Der Vorstand der Deutschen Bundesbank hat sich einstimmig für eine Trennung von Thilo Sarrazin ausgesprochen.
Der umstrittene Autor von "Deutschland schafft sich ab" soll demnach vom Bundespräsidenten als Vorstand der Notenbank abberufen werden. Einen entsprechenden Antrag an Christian Wulff hat der Bundesbank-Vorstand beschlossen, heißt es in einer am Donnerstag Nachmittag verbreiteten Mitteilung auf der Homepage der Bank.
Bei der Vorstellung seines Buches "Deutschland schafft sich ab" in der Berliner Bundespressekonferenz hatte Sarrazin seine umstrittenen Thesen verteidigt. Er sehe sich durch die Meinungsfreiheit in Deutschland gedeckt. Überdies habe er in seiner Eigenschaft als Bundesbankvorstand keine dienstlichen Obliegenheiten verletzt.
In einem Interview mit der ARD hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Bundesbank indirekt dazu aufgerufen, in der Causa Sarrazin über Konsequenzen nachzudenken.
Der Politikwissenschaftler Gerd Langguth hält es für einen "Missbrauch des öffentlichen Amtes, dass er mit seinem hohen Bekanntheitsgrad als Bundesbanker hier so argumentiert". Sarrazins Aussagen bewegten sich "am Ende der politischen Moral", sagte Langguth im Interview mit dem Deutschlandfunk.
Der Politologe Gero Neugebauer sagt voraus, dass auch 2000 Protest-E-Mails die SPD nicht von einem Parteiausschlussverfahren gegen Thilo Sarrazin abhalten würden. In der SPD spiele es - anders als in der Union - eher eine Rolle, wenn gegen Traditionslinien verstoßen werde, so Neugebauer gegenüber Deutschlandradio Kultur.
Der Publizist Henryk M. Broder sieht in Sarrazins Äußerungen hingegen einen Beitrag zum demokratischen Diskurs. Die massive Kritik an dem Buch erinnere ihn an eine "dunkle Epoche der europäische Geschichte, zum Beispiel die Hexenverbrennung", sagte Broder im Interview mit Deutschlandradio Kultur.
Unterstützung bekommt Sarrazin auch von der türkischstämmigen Publizistin Necla Kelek. Sarrazins Kritik an schlecht integrierten muslimischen Migranten entspreche an vielen Punkten ihren eigenen Gedanken, sagte Kelek im Interview mit Deutschlandradio Kultur.
Die Schriftstellerin Thea Dorn der deutschen Politik fehlende Streitlust bescheinigt. Im Deutschlandfunk sagte sie, große Teile der politischen Klasse in Deutschland seien nicht streitfähig und versuchten nur, die "Ruhe im Kasten" aufrecht zu erhalten.
Letzte Änderung: 06.09.2010 08:38 Uhr
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