In einer Abschlusserklärung hat die Hochschulrektorenkonferenz in Leipzig den Bundesländern vorgeworfen, dass die neuen Studiengänge Bachelor und Master unterfinanziert und zum Teil überreguliert seien. Die Konferenz wurde von Studentenprotesten begleitet.
In Leipzig haben rund 4000 Studenten aus dem gesamten Bundesgebiet protestiert. Unter dem Motto "Keine Stimme ohne uns - Für eine demokratische Bildungspolitik" traten sie für mehr Partizipation an der Hochschulpolitik, bessere Studienbedingungen und gegen Studiengebühren ein. Anlass für die Kundgebung war die 7. Mitgliederversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).
Vor dem Hintergrund der anhaltenden Studentenproteste ging es bei der Versammlung der deutschen Hochschulrektoren unter anderem um die Weiterentwicklung des umstrittenen Bologna-Prozesses. Im Zuge dieser Reform waren die Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt worden, mit dem Ziel, die europäischen Hochschulabschlüsse zu vereinheitlichen.
Die Wut der Studenten entzündet sich an den schlechten Bedingungen an den Hochschulen wie an mangelhafter Ausstattung, überfüllten Hörsälen, schlechter Betreuung und verschulten Bachelor-Studiengängen. Außerdem fordern die Studenten die Abschaffung der Studiengebühren und die Ausweitung und Erhöhung des BAföG. (MP3-Audio)
Im Deutschlandradio Kultur verteidigte die Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, die Neuordnung der Studiengänge in Deutschland. Natürlich gehe eine solche "Riesenreform" nicht ohne Probleme ab, sagte sie mit Blick auf die 1999 in Bologna verabredete Vereinheitlichung der Studiengänge in Europa.
Momentan mischten sich vernünftige Forderungen wie die nach mehr Lehrpersonal und kleineren Seminaren mit der allgemeinen Unzufriedenheit. So sei der Vorwurf der Ökonomisierung der Wissenschaft und der Hochschulen "barer Unfug", meint die HRK-Präsidentin.
Die Universität Gießen will den Bologna-Prozess vom viel monierten Druck befreien und die Studiengänge auf ihren Ablauf hin kritisch überprüfen. Dabei würde auch mehr Geld helfen, sagt Vizepräsident Joybrato Mukherjee im Deutschlandfunk.
Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte unterdessen Verständnis für die Proteste der Studenten. Gleichzeitig verteidigte sie die Reform der Studiengänge auf dem Deutschen Arbeitgebertag in Berlin. Man müsse aber darüber reden, ob dabei jedes Detail bedacht worden sei. Ein Teil der Unzufriedenheit der Studenten rühre von den Zeitvorgaben her und von der Frage, ob ausreichende Räumlichkeiten zur Verfügung stünden.
Als Reaktion auf die massiven Studentenproteste der vergangenen Woche hatte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) das Konzept des Bildungssparens vorgestellt. Die Koalition plant ein sogenanntes Zukunftskonto mit einem Startkapital von 150 Euro für jedes Kind. Einzahlungen von Eltern und nahen Verwandten auf dieses Konto sollen mit Prämien vom Staat belohnt werden.
Das Modell löste ein geteiltes Echo aus. Der Verband Bildung und Erziehung sprach sich dafür aus. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft lehnte es dagegen als sozial ungerecht ab. Es benachteilige Geringverdiener und Hartz IV-Empfänger, sagte der GEW-Vorsitzende Thöne.
Die CDU-Politikerin wies die Kritik zurück. Familien, die sich das Bildungssparen nicht leisten könnten, würden mit BAföG und Stipendien unterstützt.
Kommentar: Bildungssparen
Die Mängelliste der Studierenden ist lang: Sie wehren sich unter anderem gegen die Studiengebühren von 500 Euro pro Semester, die in mehreren Bundesländern in den letzten Jahren eingeführt wurden. Bologna auf dem Prüfstand
Letzte Änderung: 03.06.2010 03:20 Uhr
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