Entscheidet zukünftig das Verhalten in sozialen Netzwerken über die Kreditwürdigkeit? (Bild: dpa / Simon Chavez)
Der gläserne Internetnutzer: Was Facebook-Mitglieder in ihrem Profil angeben, mit wem sie befreundet sind - diese Daten könnten künftig auch bei dem Auskunftsunternehmen Schufa landen. Datenschützer halten das für rechtlich grenzwertig.
Im Netz liegt ein Schatz an Daten und die Schufa will ihn heben. Die größte Auskunftei Deutschlands plant nach Recherchen des NDR, soziale Netzwerke wie Facebook auszuwerten. Laut dem Sender sollen die Beziehungen von Facebook-Nutzern untereinander ausgelesen werden. Dadurch erhoffe sich die Schufa zum Beispiel Rückschlüsse auf die Kreditwürdigkeit einzelner Nutzer.
Denkbar sei aber auch eine Analyse von Texten, um "das Meinungsbild einer Person zu ermitteln". Interessiert sei man auch an den Adressen der Nutzer, insbesondere, wenn diese sich änderten. Daten könnten auch Personensuchmaschinen, Geodatendienste wie Google Street View und Firmenverzeichnisse im Netz liefern.
Die "Welt" zitiert aus einem Dokument, wonach mithilfe der Daten Persönlichkeitsmerkmale mit der Zahlungsfähigkeit eines Menschen verknüpft werden sollen. Noch wendet die Schufa die neuen Methoden nach eigenen Angaben nicht an, sondern betreibt "Grundlagenforschung" in dem Gebiet.
In einer Pressemitteilung sprach das Unternehmen bisher nur davon, Daten aus dem Netz auswerten zu wollen. Für das Forschungsprojekt "SCHUFALab@HPI" arbeite man dazu mit dem Hasso-Plattner-Institut in Potsdam zusammen. Gemeinsam mit den Wissenschaftlern untersuche man, wie Daten aus dem Web gesammelt werden könnten und wie man ihren Wahrheitsgehalt prüfe.
Die Schufa verweist darauf: "Bereits heute werden über das Web erfolgreich Daten gewonnen, beispielsweise bei Insolvenzverfahren oder Informationen aus dem Handelsregister." Von Vorstandsmitglied Peter Villa heißt es, man wolle mit dem Projekt " auch die unzähligen Mythen und Vermutungen rund um die Informationsquelle Web auf den wissenschaftlichen Prüfstand stellen". Vor allem aber solle "langfristig die Qualitätsführerschaft" der Schufa gesichert werden.
Auch andere Wirtschaftsunternehmen interessieren sich zunehmend für den Informationspool "Soziale Netzwerke". Welchen Einfluss ein Mensch auf seine Umwelt hat, wird inzwischen sogar über eine Punktzahl ermittelt, den sogenannten Score der sozialen Reputation. Viele Punkte könnten Personen für Firmen dann auch zu beliebteren Kunden machen.
Rechtlich hält es der Landesdatenschutzbeauftragte in Hamburg, Prof. Johannes Caspar, für fraglich, ob die Schufa sich der Daten überhaupt bemächtigen darf. Im Deutschlandfunk sagte er, ein grundsätzliches Verbot von Profiling sei notwendig. Nutzer sollten den Zugriff auf die eigenen Daten beschränken.
Der Netzexperte Markus Beckedahl hält die Pläne der Schufa sowohl für bedenklich als auch für unwissenschaftlich. Im Deutschlandradio Kultur sagte er, herumzurätseln, ob jemand kreditwürdig sei, grenze an schlechte Hexerei. Mehr Transparenz sei nötig.
Auch andere Datenschützer schlagen angesichts der Pläne Alarm. "Sollte die Schufa die gewonnenen Daten tatsächlich einsetzen, wäre das eine völlig neue Dimension", sagte der schleswig-holsteinische Landesdatenschutzbeauftragte Thilo Weichert dem NDR-Hörfunk. Von einer "Grenzüberschreitung" spricht Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. Wenn persönliche Datensammlungen von einem Wirtschaftsunternehmen zusammengeführt und ausgenutzt würden, sei das hochgefährlich.
Die beteiligten Wissenschaftler wehren sich unterdessen gegen Kritik an ihrer Kooperation mit der Schufa. Felix Naumann vom Hasso-Plattner-Institut, weist den Vorwurf zurück, sein Forschungsteam leite über Facebook und Twitter gefundene User-Daten an die Banken-Auskunftei weiter. "Die Daten, die gewonnen werden, gelangen nicht an die Schufa", sagte Naumann im Deutschlandradio Kultur.
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Programmhinweis:
Die SCHUFA will Facebook und Twitter auswerten - soll man das verbieten? Das fragen wir heute um 15:50 Uhr in der Sendung "Die Debatte - live" im Deutschlandradio Kultur. Ihre Meinung ist gefragt unter 00800 2254 2254 oder debatte@dradio.de
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Letzte Änderung: 15.12.2012 03:45 Uhr
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