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AKTUELL VOM 01.08.2012
Der US-Schriftsteller Gore Vidal (Bild: picture alliance / dpa / Abaca Alessia Paradisi) Der US-Schriftsteller Gore Vidal (Bild: picture alliance / dpa / Abaca Alessia Paradisi)

US-Autor Gore Vidal ist tot

Schriftsteller stirbt mit 86 Jahren

Er war bekannt für seine scharfen politischen Kommentare und sein vielfältiges literarisches Werk: Gore Vidal schrieb Romane, Essays und Drehbücher - und bezog immer wieder Stellung zum Geschehen in den USA. Nun ist der "Störenfried des nationalen Gewissens" im Alter von 86 Jahren gestorben.

Er war ein politischer Kopf, ein ewiger Querulant und das Enfant Terrible der amerikanischen Literatur: Der Schriftsteller und Drehbuchautor Gore Vidal ist tot. Er starb am Dienstagabend im Alter von 86 Jahren in der Nähe von Los Angeles an den Folgen einer Lungenentzündung. Das teilte seine Familie mit.

Vidal wurde 1925 auf dem amerikanischen Militärstützpunkt Westpoint geboren. Nach seinem Universitätsabschluss arbeitete er zunächst als Maat auf einem Transportschiff, danach als Lektor in New York. Diesen Job gab er jedoch bald zugunsten seiner Arbeit als Schriftsteller auf. Vidal schrieb Sachbücher und Romane, wegen geringer Einnahmen zeitweise auch Detektivgeschichten. Ab 1954 verfasste Vidal außerdem Drehbücher für Film und Fernsehen. Unter anderem war er an dem Skript für den legendären Sandalenfilm "Ben Hur" beteiligt. Auch Broadway-Stücke stammen aus Vidals Feder.

Immer wieder mischt Vidal sich in die Politik ein

Ein Welterfolg wurde 1968 der Roman "Myra Breckinridge", in dem Vidal - selbst bekennender Homosexueller - sich mit den Themen Feminismus und Transsexualität in Amerika befasste. Daneben schrieb Vidal eine ganze Reihe historischer Romane, unter anderem über George Washington ("Burr"), Präsident Grant ("1876") und Abraham Lincoln ("Lincoln"). 1995 veröffentlichte Vidal seine von Kritikern hochgelobte Autobiografie "Palimpsest", ein zweiter Teil seiner Memoiren erschien 2006 unter dem Titel "Point to Point Navigation". Neben seiner Arbeit als Schriftsteller betätigte sich Vidal auch als Schauspieler - so etwa in dem Science-Fiction-Film "Gattaca" von 1997.

Darüber hinaus mischte sich der streitbare Autor immer wieder in das politische Geschehen seines Heimatlandes ein - wobei seine aktiven Ausflüge in die Politik erfolglos blieben. Politisch stand Vidal der demokratischen Partei nahe. Vidal war "ein weltläufig gebildeter linksliberaler Mann", sagt die Literaturwissenschaftlkerin Sigrid Löffler.

Unter anderem schrieb er Reden für John F. Kennedy, mit dem er entfernt verwandt war. Im Laufe seines Lebens profilierte Vidal sich als Kritiker des politischen Systems in den USA, er veröffentlichte über 200 Essays und war häufig zu Gast in TV-Talkshows. Die "Los Angeles Times" nannte ihn "Störenfried des nationalen Gewissens". Mit Blick auf die amerikanische Sicherheitspolitik nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sprach Vidal von "präventivem Staatsterror".

Hören Sie hier einen Nachruf auf Gore Vidal (mp3-Audio) von Jan Tussing.

Programmtipp:
Die Sendung Fazit um 19 Uhr 07 in Deutschlandradio Kultur befasst sich mit dem Tod des Schriftstellers Gore Vidal.

Der US-Autor wurde auch als "Störenfried des nationalen Gewissens" bezeichnet. Was verbinden Sie mit dem Name Gore Vidal? Diskutieren Sie mit uns auf Facebook

Mehr zum Thema bei dradio.de:

"Ein entschiedener Linker" - Gore Vidal, das Enfant Terrible der amerikanischen Literatur


Letzte Änderung: 06.08.2012 11:58 Uhr

 

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