Ein kleines Mädchen legt Blumen zum Gedenken an die Opfer des Attentats an einer Mauer ab. (Bild: AP - Emilio Morenatti)
In ganz Norwegen wird am Samstag an die Bluttat des 22. Juli 2011 erinnert. Bürger, Regierung, Königshaus und viele internationale Gäste bemühen sich um ein angemessenes Gedenken an die Opfer von Utoya und Oslo. Psychologen hoffen, dass der Jahrestag bei den Überlebenden keine alten Wunden aufreißt, sondern auch Chance zum Abschluss sein könnte.
Der Tag beginnt still und ohne große Worte. Im zerbombten Regierungsviertel von Oslo werden Kränze niedergelegt. 40 Kilometer weiter - auf der kleinen Insel Utøya - haben die Menschen Blumen dabei. Überlebende und Hinterbliebene werden auf die Insel gefahren. Politiker, Kameras oder allzu neugierige Journalisten sind erstmal nicht dabei. Renate Grönvold Bugge, eine Psychologin mit deutschen Wurzeln, gehört zum Therapeuten-Team, dass die Rückkehrer nach Utøya begleitet.
"Das ist überhaupt nicht so, dass jeder nachher zu schwer zu leiden hat. Aber viele haben Schwierigkeiten, weil sie dann eine erhöhte Angst kriegen."
Der Jahrestag, sagt die Psychologin, kann für die einige der Überlebenden eine echte Chance zum Abschluss sein.
"Okay, soweit ist es jetzt. Ich will nicht weiter dafür Energie benutzen. Mein Leben geht jetzt weiter. Das ist jedenfalls eine ganz wichtige Botschaft."
Den Blick nach vorne richten. Das will auch das norwegische Fernsehen. Bei dem Gedenkonzert am Abend vor dem Osloer Rathaus werden Hunderttausende erwartet. Es wird nachdenkliche Worte geben, klar. Aber "wir planen keine endlose Trauerfeier", heißt es vom norwegischen Rundfunk. Marit Larsen und unzählige andere einheimische Stars treten auf. Der Folksänger Lillebjörn Nilsen ist auch wieder dabei.
Im April dieses Jahres, als der Prozess gegen Anders Behring Breivik begann, bekam Nilsen einen Anruf. Zwei Frauen aus Oslo waren dran und baten ihn, dieses alte Kinderlied von Pete Seeger noch einmal zu singen. Breivik hatte das an sich harmlose Liedchen vor Gericht als Beispiel marxistischer Hirnwäsche bezeichnet. 40.000 Osloer sangen es daraufhin - nur ein paar hundert Meter vom Gerichtssaal entfernt.
Die Kulisse heute wird noch größer. Möglicherweise ist am Abend auch Bruce Springsteen dabei. Der US-Musiker ist gerade auf Europatournee in Norwegen und die Gerüchte über einen möglichen Auftritt vor dem Rathaus reißen nicht ab. Im Mittelpunkt des Tages sollen aber eh ganz andere stehen. Das machte Ministerpräsident Stoltenberg im ARD-Interview deutlich:
"Es ist die Botschaft, das wir diejenigen, die ihr Leben verloren haben, nicht vergessen. Auch die nicht, die verletzt worden sind und damit den Rest ihres Lebens zu kämpfen haben. Und wir vergessen auch die Angehörigen nicht."
Stoltenbergs Regierung, das Königshaus und viele internationale Gäste wollen versuchen, die Opfer angemessen zu würdigen. Auch die kleineren Gemeinden in Norwegen beteiligen sich, schließlich kamen auch die Toten aus allen Ecken und Winkeln des Landes. Überall wird heute erinnert und auch Mut gemacht.
"Dazu möchten wir denen unseren Respekt zollen, die geholfen haben - den vielen Freiwilligen, den Leuten, die bei Utøya mit ihren Booten unterwegs waren und den vielen anderen, die geholfen haben, Leben zu retten und den 22. Juli zu verarbeiten."
Letzte Änderung: 08.08.2012 08:00 Uhr
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