Proteste gegen das "Pussy Riot"-Urteil auf dem Times Square, New York (Bild: picture alliance / dpa / Peter Foley)
Die Verurteilung der drei Mitglieder der russischen Punkband "Pussy Riot" zu zwei Jahren Lagerhaft hat weltweit Kritik und Proteste hervorgerufen. US-Präsident Barack Obama äußerte Enttäuschung, für Bundeskanzlerin Angela Merkel steht das Urteil "nicht im Einklang mit europäischen Werten"
Die Vereinigten Staaten seien enttäuscht über das "Pussy-Riot"-Urteil und die unverhältnismäßig hohen Strafen, hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses in Washington. US-Präsident Obama betonte darin, auch wenn das Verhalten der Punk-Rockerinnen für einige Menschen einer Beleidigung gleichkomme, habe die US-Regierung "ernsthafte Bedenken wegen der Art und Weise, mit der diese jungen Frauen von dem russischen Justizsystem behandelt worden sind".
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, das Urteil stehe nicht im Einklang mit den europäischen Werten von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Zu diesen habe sich Russland unter anderem als Mitglied des Europarates aber bekannt. "Eine lebendige Zivilgesellschaft und politisch aktive Bürger sind eine notwendige Voraussetzung und keine Bedrohung für Russlands Modernisierung", sagte Merkel.
Die Aktivistinnen der Band Pussy Riot müssen für zwei Jahre ins Gefängnis. (Bild: picture alliance / dpa / Karpov Sergei)
Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) kritisierte die Entscheidung des Gerichts. "Zwei Jahre Haft für politischen Protest und ein Punk-Gebet in einer Kirche - diese Strafe ist zu hart", schrieb Westerwelle in einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung. "Viele fragen: Urteilt so ein Rechtsstaat? Ich verstehe alle, die Zweifel haben."
Westerwelle räumte ein, die jungen Musikerinnen hätten mit ihrer provokanten Aktion gewiss religiöse Gefühle verletzt, aber ein starkes Land wie Russland müsse so viel künstlerische Freiheit aushalten. "Es ist zu befürchten, dass von dem Urteil ein negatives Signal für Künstler und Bürger in Russland ausgeht. Es ist leider ein Signal der Einschüchterung". Demokratie ohne Freiheit sei unmöglich.
Nachdem die drei Frauen gestern von einem Moskauer Gericht wegen eines Punk-Gebets gegen Wladimir Putin zu zwei Jahren Straflager verurteilt wurden, kam es weltweit zu Protesten. In Warschau forderten etwa 150 Menschen am Rande eines Besuches des russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill "Freiheit für Pussy Riot". In Wien versammelten sich 150 Teilnehmer einer Protestaktion im Stephansdom, wurden jedoch bereits nach etwa einer Minute vom Sicherheitsdienst der Kathedrale abgeführt. Auch in Berlin, Hamburg, New York und Paris protestierten Menschen. Etliche Demonstranten trugen die für Pussy Riot typischen bunten Sturmhauben.
Weitere Aussagen zum Prozess gegen "Pussy Riot" auf Deutschlandradio.de:
Interview Studnitz: Unterstützung für Pussy-Riot-Sängerinnen ist Sehnsucht nach politischem Wandel
Interview Löning: Die Frauen gehören auf freien Fuß
Interview Schorsch Kamerun:"Die machen das mit einem enormen Mut"
Letzte Änderung: 22.08.2012 11:04 Uhr
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