Zu sozialistischen Zeiten war Turnen in der Tschechoslowakei eine Vorzeigesportart. (Bild: picture alliance / dpa / D.P.P.I.)
Anders als zu sozialistischen Zeiten ist in der Slowakei das Geräteturnen heute eine absolute Randsportart. Dennoch hat sich der Turner Samuel Piasecky mit viel Disziplin und Stehvermögen international nach oben gekämpft. Mit der Qualifikation für London erfüllt sich sein Traum.
Turnstunde am Stadtrand von Bratislava. Die sechs- bis achtjährigen Kinder machen Bocksprünge mit dem Trampolin. Samuel Piasecky wartet geduldig. Breite Schultern - schmale Hüften. Ein Modellathlet. Erst nach den Kindern beginnt sein tägliches Training:
"Mein Vater hat mich damals auch mit sechs Jahren beim Turnen angemeldet. Er dachte das ist eine prima Eishockey-Vorbereitung. Dann hat es mich aber gepackt und ich durfte weiter turnen obwohl es immer Geldprobleme gab."
Samuel hat sieben Geschwister. Das intensive Training und die Reisen zu den Wettkämpfen sind teuer. Geld vom Klub gibt es nicht - doch er hat Glück. Aus seiner Heimatstadt Kosice schicken ihn die Trainer auf ein Sportgymnasium in die Hauptstadt Bratislava.
"Dort waren wir noch eine Gruppe von etwa 20 Turnern. Wir haben gemeinsam trainiert und viel Spaß gehabt. Nach der Schule und der Uni haben dann aber alle aufgehört. Jetzt bin ich ganz allein übrig geblieben."
Einsam quält sich der heute 27-Jährige beim täglichen Training. Nur sein kleines Gehalt vom Armeesportklub ermöglicht ihm das Überleben.
"Das ist sehr traurig. Es gibt keine Sponsoren und kaum staatliche Subventionen. Es ist schwer als Turner mit diesem Taschengeld über die Runden zu kommen."
Zu sozialistischen Zeiten war es anders. In der Tschechoslowakei war Turnen eine Vorzeigesportart, erinnert sich der Sportfunktionär Lubomir Soucek. Doch das damalige Prestige sei längst Vergangenheit. In der Slowakei zähle heute nur noch Eishockey:
"Das ist unglaublich schwer für ihn. Die Trainingsbedingungen sind ziemlich mies. Es braucht viel Talent und Durchhaltevermögen um dennoch ein internationales Top-Niveau zu erreichen."
Bei der Europameisterschaft in Frankreich reicht es in diesem Jahr für Platz fünf am Barren und Platz sieben am Reck. Er schafft die Qualifikation für London.. Als erster Geräteturner seit 20 Jahren wird Samuel Piasecky sein Land bei den Olympischen Sommerspielen vertreten.
"Das war mein Ziel. Ein Traum geht in Erfüllung. Ich will in London alles geben. Ich werde weiter hart trainieren und viele Wettkämpfe machen. Jetzt geht es nur noch um die Olympiade."
Doch nur eine Medaille in London zählt, das weiß auch Samuel Piasecky . Seine drei größten Fans werden ihm aber in jedem Fall treu bleiben. Mal sehen - so lacht Samuel Piasecky zum Schluss - vielleicht sind meine Kinder die neue slowakische Turnergeneration und können dann auch davon leben.
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Letzte Änderung: 01.02.2013 03:44 Uhr
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