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AKTUELL VOM 03.05.2012
Donbas Arena in Donezk in der Ukraine wird Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft 2012 sein (Bild: picture alliance / dpa - Jens Kalaene) Donbas Arena in Donezk in der Ukraine wird Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft 2012 sein (Bild: picture alliance / dpa - Jens Kalaene)

EU-Kommission bleibt EM in Ukraine fern

Ukraine verurteilt "Politisierung von Sportereignissen"

Mit der Absage will die EU-Kommission gegen die Politik von Ukraines Präsident Viktor Janukowitsch protestieren. Wegen der Haftumstände der erkrankten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko steht die Führung in Kiew massiv in der Kritik, auch beim EM-Mitausrichter Polen. Nach Berlin hat nun auch Moskau medizinische Hilfe angeboten.

Die Fußball-Europameisterschaft droht für die Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch zum Fiasko zu werden. Immer mehr wichtige politische Repräsentanten wollen die Spiele in ukrainischen Fußballstadien aus Protest gegen die Haftumstände von Timoschenko boykottieren. In der Hauptstadt Kiew findet am 1. Juli das EM-Finale statt.

Sämtliche 27 Mitglieder der EU-Kommission wollen den 16 Spielen in der Ukraine fernbleiben, teilte eine Sprecherin in Brüssel mit. Die Absage sei jedoch nicht als Boykott zu verstehen. Mit der Entscheidung solle der Regierung Janukowitsch vielmehr Protest signalisiert werden. Das ukrainische Außenministerium reagierte umgehend und nannte "Versuche, sportliche Ereignisse zu politisieren", in einer Mitteilung "destruktiv".

Bundesregierung will zur EM reisen

Neben der EU-Kommission hatten bereits einige Regierungen und Amtsträger ihre Teilnahme an EM-Spielen in der Ukraine abgesagt, so etwa Österreich, EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy.

Die Bundesregierung will bis dato zu den Spielen in beiden EM-Ländern reisen. Kanzlerin Angela Merkel macht die Reise vom Schicksal Timoschenkos abhängig. Außenminister Guido Westerwelle mahnte Kiew jedoch, die Sorgen der Europäer über die Rechtsstaatlichkeit ernst zu nehmen.

Der UN-Sportbeauftragte Willi Lemke warnt dagegen vor einem Boykott. "Ich finde es viel besser, wenn man dort hinfährt, die Möglichkeit des Dialogs in allen Feldern mit den Fans, mit den Offiziellen versucht hinzubekommen, natürlich auch mit Vertretern der Opposition", sagte Lemke im Deutschlandfunk. "Damit nützt man doch viel mehr, als wenn man boykottiert."

DFB: Boykott kommt nicht infrage

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach (Bild: picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach (Bild: picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)

Alle drei Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft in der Gruppe B finden in der Ukraine statt. Brisant wird das Spiel in Charkow gegen die Niederlande am 13. Juni. Dort sitzt Timoschenko in einem Frauengefängnis ein.

Der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Wolfgang Niersbach, lehnt einen Boykott ab. "Das darf, kann und wird nicht infrage kommen; wir bereiten uns als DFB weiter sportlich, logistisch und auch politisch vor", sagte der DFB-Chef. "Wir stehen mit der deutschen Botschaft, dem Goethe-Institut und der Menschenrechtsbeauftragten beim Auswärtigen Amt in Kontakt."

Allerdings ergänzte Niersbach: "Ein klarer Standpunkt der UEFA wäre hilfreich für alle teilnehmenden Länder. Aber die Grundposition, die Präsident Michel Platini hat, ist die, die auch der DFB als Sportverband hat: Bitte überfordert uns nicht. Das Problem muss die Politik lösen."

Rufe nach Boykott im EM-Land Polen

Polens Ministerpräsident Donald Tusk (Bild: AP / Alik Keplicz)

Polens Ministerpräsident Donald Tusk (Bild: AP / Alik Keplicz)

Auch im EM-Gastgeberland Polen werden die Stimmen für einen Boykott lauter. Der Druck auf das Nachbarland müsse verstärkt werden, forderte der polnische Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski. "Die polnische Regierung sollte mit dem Boykott des ukrainischen Teils der EM drohen", schrieb Kaczynski in einem Beitrag für die polnische Nachrichtenagentur PAP.

Regierungschef Donald Tusk hält einen Boykott für "unangemessen". "Wir finden andere Möglichkeiten, Druck auszuüben, damit die Angelegenheit Timoschenko auf humanitäre Weise gelöst wird", sagte der als Fußballfan bekannte Tusk. Er warnte vor einem "Eigentor" bei einem Boykott. Der Ruf der Ukraine werde "gewaltigen Schaden nehmen", sollte sich die Lage von Timoschenko nicht bessern.

Putin bietet medizinische Hilfe an

Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin (Bild: AP)

Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin (Bild: AP)

Der designierte russische Präsident Wladimir Putin hat überraschend angeboten, die ukrainische Ex-Regierungschefin in Russland behandeln zu lassen. Falls sie das selbst wünsche und die Führung in Kiew zustimme, werde Moskau "gerne" und "aus humanitären Gründen" für die 51-Jährige sorgen.

Putin kritisierte die Verurteilung von Timoschenko zu sieben Jahren Haft wegen eines Gasvertrags mit Russland, der angeblich für einen wirtschaftlichen Schaden in der Ukraine gesorgt haben soll. Putin und Timoschenko hatten das Abkommen 2009 unterzeichnet. Es sei rechtens, betonte der gewählte Kremlchef, der an diesem Montag sein Amt antritt. "Das unterzeichnete Abkommen entspricht vollständig den Rechtsprechungen in Russland sowie in der Ukraine."

Tochter: Zustand verschlechtert

Unterdessen soll sich Timoschenkos Gesundheitszustand weiter verschlechtert haben. Seit dem 20. April befindet sich die Oppositionspolitikerin im Hungerstreik. "Sie ist viel schwächer, als sie noch vor ein paar Tagen war", sagte ihre Tochter Jewgenija Timoschenko im ZDF. Sie müsse liegen und könne sich zurzeit "praktisch gar nicht bewegen".


Letzte Änderung: 11.11.2012 03:44 Uhr

 

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