Erste Wahlergebnisse in Ägypten führten zu Straßenprotesten (Bild: picture alliance / dpa / Ahmed Khaled)
Mehrere Tausende Menschen haben gegen die erste Runde der Präsidentenwahlen in Kairo protestiert. Das Hauptquartier eines Kandidaten wurde völlig verwüstet. Viele Ägypter sind frustriert, weil sie bei der Stichwahl Mitte Juni nur noch die Wahl haben zwischen einem Vertreter der Muslimbrüder und einem Repräsentanten des alten Regimes.
Aus Wut über das Ergebnis der ägyptischen Präsidentenwahl haben mehrere hundert Menschen gestern Abend in Kairo das Büro des Kandidaten Ahmed Schafik in Brand gesetzt. In einem gehobenen Viertel der ägyptischen Hauptstadt zogen junge Menschen vor das Büro des letzten Ministerpräsidenten des gestürzten Machthabers, der nun gute Aussichten auf das Präsidentenamt hat. Wie Sicherheitskräfte und Augenzeugen berichteten, warfen die Angreifer Fenster ein und zerrissen Wahlplakate, bevor sie dann ein Feuer legten. "Die Muslimbrüder sind Feinde Gottes", riefen sie in Sprechchören und hielten Bilder ihres Kandidaten hoch. Acht Menschen wurden festgenommen, verletzt wurde niemand.
Später protestierten Anhänger des ehemaligen Mubarak-Vertrauten vor dem zerstörten Gebäude und skandierten gegen die Muslimbruderschaft und dessen Kandidaten Mohammed Mursi gerichtete Parolen. In der Innenstadt von Kairo versammelten sich tausende Menschen zu einer Kundgebung auf dem Tahrir-Platz, die sich sowohl gegen den regierenden Militärrat, als auch gegen die beiden sich in einer Stichwahl gegenüberstehenden Politiker richtete.
Proteste wurden auch aus anderen Städten wie Alexandria und Suez gemeldet. In der nördlichen Metropole Alexandria, einer Hochburg des in der ersten Wahlrunde drittplatzierten linksgerichteten Kandidaten Hamdin Sabahi, rissen Demonstranten große Plakate sowohl von Schafik als auch von Mursi herunter und setzten sie in Brand. Auch in den Provinzen Dakahlija und Mansura im Nildelta kam es zu Protesten.
Stichwahl zwischen Mohammed Morsi (links), und Ahmed Schafik (Bild: picture alliance / dpa / Khaled Elfiqi)
Experten hatten Ausschreitungen befürchtet. Die Wahlbeteiligung lag bei 46,42 Prozent. Die Stichwahl ist für den 16. und 17. Juni geplant. Die Wahlkommission wies Beschwerden von fünf unterlegenen Kandidaten als grundlos ab. Mursi erhielt dem offiziellen Ergebnis zufolge 5,76 Millionen Stimmen oder rund 25 Prozent. Schafik, der von vielen als Vertreter des alten Regimes abgelehnt wird, folgte mit 5,5 Millionen Stimmen. Ob Schafik allerdings überhaupt zur Stichwahl antreten darf, will das Verfassungsgericht am 11. Juni entscheiden. Vor einigen Wochen trat ein Gesetz in Kraft, das es hohen Funktionären des Mubarak-Regimes untersagt zu kandidieren.
Letzte Änderung: 06.12.2012 03:45 Uhr
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