Deutschland droht eine Abwertung seiner Kreditwürdigkeit. Die amerikanische Ratingagentur Moody's senkte den Ausblick für die deutsche Kreditwürdigkeit von stabil auf negativ. Das Finanzministerium in Berlin reagierte betont gelassen.
Die gute Nachricht: Deutschland behält bei der Kreditwürdigkeit die Bestnote AAA. Die schlechte: Damit könnte es schon bald vorbei sein. Moody's, eine der großen US-Ratingagenturen, hat den Ausblick für die deutsche Kreditwürdigkeit gesenkt. Bislang galt er als "stabil", nun wird er als "negativ" eingeschätzt. Ebenso erging es den Niederlanden und Luxemburg. Finnland dagegen behielt seinen stabilen Ausblick.
Moody's begründete seine Entscheidung mit dem "Ausmaß der Ungewissheit über den Ausblick für den Euroraum". Die möglichen Auswirkungen plausibler Szenarien über Mitgliedsstaaten rechtfertigten keinen stabilen Ausblick mehr. So wäre ein griechischer Austritt aus dem Euro eine "materielle Bedrohung" für die Gemeinschaftswährung, glaubt die Agentur. Denn er könnte eine "Kettenreaktion von Schocks im Finanzsektor und einen Liquiditätsdruck auf Staaten und Banken" auslösen, die die Politik nur zu sehr hohen Kosten eindämmen könne. Das Risiko werde von der Schuldenlast Spaniens und Italiens weiter erhöht.
Das Bundesfinanzministerium in Berlin versuchte zu beruhigen. Moody's vergebe für Deutschland weiter das Höchstrating - eine Bestätigung der anerkannten Stärken der deutschen Wirtschaft und Politik. Deutschland bleibe ein Stabilitätsanker für die Eurozone. Die Senkung des Ausblicks nehme man als "Meinung" zur Kenntnis. Zugleich kritisierte das Ministerium aber die Einschätzung: "Die Eurozone hat eine ganze Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht, die zu einer nachhaltigen Stabilisierung der Eurozone führen werden."
Ähnlich die Ansicht des Chefvolkswirts der Commerzbank, Jörg Krämer. Er riet im Deutschlandfunk dazu, die Absenkung des Ausblicks nicht überzubewerten. Es sei grundsätzlich keine Neuigkeit, dass auch Deutschlands Wirtschaftskraft seine Grenze habe.
Wirtschaftsminister Rösler und andere deutsche Politiker hatten laut über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone nachgedacht. Doch nicht einmal innerhalb der FDP ist man da einer Meinung. Röslers Äußerungen seien "grob fahrlässig", meint der FDP-Europapolitiker Jorgo Chatzimarkakis. Wenn in Griechenland die Mehrwertsteuer auf 23 Prozent steige, könne man nicht behaupten, dort sei nichts passiert, sagte Chatzimarkakis im Deutschlandfunk. Als Vizekanzler und Wirtschaftsminister hätten Röslers Worte Gewicht an den Börsen. Deshalb müsse er auch die Verantwortung für daraus folgende negative Entwicklungen an den Märkten übernehmen, so der Abgeordnete im Europaparlament.
Wenig erfreut über die Gedankenspiele zeigt sich auch Evangelos Antonaros von der griechischen Regierungspartei Nea Dimokratia. Seine Landsleute seien "sehr irritiert" über die widersprüchlichen Töne aus Deutschland, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Athen wolle seine Hausaufgaben machen und zügig mit den Reformen vorangehen, aber "Geduld ist wichtig im Moment".
Der Internationale Währungsfonds hat Berichte zurückgewiesen, nach denen die Hilfen für Griechenland eingestellt werden könnten. Heute sollen Vertreter der sogenannten Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und IWF nach Athen reisen. Die Experten sollen prüfen, inwieweit Griechenland die zugesagten Sparauflagen umsetzt. Vom Abschlussbericht der Troika wird abhängen, ob das Land weitere Kredite erhält.
Lutz Goebel, Vorsitzender des Verbandes der Familienunternehmer, hält einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone für verkraftbar. "Die einzige Chance, die es dort gibt, ist, dass sie aus dem Euro aussteigen und somit wieder wettbewerbsfähig werden können", sagte Goebel im Deutschlandfunk.
Auch Spanien steht weiter unter Druck. Das Land muss immer höhere Risikoaufschläge für seine zehnjährigen Staatsanleihen zahlen. Gestern stiegen die Zinsen auf fast 7,5 Prozent. Ein solcher Wert gilt längerfristig als nicht tragbar für einen Staat.
"Die Eurozone bleibt in diesen Wochen in höchstem Alarmzustand", meint "Le Monde" aus Frankreich. "Der Hilfsplan für die spanischen Banken hat keine Beruhigung gebracht. Es gilt außerdem, eine Katastrophe in Griechenland zu verhindern." Diese und andere Pressestimmen in der Internationalen Presseschau um 12.50 Uhr im Deutschlandfunk.
Letzte Änderung: 31.01.2013 03:44 Uhr
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