Hosni als "geistigen Brandstifter" bezeichneten. Hosni bestritt die Vorwürfe.
Am Montag lagen Hosni und Bokova im vierten Wahlgang mit je 29 Stimmen noch gleichauf. Den fünften Wahlgang gewann Bokova denkbar knapp mit 31 zu 27 Stimmen.
Bokova, zurzeit bulgarische Botschafterin in Frankreich, zollte ihrem Herausforderer Hosni Respekt und erklärte, sie glaube nicht an einen "Kampf der Kulturen" und betonte, die UNESCO stehe "für Toleranz, für Dialog und für kulturelle Vielfalt".
Das israelische Außenministerium begrüßte die Wahl Bokovas und zeigte sich überzeugt, dass die "erfolgreiche Kooperation" mit der UNESCO fortdauern werde. Ägyptische Intellektuelle machten hingegen eine "jüdische Lobby" für das Wahlergebnis verantwortlich.
Bevor Bokova Matsuura an der Spitze ablösen kann, muss die UNESCO-Vollversammlung am 15. Oktober ihre Wahl bestätigen, doch das gilt als reine Formsache.
Angesichts des sehr knappen Wahlausgangs und der zahlreichen Wahlgänge sieht Klaus Hüfner, ehemaliger Präsident der deutschen UNESCO-Kommission, die UN-Organisation gespalten. Irina Bokova müsse deshalb eine sehr integrative Rolle spielen, was er ihr durchaus zutraut: "Sie ist eine engagierte Außenpolitikerin mit viel Erfahrung", sagte er im Deutschlandradio Kultur. Gleichwohl traut er ihr nicht zu, eine notwendige Reform der Organisation durchzuführen.
Letzte Änderung: 02.04.2010 03:20 Uhr
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