Verprellte Urheber wollen, dass ihre illegal kopierte Inhalte aus dem Netz verschwinden. Das müssen sie vielleicht gar nicht. In vielen Fällen reicht es aus, dass die Nutzer sie nicht finden. Der Suchmaschinengigant Google hat sich in den Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen eingeschaltet.
Jede Woche flattern rund 250.000 Löschanfragen wegen Copyright-Verletzungen in die E-Mail-Fächer des Suchmaschinengiganten. Im April waren es 1,2 Millionen. So ist es im "Transparency Report" des Konzerns zu lesen. Schon länger gab der Bericht Auskunft über Zugriffszahlen auf Google-Dienste und darüber, wann Informationen aus dem Angebot entfernt wurden - meist aufgrund von Anträgen von Behörden oder Usern. Nun gibt es einen Sonderbericht zu Urheberrechtsverletzungen. Sie machen laut dem Konzern den Löwenanteil der Anfragen aus.
Veröffentlicht wird nicht nur, um wieviele es sich handelt, sondern auch von wem sie kommen und welche Seiten sie betreffen. Die meisten Anfragen kamen demnach von einem US-Unternehmen für Online-Marktanalysen und betrafen ausschließlich Microsoft-Anwendungen. Auch der Verband der britischen Musikindustrie und der US-Medienkonzern NBCUniversal gehören zu den aktivsten Beschwerdeführern. Die unerwünschten Inhalte fanden sich auf einer illustren Gesellschaft von Online-Tauschbörsen - im vergangenen Monat rund 24.000 an der Zahl.
Die Daten zeigen: Die Konzerne nehmen das Urheberrecht inzwischen in die eigene Hand und suchen gezielt nach Verstößen. Die werden laut Google auch zuverlässig und schnell bearbeitet: 97 Prozent der beanstandeten Suchergebnisse werden nach einer Prüfung aus den Listen gelöscht - im Schnitt innerhalb von elf Stunden. Dann müssen Nutzer zumindest den Umweg über andere Suchmaschinen nehmen oder sich direkt bei den Plattformen auf die Suche begeben.
Der Hinweis auf seinen unermüdlichen Kampf gegen Online-Piraten könnte auch Googles Versuch sein, Kritikern entgegenzutreten, die behaupten, der Konzern verdiene mit an Urheberrechtsverletzungen. Im Firmenblog heißt es: "Online-Piraterie zu bekämpfen ist sehr wichtig und wir wollen nicht, dass unsere Suchergebnisse zu Dokumenten führen, die Urheberrechtsgesetze verletzen."
Noch im Januar hatte das Unternehmen sich dem Protest gegen die zwei Gesetzentwürfe Stop Online Piracy Act (SOPA) und Protect IP Act (PIPA) angeschlossen. Mit den Worten "Zensiere nicht das Netz" hatte Google dazu aufgerufen, Petitionen an den US-Kongress zu senden. Die Gesetzentwürfe sehen unter anderem vor, dass Suchmaschinen überhaupt Links zu Tauschbörsen listen, die durch Copyright geschützte Materialen zum Herunterladen anbieten.
SOPA und PIPA scheiterten schließlich am massiven Widerstand in der Öffentlichkeit - inzwischen ist aber schon eine neue Gesetzesvorlage zum Umgang mit Online-Kriminalität im Gespräch. Im US-Repräsentantenhaus erhielt der Cyber Intelligence Sharing und Protection Act (CISPA) große Zustimmung - der Senat muss aber noch votieren. Google blieb bisher allerdings auffallend schweigsam.
Letzte Änderung: 29.05.2012 09:17 Uhr
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