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AKTUELL VOM 08.06.2010
Sir Winston Churchill (Bild: AP) Sir Winston Churchill (Bild: AP)

Militärisches Desaster

Reihe: "Juni '40 - Der Revanchekrieg gegen Frankreich" - Teil 4

Von Jörg Hafkemeyer

"Die große Schlacht zwischen der Kanalküste und der Maas ist immer noch in vollem Gange. An mehreren Stellen sind starke feindliche Kräfte abgesprengt und umschlossen und gehen ihrer Vernichtung entgegen", meldet das Oberkommando der Wehrmacht am 11. Juni 1940.

OKW-Bericht; "Die große Schlacht zwischen der Kanalküste und der Maas ist immer noch in vollem Gange. An mehreren Stellen sind starke feindliche Kräfte abgesprengt und umschlossen und gehen ihrer Vernichtung entgegen. Infolge der schweren blutigen Verluste und der großen Einbußen an Gefangenen und Material aller Art schwindet der feindliche Widerstand zusehends dahin."

Das meldet das Oberkommando der Wehrmacht am 11. Juni 1940. Der CBS-Radiokorrespondent William Shirer berichtet an diesem Tag:

Shirer: "Die Deutschen stehen jetzt ungefähr so nah vor Paris wie am 1. September 1914. Deshalb wiesen uns militärische Kreise heute darauf hin, dass die deutsche Position derzeit viel besser sei als damals.

Erstens, weil der rechte Flügel stärker ist und jetzt von Westen auf Paris vorrückt, während man 1914 von Osten kam. Zweitens kann den Franzosen keine schlagkräftige britische Armee mehr zu Hilfe eilen. Drittens gibt es keine Ostfront wie 1914, so dass jetzt die gesamte deutsche Armee gegen Paris eingesetzt werden kann."


Der britische Premierminister Winston Churchill in seiner Rede an die Nation Mitte Juni 1940.

Winston Churchill: "Das militärische Desaster in Frankreich in den letzten Wochen hat mich in keiner Weise überrascht. Tatsächlich habe ich dem House of Commons - wie sie sich erinnern werden - schon vor einiger Zeit erklärt, dass wir die schlimmsten Dinge noch vor uns haben."

Das Oberkommando der Wehrmacht meldet über die Kämpfe auf dem Weg nach Paris.

OKW-Bericht: "In den Mittagsstunden des 11. Juni wird mit einer starken Artillerievorbereitung der Übergang über die Marne erzwungen, nachdem schon vorher ein schwacher Brückenkopf gebildet werden konnte."

Der CBS-Radiokorrespondent William Shirer meldet über den Kriegsverlauf aus Berlin:

"Ein Sonderbericht von heute Abend gibt bekannt, dass eine eingeschlossene französische Armee sich bei St. Valery ergeben hat. Ein französischer Korpsgeneral, vier französische Generäle, ein englischer General und 20.000 Mann seien gefangen genommen worden."

OKW-Bericht: "Das Tempo des Vormarsches steigert sich immer mehr. Die Division liegt jetzt weit vor ihrem linken Nachbarn, der Artillerieunterstützung angefordert hat. Die zerschlagenen französischen Einheiten geraten auf ihrer Flucht vor die Artilleriestellungen der Division."

Ein feindlicher Divisionsstab wird gefangen genommen. Wichtige geheime Akten fallen in deutsche Hand. Der französische General erschießt sich vor der Gefangennahme.

Sofka Zinovieff, 1907 in Sankt Petersburg geboren, lebt nach Jahren des Umherziehens in Paris, schreibt Tagebuch. Auch an diesem 11. Juni 1940.

Sofka Zinovieff: "Der Bahnhof ist gesperrt. Eiserne Sperren und Postenketten der Polizei sollen die Menge daran hindern, das Gebäude zu stürmen. Menschen, die in Ohnmacht fallen, kranke Menschen, schreiende Kinder, schluchzende Frauen, kichernde Mädchen, Menschen, die schlafen, essen, vor sich hinstarren, Menschen, Menschen, Menschen…der Gestank ist unbeschreiblich."

Auch hier gibt es niemanden, der den Leuten sagen könnte, wohin sie gehen sollen, wie lange sie warten müssen, der sich um Essen kümmern würde. Nichts. Das rote Kreuz ist gestern abgezogen.

Der in Paris lebende deutsche Kaufmann Karl Reichenbach bereitet die Flucht aus der Stadt vor und schreibt in sein Tagebuch.

Karl Reichenbach: "Es ist besser, alles aufzugeben: sein Heim und seine Habe, selbst auf die Gefahr hin, nie etwas davon wieder zu sehen, als das Schicksal der Tschechen, Polen und Norweger zu teilen. Wir wissen, was in diesen überfallenen Ländern geschehen ist. Ein ähnliches Schicksal zu erleiden kann für niemanden in Betracht kommen."


Letzte Änderung: 16.12.2010 03:42 Uhr

 

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