"Putin ist ein Dieb" skandierten gestern abend Tausende von Demonstranten in Moskau. Die Präsidentschaftswahl und den Sieg von Wladimir Putin nannte einer der Protestierenden eine "maßlose Farce". Doch auch die Unterstützer Putins gingen auf die Straße.
Es lag von Anfang an Spannung in der Luft. Schon am Nachmittag hatten sich die Anhänger Putins auf dem Manegeplatz direkt am Kreml versammelt. Viele kamen in Gruppen, viele junge Leute, zwischen 20 und 30 Jahren, sie trugen Fahnen mit dem Gesicht des künftigen Präsidenten. Eine Gruppe junger Frauen trug Schärpen mit der Aufschrift "Ich will Kinder, keinen Krieg." Mit Journalisten redete kaum jemand. Das Motto der Kundgebung: "Vybor sdelan", "Die Wahl ist getroffen." Putin ist bereits gewählt, doch er brauche noch immer Unterstützung, sagte einer der Demonstranten, der Werbefachmann Iwan.
"Es gibt die Information, dass einige Kräfte versuchen werden, bestimmte Gebäude zu stürmen, das der Zentralen Wahlkommission oder sogar den Kreml. Wir sind hier, um dem entgegenzutreten."
Diejenigen, die angeblich den Kreml stürmen wollen, demonstrierten 15 Minuten Fußmarsch vom Kreml entfernt auf dem Puschkinplatz.
Mehrere tausend skandierten immer wieder: "Russland ohne Putin", "Putin ist ein Dieb" oder "Putin in den Knast statt in den Kreml". Wieder hatten sich viele weiße Schleifen angeheftet, das Erkennungszeichen der Opposition, aber statt der nahezu feierlichen Stimmung der vergangenen Wochen herrschte nun eine Mischung aus Frust und Zorn. Der 24 Jahre alte Architekt Andrej war zum ersten Mal dabei.
"Weil mir diese maßlose Farce wirklich reicht. Dass Millionen Menschen für Putin eingespannt werden - bei Kundgebungen oder bei Wahlfälschungen. Wenn sie jetzt behaupten, es gäbe keine Fälschungen, dann ist das lächerlich. Und traurig."
Marina studiert Design. Sie war am Sonntag Wahlbeobachterin.
"Die Leute, die für Putin stimmen, haben keine eigene Meinung. Die sind gekauft oder bearbeitet. In meinem Wahllokal gab es keine Verstöße. Aber die ganze Wahlkampagne war unfair und deshalb ist auch das Ergebnis nicht fair."
Auch viele ältere Menschen waren auf dem Puschkinplatz. So wie der Fabrikarbeiter Wladimir.
"Wir müssen weiter kämpfen, wir dürfen nicht aufgeben. Wir wissen alle, dass das nur der Anfang ist. Ich habe 1991 bei ähnlichen Aktionen mitgemacht. Damals hatten wir keinen Erfolg. Aber wir haben Erfahrung gesammelt. Diesmal wird es klappen. Ich möchte eine echte Demokratie in unserem Land."
Dafür brauchen sie nicht nur einen langen Atem, sondern auch Mut. Die gesamte Umgebung rund um den Puschkinplatz war voller Polizei. Sicherheitskräfte hatten den Kreml hermetisch abgesperrt. Elitekämpfer der Omon, der Sondereinheiten des Innenministeriums, säumten den Straßenrand in mehreren Reihen, martialisch ausgestattet mit Schildern, Knüppeln und Kampfkleidung. Dazu Militärlaster und Polizeibusse. Die Protestkundgebung verlief friedlich. Als sich einige Teilnehmer weigerten, den Platz nach dem Ende der Veranstaltung zu verlassen, griff die Polizei zu.
Letzte Änderung: 07.03.2012 11:42 Uhr
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Anti-Putin-Demonstrationen in Moskau
Sendezeit: 06.03.2012 05:08
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