Es begann exakt am 15. Januar 2001 mit einem einzigen Beitrag: Das Onlinenachschlagewerk lud die Welt zum Mitschreiben ein, ohne großartiges Regelwerk. Heute gibt es Admistratoren, 300 Mitarbeiter - und seitenlange Relevanzlisten, was erlaubt ist.
Am Anfang standen bildungspädagogischer Idealismus und Verdruss an kapitalistischen Geldgeschäften. Jimmy Wales, 33jähriger Elite-Hochschulabsolvent aus Alabama, der als Börsianer und Geschäftsführer einer Internetfirma ein kleines Vermögen angehäuft hatte, fragte sich, ob das schon alles gewesen war. Da kam dem Internetfreak, der im freien Geist der Montessori-Pädagogik erzogen wurde, ein Einfall, der die Welt verändern sollte. So beschreibt das heutige Kalenderblatt zum Onlinenachschlagewerk Wikipedia den Ursprung.
Heute enthält die deutsche Ausgabe von Wikipedia etwa eine Million Beiträge, eine ganze Fülle an unterschiedlichen Positionen wurde nach und nach eingerichtet: vom Administrator über den Steward und Bürokrat bis hin zum Check User, wie der Beitrag "Die Demokratisierung des Wissens" im Deutschlandfunk Hintergrund unter anderem erläutert.
Doch Reglement hin oder her: Häufig noch zeigt sich Wikipedia auch von seiner anarchischen Seite. Geradezu Berühmtheit erlangte eine Diskussion bei Wikipedia, die Tausende Seiten füllt. Ein Schreiber änderte den Satz "Der Donauturm ist ein Aussichtsturm" in "Der Donauturm ist ein Fernseh- und Aussichtsturm" - und eine Wikipedia-Diskussion nie dargewesenen Ausmaßes entbrannte. Unter anderem Spiegel.de berichtete darüber. Am Ende wurde dem Auslöser der Diskussion nachgewiesen, dass er mit sogenannten Sockenpuppen künstlich seine Argumentation gestützt hatte, seine Accounts wurden gelöscht.
Mit den Regeln ist das so eine Sache: Deutschland regelt gerne, auch bei Wikipedia ist das so. Hier wird die Debatte seit Monaten beherrscht von einem Streit zwischen "Inklusionisten" und "Exklusionisten", wie Deutschlandradio Kultur berichtet: Die einen wollen möglichst alle Artikel veröffentlichen und auch abseitigen Themen einen Platz zu geben. Die anderen verlangen strenge und sehr umstrittene Nachweise, dass ein Thema relevant ist. "Das ist eine der langwierigsten Diskussionen, die wir haben, hatten und wahrscheinlich haben werden", gesteht auch Sebastian Moleski, erster Vorsitzender von Wikimedia Deutschland, ein. "Also Regeln werden sicherlich auch woanders formuliert, nur der Umfang dieser Regeln ist in der deutschen Wikipedia deutlich größer", skizziert Martin Haase, Professor für romanische Sprachwissenschaft an der Universität Bamberg, die Arbeit für Wikipedia im Deutschlandradio Kultur.
Diesen Streit gibt es nur in Deutschland und viele glauben, er könnte die deutsche Wikipedia austrocknen lassen.
Weitere Links zum Thema Wikipedia:
Jimmy Wales im DLF-Interview am 6.8.2005 in Frankfurt/Main (Audio)
Interview mit Jimmy Wales, Wikipedia, 27.10.2009 (Audio in englisch)
10. Wikipedia-Geburtstag: Die offizielle Liste auf Wikipedia mit den Feiern weltweit.
Wikipedia-Eintrag: Auch für den Begriff Wikipedia gibt es einen Wikipedia-Eintrag.
Letzte Änderung: 25.07.2011 03:45 Uhr
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