Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan hat Bundeskanzlerin Merkel aufgefordert, sein Land aktiv bei den EU-Beitrittsverhandlungen zu unterstützen und betont, es dürfe keine Verlangsamung in diesem Prozess geben.
Deutschland müsse seine Hilfe fortsetzen, sagte er nach einem Treffen mit Merkel in Berlin. Merkel erklärte, die Verhandlungen wurden "wie vereinbart ergebnisoffen" geführt. Seit 2005 verhandelt die Türkei mit Brüssel den Beitritt zur Europäischen Union. Die EU hat jedoch von Anfang an klar gemacht, dass die Verhandlungen zehn bis 15 Jahre in Anspruch nehmen können.
Unter anderem belastet Zypern die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Die Mittelmeerinsel ist zwischen griechisch- und türkischstämmigen Bewohnern geteilt. Die EU besteht darauf, dass die Türkei ihre Häfen und Flughäfen für zypriotische Schiffe und Flugzeuge öffnet. Ankara lehnt das wegen der Handelsbeschränkungen für den - türkischen - Nordteil Zyperns jedoch ab. Die Bundeskanzlerin sicherte zu, bei einem Besuch in Zypern im Januar in der umstrittenen Sache zu vermitteln. "Wo wir hilfreich sein können, werden wir das sein", sagte Merkel.
Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan spricht im Bundeskanzkleramt in Berlin nach einem Treffen mit Angela Merkel (Bild: AP)
Die Bundeskanzlerin rückte vor allem das Thema Integration in den Fokus. Sie forderte die in Deutschland lebenden Türken dazu auf, die Gesetze und das Grundgesetz zu akzeptieren und die deutsche Sprache zu erlernen. Kanzlerin und Erdogan waren sich einig, dass es dabei um Integration und nicht um die Assimilation der mehr als zwei Millionen Menschen türkischer Abstammung in Deutschland gehe. Es gebe noch Defizite, räumte Erdogan ein. Beide Länder sollten seiner Ansicht nach überlegen, was noch weiter für die Integration getan werden könne.
Der türkische Ministerpräsident appellierte an die in Deutschland lebenden Türken, die deutsche Sprache zu lernen. "Es ist wichtig, dass man eine zweite Sprache lernt. Aber die Voraussetzung dafür ist aber, dass man seine Muttersprache gut kann. Je besser man die lernt, desto besser und leichter fällt dann das Lernen der zweiten Sprache."
Erdogan beglückwünschte Bundespräsident Christian Wulff zur Rede zum Tag der Deutschen Einheit. Wulff hatte gesagt, dass auch der Islam zu Deutschland gehöre. Erdogan ergänzte, dies sei ebenso eine Realität, wie auch die, dass auch Christentum und Judentum zur Türkei gehörten. "Ich erkenne das hoch an", sagte er und ergänzte, "es ist erforderlich, dass wir Toleranz walten lassen."
Mit seiner Rede löste Wulff eine Debatte über die Stellung des Islam in Deutschland aus. Wulff reist Mitte Oktober zu einem Staatsbesuch in die Türkei.
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Letzte Änderung: 18.04.2011 03:44 Uhr
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