Während weltweit gegen den Anti-Islam-Film und die Mohammed-Karikaturen demonstriert wird, droht vielleicht bald auch in Deutschland Ärger. Das Satiremagazin "Titanic" will die Diskussion nach eigenen Angaben mit einer Fotomontage auf dem Titelbild anreichern. In der Debatte geht es auch um die Grenzen der Satire.
Satire soll aufrütteln und ein Thema in die Öffentlichkeit heben, das mit anderen journalistischen Mitteln nicht durchgedrungen ist - so sehen es sowohl ein Journalist als auch ein Satiriker. Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken, sagte im Deutschlandfunk, die geplante Titanic-Satire verfehle ihr Ziel, weil sie auf einen Mainstream aufspringe. Dem Magazin gehe es nur darum, auf sich aufmerksam zu machen. Das sieht auch der Zentralrat der Muslime so. Ihr Vorsitzender Aiman Mazyek nannte die geplante Islam-Ausgabe der Titanic eine "billig gemachte PR-Kampagne".
Leo Fischer, Chefredakteur des Satiremagazins Titanic (Bild: picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Die Titanic will auf dem Titelbild der kommenden Oktober-Ausgabe nach Worten ihres Chefredakteurs Leo Fischer ein Bild von Bettina Wulff zeigen, der Ehefrau des ehemaligen Bundespräsidenten. Sie sei gemeinsam mit einem islamischen Krieger mit Turban und Schwert zu sehen - unter dem Titel "Der Westen in Aufruhr - Bettina Wulff dreht Mohammed-Film". Fischer begründete das im Deutschlandfunk-Interview in ironischem Ton:
"Wir halten es für möglich, dass Bettina Wulff in ihrem grenzenlosen Geltungsdrang auch auf dieser islamkritischen Welle mitsurft, dass sie den Islam beleidigt. Für ein bisschen Aufmerksamkeit macht diese Frau offenkundig alles, das verurteilen wir aufs Schärfste, und wir hoffen, dass wir da in den Muslimen auch Bündnispartner gewinnen."
Für den Plakatkünstler Klaus Staeck, der ebenfalls gerne mit dem Mittel der Satire arbeitet, ist damit eine Grenze überschritten. Im Deutschlandradio Kultur sagte Staeck auch unter Bezugnahme auf die Mohammed-Karikaturen im französischen Satiremagazin "Charlie Hebdo":
"Ich fand es nicht sehr intelligent, jetzt in dieser Situation, wo bereits Menschen zu Tode gekommen sind, in dieser absurden Auseinandersetzung, da noch mal zu sagen, jetzt beteiligen wir uns daran auf einer Seite."
Staeck, der auch Präsident der Akademie der Künste in Berlin ist, nannte das kein "Ruhmesblatt für die Satire".
Sowohl Staeck als auch DJV-Chef Konken betonten die Verantwortung der Journalisten. Staeck nannte Verantwortung "das oberste Prinzip". Er glaube, dass "die Demokratie nur funktioniert, wenn wir uns wechselseitig respektieren in den verschiedenen Meinungen". Konken sagte, man müsse auch die Grenzen kennen, "man muss aufpassen, dass man Persönlichkeitsrechte nicht verletzt, dass man nicht religiöse Empfindungen verletzt".
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Letzte Änderung: 22.09.2012 13:00 Uhr
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