Die deutsche Schriftstellerin Herta Müller erhält in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur. Das teilte die Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit. Müller zeichne "mittels der Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit", erklärte die Akademie.
Herta Müller gehörte zum Kreis der ewig gehandelten Anwärter auf den Preis und befand sich damit in illustrer Umgebung: Auch der amerikanische Autor Philipp Roth und seine Kollegin Joyce Carol Oates sowie der israelische Schriftsteller Amos Oz gelten seit einigen Jahren als "heiße" Kandidaten für die Auszeichnung. MP3-Audio
Müller wurde 1953 in Nitzkydorf im rumänischen Banat geboren. Sie studierte Germanistik und rumänische Literatur, reiste aber 1987 wegen der Drangsalierungen der rumänischen Securitate nach Deutschland aus. Sie gilt als Chronistin des Alltagslebens in der Diktatur. "In der Tat ist es ihr Lebensthema, das Schweigen zu brechen über die Diktatur in Rumänien", sagte die Literaturkritikerin Sigrid Löffler im Deutschlandradio Kultur. In anderen Büchern habe Müller ihr "Leben im Transit zwischen Rumänien und Deutschland", ihre Zerrissenheit abgehandelt.
Der Schriftsteller Richard Wagner betont einen anderen Aspekt von Herta Müllers Werk: Er sieht ihre Literatur als "vom Dorfleben" geprägt, so der Ex-Ehemann im Deutschlandradio Kultur.
Herta Müller sagte über ihr Schreiben einmal im Deutschlandradio Kultur: "Am allermeisten hat mich immer interessiert: Was ist eine Beschädigung? Was ist ein Trauma? Das Wort ist ja so schnell da, auch oft in Situationen, wo es eigentlich nicht unbedingt hingehört. Wie kann man das beschreiben? Mit dem Begriff kann man ja in der Literatur nichts anfangen, den muss man ja auflösen in diese Details, aus denen heraus dieses Trauma oder diese Beschädigung entstanden ist."
Herta Müller sei sprachlos gewesen, als sie von ihrer Auszeichnung mit dem Nobelpreis für Literatur erfahren habe, sagte ihr Verleger Michael Krüger (Carl Hanser Verlag). Sie habe selber nicht damit gerechnet. MP3-Audio
Es könnte sogar noch eine hoch dotierte Auszeichnung hinzu kommen: Müllers letzter Roman "Atemschaukel" findet sich auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, der in der kommenden Woche auf der Frankfurter Buchmesse verliehen wird.
Der Literaturnobelpreis wird jeweils am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, in Stockholm überreicht. Er wird seit 1901 verliehen. Zu den bisherigen deutschen Literaturnobelpreisträgern gehören Günter Grass, Heinrich Böll, Thomas Mann und Gerhart Hauptmann. Im letzten Jahr erhielt den Preis der französische Schriftsteller J.M.G. Le Clezio.
Der Nobelpreis wird jedes Jahr in fünf Kategorien verliehen. Bislang wurden in diesem Jahr die Preise für Medizin,Chemie, Physik und Literatur bekannt gemacht. Frieden und der Sonderpreis für Ökonomie folgen.
Letzte Änderung: 17.04.2010 03:20 Uhr
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