Spätestens am 1. Juni fällt die Entscheidung über Schleckers Zukunft (Bild: picture alliance / dpa / Caroline Seidel)
Die größten Gläubiger der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker haben die Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens auf den 1. Juni verschoben. Präsentieren die möglichen Investoren bis dahin keine akzeptable Angebote, wird der Betrieb eingestellt.
Die verbliebenen knapp 14.000 Schlecker-Beschäftigten müssen weiter zittern: Noch liegt kein annehmbares Angebot eines Investors vor. Zwei Interessenten seien noch im Rennen, erklärte Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz nach dem Gläubigertreffen in Ulm. "Wir müssen bis nächsten Freitag ein belastbares und für die Gläubiger akzeptables Angebote vorliegen haben", so Geiwitz. Anderenfalls müsse der Betrieb eingestellt werden.
Bislang seien die Angebote der Investoren sowohl beim Kaufpreis als auch beim Übernahmekonzept für die Gläubiger nicht überzeugend gewesen. "Wenn sich nichts ändert, bin ich nicht zuversichtlich - aber es kann sich noch was ändern", sagte Geiwitz. Der Ausverkauf würde dann bereits im Juni beginnen, die Mitarbeiter würden Ende Juni oder Anfang Juli gekündigt.
Die Namen der verbliebenen zwei Investoren, mit denen er noch spreche, nannte Geiwitz nicht. Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen hatte zuletzt sein Interesse bekundet: "Wir stehen in Kontakt mit dem Insolvenzverwalter", sagte ein Sprecher Berggruens der Nachrichtenagentur Reuters. Wie die "Stuttgarter Nachrichten" melden, soll Berggruen vor zwei Wochen in den Verkaufsprozess eingestiegen sein. Er sei an dem gesamten Konzern interessiert und biete zwischen 100 und 150 Millionen Euro. Ein Geschäftskonzept soll dem Hauptgläubiger Euler Hermes bereits vorliegen.
Die Gewerkschaft ver.di zeigte sich erfreut über mögliche Gespräche mit Berggruen. "Wir sind im Sinne der Zukunft der Schlecker-Beschäftigten offen für Investoren, die den Erhalt der Arbeitsplätze im Blick haben und werden vorliegende Fortführungskonzepte sorgfältig prüfen und bewerten", sagte ver.di-Sprecherin Christiane Scheller.
Belastet wird die Suche nach einem Käufer für das gesamte Unternehmen von mehr als 4000 Kündigungsschutzklagen ehemaliger Mitarbeiter. Der Insolvenzverwalter hatte rund 10.000 Beschäftigte entlassen. Geiwitz hat in der vergangenen Woche eingeräumt, dass das Familienunternehmen in der Insolvenz weiter jeden Monat Verluste schreibt, die die Schlecker-Gläubiger nicht mehr lange hinnehmen wollen. "Das ist kein Dauerzustand. Aus der Insolvenzmasse können wir die Verluste nicht decken", hatte Geiweitz betont.
Für die ebenfalls zahlungsunfähige Schlecker-Tochter Ihr Platz steht Medienberichten zufolge bereits die Münchner Unternehmensbeteiligung Dubag bereit. Der bisher wenig bekannte Finanzinvestor Dubag habe Insolvenzverwalter Werner Schneider zugesichert, alle 480 noch bestehenden Filialen ohne weiteren Personalabbau weiterzuführen. Im Ausland ist bereits das tschechische Filialnetz verkauft worden; im Frankreich-Geschäft stehe man kurz vor dem Abschluss, sagte ein Sprecher der Insolvenzverwaltung. Auch in anderen Ländern gibt es Bewegung: In Spanien zeigten Investoren reges Interesse, in Polen und Österreich werde sondiert.
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Letzte Änderung: 02.12.2012 03:45 Uhr
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