Ein süßes Erfolgsprodukt kommt aus Halle an der Saale: die Hallorenkugel - eine Art Praline, die aussieht, wie ein kleiner Schaumkuss. Hergestellt wird sie in Deutschlands ältester Schokoladenfabrik, gegründet 1804. Nach dem Mauerfall gab es eine unsichere Phase, doch seitdem geht es steil bergauf.
"Ich kann mich an die Nacht der Währungsumstellung erinnern, wo ab zwölf Uhr die Regale leergeräumt worden sind - die Ostwaren rausgeräumt worden sind, die Westwaren reingeräumt worden sind - und die Ostberliner standen vor den Schaufenstern und haben applaudiert, wenn ein Ostprodukt verschwand und ein Westprodukt an die Stelle rückte."
Viele DDR-Produkte haben die Wende nicht überlebt, erinnert sich Rainer Eckert, Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig.
Dagegen gibt es die Halloren Schokoladenfabrik in Halle an der Saale bis heute - sie floriert sogar, ist inzwischen erfolgreich an der Börse notiert, hat sich vergrößert und für das vergangene Jahr die beste Bilanz ihrer Geschichte vorgelegt. Das war nach dem Mauerfall 1989 nicht unbedingt zu erwarten. Pressesprecher Tino Müller erzählt:
"Die Schokoladenfabrik wurde direkt nach der Wende von der Treuhand übernommen, verschiedensten Unternehmen angeboten - einem Oetker, einem Kraft-Jacobs - man hat allerdings die Marke unterschätzt, und so gab es 1992 einen Investor aus Hannover, der das Unternehmen dann von der Treuhand erworben hat. Mit dem Kauf einer neuen Produktionsanlage, der Restauration des Fabrikgebäudes und natürlich auch mit entsprechenden Mitarbeitern, sind wir gewachsen."
Vita Cola, Rondo Kaffee, Burger Knäckebrot - so wie die Halloren Schokoladenfabrik wurde der Großteil der volkseigenen DDR-Lebensmittelindustrie durch die Treuhandanstalt privatisiert. Die Betriebe sollten effizient und wettbewerbsfähig werden mit Kapital aus dem Westen. Historiker Rainer Eckert sieht das kritisch:
"Es ist über die Treuhand sehr vieles verkauft worden - sodass das Kapital, die Eigentumsrechte, jetzt in den alten Bundesländern sind, auch wenn die Produktionsstätten hier sind, was insgesamt natürlich ein riesiges Problem ist, weil bei eventuellen Betriebsschließungen die Oststandorte eher bedroht sind, als die sozusagen eingesessenen Weststandorte."
Problematisch findet Eckert auch, wenn Vertriebsentscheidungen nicht mehr am Produktionsort getroffen werden. Wie beim Bautz'ner Senf, Marktführer in Ostdeutschland. Produziert wird in Bautzen, die Geschäftsführung liegt heute in Bayern.
Aber es geht auch anders, wie die Firma Kathi zeigt: Die Hallenser Familie Thiele gründete ihr Unternehmen für Backmischungen Anfang der 50er-Jahre. Nach der Enteignung und nach dem Mauerfall konnte die Familie ihr Unternehmen neu gründen. Heute ist Kathi bei Backmischungen in den neuen Bundesländern Marktführer und steht national auf Platz drei.
Genauso konnten sich die Halloren Schokoladenprodukte vor allem in Ostdeutschland behaupten - 60 Prozent des Umsatzes werden hier gemacht. Aber auch im Westen liegt Halloren-Schokolade immer öfter in den Regalen:
"Zum einen sind wir natürlich in unterschiedlichen Segmenten tätig: vom Preiseinstieg bis in den Premiumbereich - angefangen von den Hallorenkugeln, die um den 1 Euro liegen bis hin zu Produkten, wo dann eine Pralinenschachtel schnell mal über fünf Euro kostet. - Und zum anderen sämtliche Discounter sind gerade dabei, eigene Handelsmarken im Premiumbereich aufzubauen, und da sind wir natürlich mit der automatischen Fertigung sehr weit vorn mit dabei und kreieren natürlich auch diese Handelsmarken."
Auch ins Ausland verkauft Halloren deutlich mehr seit Ende vergangenen Jahres. Denn da übernahm das Unternehmen die Schokoladenfabrik im sächsischen Delitzsch:
"Während die Halloren Schokoladenfabrik circa fünf Prozent ihres Umsatzes mit Exportwaren generiert hat, war die Delitzscher Schokoladenfabrik bei circa 30 Prozent - das ist natürlich ein großer Unterschied. Und bringt für die Halloren Schokoladenfabrik den ganz großen Vorteil, dass wir diese Verbindungen nutzen können und das Exportgeschäft weiter ausbauen können."
Nicht nur im Export hat Halloren in den vergangenen Jahren gut zugelegt: Seit 1997 ist der Umsatz des Unternehmens immer zweistellig gewachsen, zwischen 10 und 20 Prozent. Das liegt natürlich auch daran, dass die Schokoladenfabrik nach der Wende sozusagen wieder bei Null anfangen musste. Heute arbeiten rund 500 Mitarbeiter für Halloren und produzieren im Schnitt 17.000 Tonnen Süßigkeiten im Jahr.
Einen kleinen Einblick darin bekommen Besucher direkt im Fabrikgebäude im Schokoladenmuseum. Dort können sie durch große Glasscheiben zuschauen, wie im wahrsten Sinne des Wortes Pralinen am laufenden Band produziert werden. Auch das trägt zum wachsenden Erfolg der Marke bei:
"Mit 130.000 Gästen sind wir das am meisten besuchte Museum in Halle neben dem Landesmuseum. Wir bieten Pralinenseminare an, wo natürlich auch die Marke Halloren im Vordergrund steht - es wird Hallorenschokolade verarbeitet, man kommt mit dem Unternehmen in Berührung und nimmt diese Erfahrung natürlich positiv mit - und erzählt so was natürlich auch positiv weiter."
Die vertraute Marke lockte daher auch Klein-Aktionäre aus der Region, als das Unternehmen im Jahr 2007 an die Börse ging. Die Aktie hält sich angesichts der Krise relativ gut - im vergangenen Jahr hat Halloren einen Umsatz von rund 40 Millionen Euro erreicht - davon über zwei Millionen Euro Gewinn.
In der Vorstandsetage wird bereits die nächste Übernahme verhandelt - vielleicht verdrängen dann einmal Ostprodukte die Westprodukte aus den Regalen.
Letzte Änderung: 15.05.2010 03:20 Uhr
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