Türkische Soldaten auf Panzerpatrouille an der Grenze zur Syrien (Bild: picture alliance / dpa / Aykut Unlupinar / Anadolu Agency)
Erneut ist eine syrische Granate auf türkischem Boden eingeschlagen. Das türkische Militär erwiderte das Feuer. Ministerpräsident Erdogan sieht sein Land "nicht weit entfernt" vom Krieg.
Eine syrische Mörsergranate ist am Morgen auf einem Feld im Grenzgebiet der Provinz Hatay eingeschlagen, meldet die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Daraufhin habe das türkische Militär sofort das Feuer erwidert. In den vergangenen Tagen hatte die türkische Armee bereits zweimal Granatenbeschuss mit Gegenangriffen beantwortet.
Die erneuten Gefechte zwischen der Türkei und Syrien schüren Sorgen, dass sich der Bürgerkrieg zwischen Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und Rebellen zum regionalen Flächenbrand ausweiten könnte. "Wir wollen keinen Krieg, aber wir sind nicht weit davon entfernt", warnte Regierungschef Tayyip Erdogan. Wer auch immer die Reaktionsfähigkeit und Entschlossenheit seines Landes testen wolle, begehe einen tödlichen Fehler.
Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich besorgt. Sie hoffe und denke, dass die Besonnenheit auch vonseiten der Türkei und der Nato so sei, dass es nicht zu einer Eskalation kommen werde, sagte Merkel beim Deutschlandtag der Jungen Union am Freitag Abend in Rostock. "Es ist eine extrem ernste Situation." Was sich in Syrien abspiele, sei eine grausame Auseinandersetzung, bei der sich zeige, wie schwierig es sei, die Weltgemeinschaft zu einem gemeinsamen Agieren zu bewegen.
Man dürfe nicht vergessen, dass die Türkei Nato-Mitglied sei und jeder Angriff auf das Land auch ein Angriff auf die Bündnispartner sei, erklärte Horst Teltschik, ehemaliger Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz, im Deutschlandradio Kultur. Er glaube nicht, dass der Bündnisfall ausgerufen werde. "Trotzdem ist dieser Konflikt außerordentlich gefährlich, weil auch nicht deutlich ist, wer die Granaten abschießt", so Teltschik. Es sei durchaus möglich, dass die Opposition so ein internationales Eingreifen provozieren wolle.
Am Mittwoch waren im türkischen Ort Akcakale fünf Zivilisten durch syrische Granaten getötet worden. Die Türkei hatte daraufhin am Mittwoch und Donnerstag aus Vergeltung einige Ziele in Syrien bombardiert, später aber betont, das Land strebe keinen Krieg an. Die Angriffe dienten der Abschreckung. Das türkische Parlament verabschiedete kurzfristig ein Gesetz, demzufolge eine militärische Intervention der Türkei in Syrien grundsätzlich möglich ist. Gestern Abend kam es erneut zu Gefechten zwischen den Nachbarländern, nachdem eine Mörsergranate im Grenzgebiet detonierte.
Unterdessen verschärft sich die Lage der syrischen Flüchtlinge in den Nachbarländern. Insbesondere der nahende Winter sei bedrohlich, erklärte Moritz Wohlrab von der Aktion "Deutschland hilft" im Deutschlandfunk. "Die Menschen waren nicht darauf eingestellt, als sie geflüchtet sind", so Wohlrab. Noch sei das Wetter angenehm, doch in wenigen Wochen drohten Minustemperaturen.
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Letzte Änderung: 08.10.2012 15:21 Uhr
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