Gestern Abend um halb elf im Nordberliner Bezirk Reinickendorf. Die Polizei rückt an, um den Hells Angels Chapter Berlin City in ihrem Vereinsheim die Verbotsverfügung zu überreichen. Mit der gleichen Aktion soll ein Beschluss des Amtsgerichts Tiergarten vollstreckt werden: Die Beschlagnahme des Vereinsvermögens.
Berlins Innensenator Frank Henkel folgt dem Beispiel seiner Kollegen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, die schon im Frühjahr den Versuch unternommen hatten, mit Vereinsverboten der überbordenden Rockerkriminalität zu begegnen. Aber der Einsatz in den Nachtstunden zeigt auch die begrenzten Möglichkeiten der Staatsgewalt.
Offensichtlich kontrollieren gewalttätige Motorradgangs nicht nur Prostitution und Drogenhandel, sondern verfügen nach Mafiaart auch über beste Verbindungen zur Polizei. Die lang geplante Razzia trifft die Hells Angels nicht unvorbereitet. Prophylaktisch hatte man den Verein schon vorher aufgelöst, das Clubschild abmontiert. Dennoch, neben weiteren Ex-Mitgliedern ist dann auch der Ex-Präsident persönlich anwesend, um aus den Händen der Beamten die Verbotsverfügung entgegenzunehmen.
Und die beginnen dann auch gleich, das Inventar des Clubheims zu sichten und abzutransportieren. Gleichzeitig startet eine Großrazzia an anderen Stellen der Stadt, um die Besitztümer der Angels einzuziehen, auch um die Motorräder geht's dabei. Allein im Clubheim werden fünf Maschinen konfisziert, erklärt ein Polizeisprecher dem Deutschlandradio. Wobei allerdings erst später noch geklärt werden muss, was Privat- und was Vereinseigentum ist. Gesucht werden von der Berliner Polizei derzeit allerdings nicht nur Harley Davidsons und Lederwesten mit Hells-Angels-Signet, sondern vor allem der "Maulwurf" in den eigenen Reihen.
Letzte Änderung: 07.12.2012 03:45 Uhr
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