Der Politikwissenschaftler David Singer rechnet mit einer relativ langsamen Erholung der Wirtschaft nach der Krise. Die Tatsache, dass in den amerikanischen Haushalten nun mehr gespart werde, müsse nicht von Nachteil sein für exportorientierte Länder wie Deutschland.
Eva Bahner: Wie schnell die deutsche Wirtschaft wieder tritt fasst, hängt ein Stück weit auch ab von der weiteren Entwicklung in den USA. Ben Bernanke, der amerikanische Notenbankchef hatte neulich erst das Ende der Rezession, ausgerufen in den USA. Eine Aussage, die an der Wall Street mit Begeisterung aufgenommen wurde. Die Zahlen des amerikanischen Arbeitsmarktes sprechen hingegen eine andere Sprache, die Arbeitslosenquote steigt, Millionen Arbeitsplätze sind in der Wirtschaftskrise verloren gegangen. Wann wird es also wieder aufwärtsgehen, in den USA, aber auch in Europa - das habe ich vor der Sendung David Singer gefragt, Professor am MIT, am Massachusetts Institute for Technology in Boston.
David Singer: Ich denke die Aussichten für eine Erholung der Wirtschaft sind gut, aber wir sollten mit einer relativ langsamen Erholung rechnen, vor allem in den USA. Die Arbeitslosigkeit wird noch einige Monate auf hohem Niveau bleiben bevor wir einen Aufschwung erleben, der die Arbeitslosenzahl wieder sinken lässt. Ich denke, Europa wird wahrscheinlich einem ähnlichen Weg gehen, vielleicht den USA ein wenig hinterherhinken. Aber wir haben bereits Banken, die wieder Kredite vergeben, wir haben Unternehmen, die wieder anfangen einzustellen und zu investieren. Und das sind positive Signale.
Bahner: Die Amerikaner haben das Sparen entdeckt, die Sparquote steigt in den USA. Was bedeutet das für Europa und vor allem für den Exportweltmeister Deutschland. Können wir uns noch auf den amerikanischen Verbraucher verlassen?
Singer: Ich denke, der amerikanische Verbraucher ist ein relativ unverwüstliches Tier, also ich denke, wir können uns auf die amerikanischen Verbraucher verlassen. Die Tatsache, dass in den amerikanischen Haushalten nun mehr gespart wird, muss nicht unbedingt von Nachteil sein für exportorientierte Länder und ich denke, mittelfristig wird es Vorteile haben, wenn die Amerikaner ein bisschen mehr Verantwortungsbewusstsein zeigen in ihrem Konsum- und Kreditverhalten, damit wir uns nicht wieder in so eine Krise hineinmanövrieren. Und das wird das europäische und auch das asiatische Wirtschaftswachstum positiv beeinflussen.
Bahner: Werden wir jemals auf das Wachstumsniveau vor der Krise zurückkehren?
Singer: Ich denke, es wird eine Weile dauern, bis wir wieder dieses Niveau erreichen werden, und auch die Wachstumsstärke, die wir vor der Krise gesehen haben. Ich denke, es wird große Unterschiede geben global. Die chinesische und die südostasiatischen Volkswirtschaften werden weiterhin mit einer hohen Geschwindigkeit wachsen. Auch Länder, die vorsichtiger waren in ihrem Finanzmanagement werden schneller Wachstumszeichen erkennen lassen als andere Länder. Zum Beispiel war Australien nun das erste Land unter den Industriestaaten, das die Zinsen wieder erhöht hat. Und das nur deshalb, weil ihr besonnener Umgang mit der Finanzindustrie vernünftiger als in anderen Ländern war. Wir werden also große Unterschiede sehen und es wird eine Weile dauern bis wir wieder auf dem alten Wachstumspfad ankommen.
Letzte Änderung: 24.04.2010 03:20 Uhr
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