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AKTUELL VOM 17.04.2012
Anders Behring Breivik präsentiert im Zeugenstand im Gerichtssaal in Oslo sein wirres Weltbild. (Bild: picture alliance / dpa - Lise Aserud) Anders Behring Breivik präsentiert im Zeugenstand im Gerichtssaal in Oslo sein wirres Weltbild. (Bild: picture alliance / dpa - Lise Aserud)

Breiviks unerträglicher Auftritt

Attentäter inszeniert sich als Widerstandskämpfer

Der norwegische Attentäter Breivik hat in seiner ersten Aussage vor Gericht seine Ideologie zur Schau getragen. Die vorbereitete Rede war für Angehörige und Beobachter nur schwer auszuhalten. Neben reichlich Eigenlob zollte er Al-Kaida und dem Zwickauer Terror-Trio Anerkennung.

Wieder läuft alles nach seinem Plan. Die Richterin ermahnt den angeklagten Massenmörder Anders Behring Breivik wiederholt, seine Aussage abzukürzen. Statt 30 Minuten schildert Breivik in mehr als einer Stunde minutiös, wie er 77 Menschen im vergangenen Juli ermordet habe - erst die explodierte Autobombe im Osloer Regierungsviertel, dann der Amoklauf auf der Insel Utøya, wo sozialdemokratische Jugendliche debattiert hatten. Es scheint, als ob der Angeklagte die Regie dieses Prozesses führt - Unterhaltung auf dem Niveau eines TV-Krimis, kommentiert Brigitte Baetz.

Breivik "würde es wieder tun"

Die Belastung für die Opferfamilien steigt ins Unerträgliche, als Breivik seine Taten mit einer aberwitzigen Weltsicht zu erklären versucht. Er habe "aus Güte, nicht aus Boshaftigkeit" gehandelt. "70 Menschen zu töten, kann einen Bürgerkrieg verhindern", meint der 33-Jährige. Kopfschütteln im Zuschauerraum, Unruhe kommt auf. "Ja, ich würde es wieder tun." Die Anschläge seien "der spektakulärste politische Angriff eines Nationalisten seit dem Zweiten Weltkrieg".

Seine jugendlichen Opfer seien keine "unschuldigen Kinder", sondern "politische Kämpfer" gewesen, vergleichbar mit der Hitler-Jugend, fährt Breivik mit ruhiger Stimme fort. Der Doppelanschlag sei "präventiv" gewesen, um einen Kampf der Kulturen in Europa zu verhindern. "Multikulti" sei eine "selbstzerstörerische Ideologie", die Norwegen nur "Sushi und Flachbildschirme" bringen werde.

Anerkennung für Al-Kaida und deutsche Terrorzelle

Seine Aussage gleicht einer Hasspredigt gegen den Islam. Muslime seien für "Ströme von Blut" verantwortlich, die durch Europas Hauptstädte flössen. Als Belege nennt er die Anschläge von Madrid und London sowie die Attentate von Toulouse.

Die Täter dieser drei Terrorakte brachten sich in Verbindung mit Al-Kaida. Dieses radikalislamische Terrornetzwerk lobt Breivik als "erfolgreichste militante Gruppe der Welt", von der "militante Nationalisten" in Europa "viel lernen" könnten.

In seiner Verteidigungsrede bezieht sich Breivik auch auf die Zwickauer Terrorzelle NSU. Die Gegner von Einwanderung und Multikulturalismus hätten sich seit dem Zweiten Weltkrieg nicht frei äußern dürfen. "Es sind diese Ungerechtigkeiten, die mich (...) und die NSU in Deutschland schufen." In Deutschland wird die NSU beschuldigt, neun Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin ermordet zu haben.

Schöffe wegen Befangenheit ausgewechselt

Trauer um die Opfer: Ganz Norwegen verfolgt den Prozess gegen Breivik (Bild: picture alliance / dpa)

Trauer um die Opfer: Ganz Norwegen verfolgt den Prozess gegen Breivik (Bild: picture alliance / dpa)

Der zweite Prozesstag hatte mit einem Eklat begonnen. Einer der Laienrichter wurde wegen Befangenheit vom Prozess ausgeschlossen. Er hatte im sozialen Netzwerk Facebook einen Tag nach dem Doppelanschlag die Meinung verbreitet: "Die Todesstrafe ist das einzig Gerechte in diesem Fall!".

Der Strafkammer im Breivik-Prozess gehören neben zwei Berufsrichtern auch drei Laienrichter an. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung und die Anwälte der Opfer waren sich einig, dass der Laienrichter Thomas Indrebö nicht weiter der fünfköpfigen Strafkammer angehören könne.

Während der erste Prozesstag weltweit auf vielen Fernsehsendern live übertragen wurde, waren am Dienstag keine Kameras im Gerichtssaal zugelassen. Vor dem Prozess hatten viele kritisiert, Breivik erhalte eine öffentliche Bühne für seine menschenverachtenden Thesen. Die Leiterin des Erlanger Instituts für Medienverantwortung, Sabine Schiffer, hat im Deutschlandradio Kultur davor gewarnt, dem norwegischen Attentäter Breivik eine zu große Medienpräsenz zu gestatten.

Zum Prozessauftakt hatte sich der Angeklagte für "nicht schuldig" erklärt und gesagt, er habe aus Notwehr gehandelt. Das Gericht wolle der rechtsradikale Islamhasser nicht anerkennen.


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Letzte Änderung: 25.10.2012 03:45 Uhr

 

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