Muslime demonstrieren in Dortmund für gegen Mohammed-Film (Bild: picture alliance / dpa / Marcus Simaitis)
Das umstrittene Mohammed-Video "Innocence of Muslims" sorgt weiterhin für Proteste. Gestern demonstrierten in Deutschland Hunderte Muslime gegen das Video. Gleichzeitig sprachen sie sich gegen Gewalt und für Toleranz aus. Auch deutsche Politiker fordern nun ein Vorführ-Verbot.
In Dortmund zogen am Samstag 1500 Muslime durch die Innenstadt; forderten auf Plakaten "Nein zu Gewalt, Ja zu Toleranz" und "Respekt für alle Religionen. Stoppt den Film, stoppt den Spott!" Einige Teilnehmer hielten Deutschlandfahnen hoch und zeigten Bilder, auf denen Muslime und Christen gemeinsam religiöse Schriften lesen.
Auch in Karlsruhe protestierten Muslime friedlich gegen den Film. Bereits am Freitag hatten in Freiburg, Münster und Cuxhaven insgesamt rund 1600 Menschen gegen die Beleidigung des Propheten demonstriert. Viele Teilnehmer forderten, dass das Video aus dem Internet genommen werde.
In Pakistan hingegen waren die Demonstrationen am Freitag eskaliert, mindestens 23 Menschen kamen dabei ums Leben. Am Samstagabend setzte ein Minister des Landes ein Kopfgeld von 100.000 Dollar auf den Urheber des Filmes aus.
Demonstranten in Bengasi vor dem Sturm auf das Hauptquartier einer islamistischen Miliz (Bild: picture alliance / EPA / Mustafa El-Shridi)
Im libyschen Bengasi hingegen demonstrierten am Freitagabend rund 20 000 Menschen gegen Gewalt und islamistische Milizen. Dort hatte vor zehn Tagen ein wütender Mob das US-Konsulat angegriffen und den US-Botschafter Chris Stevens sowie drei weitere Amerikaner getötet. In der Nacht auf Samstag stürmten Hunderte aufgebrachte Bürger das Hauptquartier der Miliz Ansar al-Scharia. Sie steht im Verdacht, an dem Angriff auf die US-Botschaft beteiligt gewesen zu sein. Bei weiteren Zusammenstößen in der Nacht kamen mindestens vier Menschen ums Leben.
Der Kritik an dem Video schlossen sich auch deutsche Politiker an. "So einen Film darf man nicht zeigen", forderte Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) und fügte hinzu: "Wir sollten nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen." Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) kritisierte die Gewalt im Namen der Religion. "Die größte Beleidigung für eine Religion ist es, in ihrem Namen Gewalt auszuüben"
Gegenüber der "Welt am Sonntag" kritisierte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) Staaten, welche die ausländischen Botschaften nicht schützten: "Wo das immer noch nicht geschrieht, wird es nicht ohne Konsequenzen bleiben." Das Außenministerium des Sudan hatte den Sturm auf die deutsche Botschaft in Khartum am Samstag erstmals verurteilt. Der Angriff verstoße gegen die Ideale und die Ethik des Islam, heißt es in einem Schreiben an Westerwelle. Der Sudan werde sich an der Beseitigung der Schäden am Botschaftsgebäude finanziell beteiligen.
Mehr zum Thema auf dradio.de:
"Auch die Idioten haben Meinungsfreiheit"
Autor Michael Kleeberg hofft, dass der Mohammed-Film in Deutschland weitgehend ignoriert wird
"Die Antwort wäre Zensur"
Journalist Gerard Foussier über Debatten, Ängste und Proteste
Leo Fischer: Muslime müssen Witze über sich aushalten
"Titanic"-Chefredakteur verteidigt neuen Titel des Satiremagazins
Religionen - "Das ist wirklich eine explosive Mischung"
Religionssoziologin Anne Françoise Weber über den Protest
Letzte Änderung: 23.09.2012 18:34 Uhr
Deutschlandfunk
Seit 05:05 Uhr
Informationen am Morgen
Nächste Sendung: 09:00 Uhr
Nachrichten
Deutschlandradio Kultur
Seit 06:00 Uhr
Nachrichten
Nächste Sendung: 06:15 Uhr
Länderreport
DRadio Wissen
Seit 06:02 Uhr
Agenda
Nächste Sendung: 06:15 Uhr
Wissensnachrichten
Beiträge zum Nachhören
Das Metrocable im kolumbianischen Medellín - eine Seilbahn mit sozialer Funktion
Sendezeit: 24.05.2013, 05:54
Presseschau
Sendezeit: 24.05.2013, 05:52
Interview Daniel Friedrich Sturm ("Die Welt") zu Festakt 150 Jahre SPD
Sendezeit: 24.05.2013, 05:41
dradio-Recorder
im Beta-Test: