Am Abend des 9. November 1989 wurde die Berliner Mauer geöffnet. Das historische Jubiläum der Grenzöffnung wird heute in Berlin und anderen deutschen Städten mit Feierlichkeiten und Staatsgästen aus der ganzen Welt begangen.
Höhepunkt ist am Abend das "Fest der Freiheit" mit einem Konzert am Brandenburger Tor. Als Staatsgäste werden stellvertretend für die damaligen Alliierten Russlands Präsident Dmitri Medwedew, Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, der britische Premierminister Gordon Brown und US-Außenministerin Hillary Clinton erwartet. Symbolträchtig sollen 1000 künstlerisch gestaltete Mauerteile aus Styropor, die entlang des ehemaligen Grenzverlaufs aufgestellt wurden, nach dem Dominoprinzip zu Fall gebracht werden.
Bereits am Nachmittag lief Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem früheren sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow und dem ehemaligen polnischen Präsident Lech Walesa sowie 200 Bürgerrechtlern über die Bornholmer Brücke in Berlin, die vor 20 Jahren als erster Grenzübergang geöffnet worden war.
Im ARD-Morgenmagazin mahnte Kanzlerin Merkel weitere Anstrengungen an, die Unterschiede der Lebensverhältnisse in Ost und West zu überwinden. Dafür sei auch die Beibehaltung des Solidaritätszuschlags nötig. In den neuen Bundesländern sei die Arbeitslosigkeit etwa doppelt so hoch wie in den alten, so die Bundeskanzlerin.
Das öffentlich-rechtliche Radio France sendet heute mit Unterstützung von Deutschlandradio auf allen Kanälen einen Deutschlandtag. Für die Franzosen sei die Öffnung der Mauer so etwas wie die "zweite französische Revolution", so Willi Steul, Intendant des Deutschlandradio, im Mediengespräch. (MP3-Audio) Deutschlandradio strahlt das französische Sonderprogramm per Live-Stream aus.
Die Proteste in der DDR wurden von den Polen mit Sympathie begleitet, berichtet Janusz Reiter, ehemaliger polnischer Botschafter und heute Leiter des Zentrums für Internationale Beziehungen in Warschau. Die Polen hätten sich dabei in die Zeit von 1980/81 in ihrem Land zurückversetzt gefühlt, so Reiter im Deutschlandradio Kultur. (MP3-Audio)
Der ehemalige Bundespräsident, Richard von Weizsäcker, hat die Westdeutschen dazu aufgerufen, sich neugierig in den ostdeutschen Bundesländern umzusehen. Im Deutschlandfunk sagte er, sie sollten sich aktiver an der Diskussion über die Vergangenheit im Osten und den Prozess der Einheit beteiligen. (MP3-Audio)
Ilko-Sascha Kowalczuk, Historiker bei der Birthler-Behörde, hat es als einen Kardinalfehler bezeichnet, dass die Aufarbeitung der DDR-Geschichte sich zu sehr auf die Rolle der Staatssicherheit konzentrierte. Man dürfe nicht vergessen, dass die SED-Funktionäre die Befehlsgeber gewesen seien, so der Wissenschaftler im Deutschlandfunk. (MP3-Audio)
"Mr. Gorbatschow, tear down this wall!" - "Reißen Sie diese Mauer nieder!" Mit diesen Worten ging Ronald Reagan 1987 in die Geschichte ein. Sein Adoptivsohn Michael hält Reagans Vorstoß zwei Jahre vor dem Fall der Mauer für einen der Auslöser der späteren Wiedervereinigung. "Ich glaube, sein Beitrag wird nicht genügend gewürdigt", sagte er im Deutschlandfunk. (MP3-Audio)
Kaum eine Pressekonferenz in der Geschichte löste größere Konfusionen aus als die von Politbüromitglied Günter Schabowski am 9. November 1989. Die Sendung Markt und Medien untersucht unter der Überschrift Katalysatoren der Maueröffnung die Rolle der Medien an dem historischen Tag.
"Die Medien haben hier als Geschichtsbeschleuniger gewirkt", stellt der Gründungsintendant des Deutschlandradio, Ernst Elitz im Deutschlandfunk fest - und schreibt Journalisten somit eine aktive Rolle beim Mauerfall zu.
Viele Menschen fühlten sich überrollt: "Ich war etwas unruhig" - so erlebte der damalige DDR-Grenzsoldat Peter Kaminski den Mauerfall vor 20 Jahren. Er sei von den Ereignissen "überrollt" worden, sagte Kaminski im Deutschlandradio Kultur.
Der Fall der Mauer war ein Ereignis, mit dem niemand gerechnet hatte, obwohl es oppositionelle Gruppen, Demonstrationen und eine Fluchtbewegung gab. Zehntausende waren im Herbst 1989 aus der DDR geflohen. Das Kalenderblatt erinnert an diesen Tag.
Westberlin habe schon Monate vor der Maueröffnung begonnen, sich auf Besucherströme aus dem Osten vorbereiten, sei aber vom frühen Zeitpunkt der Reisefreiheit für DDR-Bürger überrascht worden, sagt Dieter Schröder, der 1989 Westberliner Senatskanzleichef war, im Deutschlandradio Kultur. (MP3-Audio)
Programmhinweise:
Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur berichten live über die Feierlichkeiten zum Jahrestag des Mauerfalls. Zu den Highlights zählen "20 Jahre Mauerfall - das Konzert" um 20.10 Uhr im Deutschlandfunk, das in der Sendung Grundton D mit Werken von Schubert, Beethoven, Schönberg, Wagner und Mendelssohn Bartholdy live aus dem Berliner Dom übertragen wird. Anschließend hören Sie das Feature "Wo sind wir bloß hingekommen? - Die letzten Monate der Stasi im Originalton" ebenfalls im Deutschlandfunk um 22.05 Uhr.
Weitere Programmtipps und Links zum Thema haben wir für Sie zusammengefasst.
Auf "20 Jahre Mauerfall" finden Sie Hintergrundberichte und Reportagen aus zurückliegenden Jahren sowie Interviews aus beiden Programmen des Deutschlandradios, chronologisch geordnet.
Darüber hinaus empfehlen wir die Website "Chronik der Mauer" - eine Kooperation von Deutschlandradio, der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. Sie stellt das derzeit umfangreichste multimediale Informationsangebot dar, das neben einer Chronologie der Geschichte der Mauer und umfangreichen Textquellen einschließlich Sekundärliteratur, Link- und Filmlisten, Lehrmaterialien, O-Töne und Reportagen aus Ost und West enthält, die einen Querschnitt aus 28 Jahren Mauer abbilden.
Letzte Änderung: 19.05.2010 03:20 Uhr
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