Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat nach einem Treffen mit Spitzenvertretern der Futtermittelbranche und Verbraucherschützern Konsequenzen aus dem Dioxin-Skandal gefordert. Die Zulassungspflicht für Futtermittelbetriebe in Deutschland soll verschärft werden.
Außerdem soll die Verarbeitung von Fetten für Futtermittel und von Fetten für die industrielle Verarbeitung europaweit streng voneinander getrennt werden.Verstöße gegen das Futtermittelrecht sollen künftig strenger bestraft werden.
Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte zuvor einen Bericht der Organisation Foodwatch zurückgewiesen, demzufolge Rückstände von Pflanzenschutzmitteln für den Dioxin-Skandal verantwortlich sein sollen. Der Bericht wäre reine Spekulation, hieß es aus dem Bundesagrarministerium. Die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen.
Die Organisation Foodwatch hatte am Morgen vermeldet, dass Rückstände von Pflanzenschutzmitteln für den Skandal verantwortlich sein. Dies ergebe sich aus dem Muster einer Futterfett-Probe, die von einem Partnerunternehmen von Harles & Jentzsch stamme, teilte Foodwatch mit. Die Analyse weise Rückstände einer Verbindung auf, die beispielsweise als Pilzgift eingesetzt werde. In Deutschland darf diese Verbindung seit 1986 nicht mehr produziert und seit 1989 nicht mehr angewendet werden.
Wegen des Dioxin-Skandals seien immer noch 1700 landwirtschaftliche Betriebe von einer Sperrung betroffen, sagte Landeskorrespondentin Susanne Schrammar im Deutschlandfunk. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium habe aber weitere Handelsfreigaben am Nachmittag angekündigt. In Niedersachsen wurden inzwischen etwa 3000 der etwa 4700 wegen Dioxin-Verdachts gesperrten Höfe wieder freigegeben.
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Spitzenvertreter der Futtermittelbranche, der Landwirtschaftsverbände und führende Verbraucherschützer treffen in Berlin zu Beratungen über die Konsequenzen aus dem Dioxin-Skandal zusammen.
Aigner appellierte im Vorfeld des Treffens an die Bundesländer, sämtliche Futterfetthersteller auf mögliche Dioxinbelastungen zu überprüfen. Die Bundeslandwirtschaftsministerin setzt auf europaweite Regelungen der Futtermittelkette. Technische Fette und Tierfutter sollen nicht mehr in den gleichen Betrieben verarbeitet werden.
Im Deutschlandfunk forderte Aigner ein hartes Durchgreifen der Justiz gegen kriminelle Futterproduzenten . Die CSU-Politikerin kündigte zudem an, Gesetzesverschärfungen zu prüfen. Aigner sagte, sie erwarte von der Futtermittelindustrie konkrete Vorschläge, um künftige Skandale dieser Art zu verhindern. Sie gehe davon aus, dass die Hersteller ihre Eigenkontrollen verstärken und sich diese auch zertifizieren lassen.
Der Futter- und Industriefettbetrieb Harles & Jentzsch hatte rund 3000 Tonnen dioxinbelastetes Futterfett in mehrere Bundesländer geliefert. Das Unternehmen soll bereits im März vergangenen Jahres gewusst haben, dass man die Grenzwerte überschreite. Nach eigenen Angaben verwendete Harles & Jentzsch eine nicht geeignete Milchfettsäure. Statt einer für die Futtermittelherstellung freigegebene, wurde eine für die technische Industrie nutzbare Fettsäure verwendet. In sogenannten Rückstellproben des Herstellers wurde eine bis zu 77-fache Überschreitung der Dioxin-Grenzwerte festgestellt.
Das niedersächsische Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz informiert über den aktuellen Sachstand zum Dioxin im Futterfett von Harles und Jentzsch
Aktuelle Hintergrundinformationen zu Dioxin und zur Lebens- und Futtermittelkontrolle in Deutschland auf der Website des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.
Regionale Lebensmittelproduktion als Ausweg aus dem Dioxinskandal
Was ist Dioxin?
Bauern leiden unter Dioxinskandal
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Grenzwerte, Betroffenheit und Eiertänze
Der Dioxin-Skandal und seine Ursachen (DLF)
Letzte Änderung: 17.07.2011 03:46 Uhr
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