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AKTUELL VOM 07.10.2009
Nahaufnahme einer Nobelpreis-Medaille (Bild: AP) Nahaufnahme einer Nobelpreis-Medaille (Bild: AP)

Nobelpreis für Chemie an Venkatraman Ramakrishnan, Thomas Steitz und Ada Yonath

Arbeiten ermöglichen auch Entwicklung neuer Antibiotika

Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften hat zwei US-Forscher und eine israelische Forscherin für deren Verdienste in der Chemie mit dem Nobelpreis bedacht. Die Wissenschaftler haben die Funktion und Struktur sogenannter Ribosomen entschlüsselt.

Vereinfacht gesagt handelt es sich bei Ribosomen um die Eiweißproduktionsbereiche in Zellen. Das Verständnis für diese Eiweißproduktion spielt eine erhebliche Rolle in der Entwicklung neuer Antiobiotika. Viele Antibiotika haben sich in den letzten Jahren als zunehmend unwirksam (resistent) gegen Infektionserreger erwiesen, weil diese sich laufend verändern. Zudem werden Antibiotika zu häufig eingesetzt, was den Erregern eine Anpassung erleichtert.

Ada Yonath aus Israel erhielt für ihre Arbeit im Bereich der Ribosomen bereits 2007 den Paul-Ehrlich-Preis.

Der Nobelpreis ist mit zehn Millionen Kronen (etwa eine Million Euro) dotiert und wird seit 1901 vom Nobelkomitee (englischsprachig) vergeben.

In den "Informationen am Abend" des Deutschlandfunks fasst Michael Böddeker die Arbeiten der drei Laureaten zusammen:

Drei Wissenschaftler teilen sich den Nobelpreis für Chemie: der aus Indien stammende Brite Venkatraman Ramakrishnan, der US-Amerikaner Thomas Steitz und die israelische Forscherin Ada Yonath. Sie haben die Struktur und Funktion der Ribosomen erforscht. Ribosomen gibt es in jeder lebenden Zelle, vom Einzeller bis zum Menschen.

"Die Ribosomen sind sehr wichtig. Ohne sie wäre die DNA völlig wertlos. Sie wäre nur ein Buch voller Anweisungen. Ohne die Ribosomen gäbe es kein Leben",

sagt die Nobelpreisträgerin Ada Yonath. Ribosomen sind große Molekülkomplexe, die den Bauplan des Lebens - die genetische Information also - in Proteine umsetzen. Die Proteine erfüllen dann vielfältige Funktionen. Sie geben die Struktur vor, leiten Informationen weiter und regeln den Stoffwechsel.

Ada Yonath gelang es 1980 am Weizmann-Institut, die Ribosomen von bestimmten Bakterien zu kristallisieren. Das ist notwendig, um die räumliche Struktur dieser komplexen Moleküle zu untersuchen. Bei der sogenannten Röntgenstrukturanalyse wird ein Kristall mit Röntgenstrahlen beschossen. Die Strahlen werden dabei vom Kristall abgelenkt. Daran, wie die Strahlen abgelenkt werden, lässt sich ablesen, wie das bestrahlte Molekül aufgebaut ist.

Zur Aufklärung der Ribosomen-Struktur haben die beiden anderen Nobelpreisträger Venkatraman Ramakrishnan und Thomas Steitz maßgeblich beigetragen. Der US-Forscher Thomas Steitz:

"Es war der aufregendste Moment in meiner wissenschaftlichen Laufbahn, als wir schließlich die Struktur der großen Untereinheit der Ribosomen enthüllt haben. Denn ich hatte keine Ahnung, wie sie aussehen würde. Ich war begeistert."

Die Erforschung der Ribosomen ist Grundlagenforschung, führt aber auch direkt zu nützlichen Anwendungen für den Menschen. Die Ribosomen von Bakterien und Menschen unterscheiden sich. Deshalb sucht man nach Wirkstoffen, die gezielt gegen die Ribosomen der Bakterien wirken. Im Menschen richten sie keinen Schaden an.

"Forschung aktuell", das Wissenschaftsmagazin im Deutschlandfunk, hat sich in einem Schwerpunkt auch dem Chemie-Nobelpreis gewidmet. Die Beiträge im Einzelnen:

- Kristallklarer Blick auf das Leben
Chemienobelpreise 2009 gehen an drei Ribosomen-Forscher


- Kristallforschung im Norden
Ada Yonath hat Ribosome am DESY in Hamburg durchleuchtet


- Naturwissenschaftler und Geschäftsmann
Der Nobelpreisträger Thomas Steitz


- Fabriken des Lebens
Wie Ribosomen die Baupläne der DNA umsetzen



Alfred Nobel: Wissenschaftler mit Weitsinn

Begründer der Nobelstiftung ist Alfred Nobel, Wissenschaftler, Erfinder, Unternehmer und Autor sowie bekennender Pazifist. Nobel hinterließ einen Großteil seines Erbes für die Gründung des Preises.

Der Nobelpreis wird jedes Jahr in fünf Kategorien verliehen. Bislang wurden in diesem Jahr die Preise für Medizin,Chemie, Physik und Literatur bekannt gemacht. Frieden und der Sonderpreis für Ökonomie folgen.




Letzte Änderung: 16.04.2010 03:20 Uhr

 

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