Zum Inhalt
Zur Deutschlandfunk-Startseite
Zur Deutschlandradio Kultur-Startseite
Zur DRadio-Wissen-Startseite
 
nach oben
AKTUELL VOM 09.10.2012
Bilder der Nobelpreisträger für Physik, Serge Haroche und David Wineland bei der Preisverkündung (Bild: picture alliance / dpa / Bertil Enevag Ericson) Bilder der Nobelpreisträger für Physik, Serge Haroche und David Wineland bei der Preisverkündung (Bild: picture alliance / dpa / Bertil Enevag Ericson)

Nobelpreis für die Quantendompteure

Jury würdigt erste Schritte zu revolutionären Computern

Von Tim Krohn

Sie konnten einfangen, was anderen nicht gelang, nun erhalten sie den Nobelpreis für Physik: Serge Haroche aus Frankreich und David Wineland aus den USA. Sie schafften es, sogenannte Quantensysteme zu messen - ohne sie zu zerstören. Dies gilt als Schritt hin zu revolutionären Quantencomputern.

Albert Einstein sprach im Zusammenhang mit der Quantenphysik mal von einer geradezu "spukhaften Fernwirkung". Die Effekte bei der Übertragung der winzigen Licht-Teilchen waren ihm offenbar etwas unheimlich und vor allem schwer zu erklären.

Die schwedische Königliche Akademie der Wissenschaften versuchte es heute trotzdem bei der Begründung, warum die Preise an Serge Haroche und David Wineland gehen. Per Delsing vom Nobelkomitee für Physik fand dabei einen Vergleich, der das Spukhafte umso mehr unterstreicht:

"This is like eating a cake and having it too."

Es sei, als würde man einen Kuchen essen und ihn gleichzeitig vor sich haben, sagte der Wissenschaftler. So ungefähr würde das mit der Übertragung der Licht-Teilchen, der sogenannten Photonen, funktionieren.

Haroche und Wineland hätten dafür mit ihrer Grundlagenarbeit die Tür geöffnet. Den beiden Preisträgern sei es gelungen, einzelne Quantenpartikel zu beobachten, ohne sie dabei zu zerstören. Das mag für den Laien merkwürdig klingen, für die Fachleute ist aber genau das der entscheidende Punkt.

Inzwischen sind die Physiker nämlich so weit, dass sie diese Lichtteilchen von einem Ort zum anderen "teleportieren" können. Das heißt, sie können ohne irgendein messbares Signal den Zustand so eines Photons an einen anderen Ort verschicken.

Das Ganze geschieht verzögerungsfrei und abhörsicher. Viele Experten träumen deshalb schon von dem extrem schnellen sogenannten Quanten-Internet. Das könnte eines Tages - auch dank der beiden neuen Nobelpreisträger - ein ganz konkretes und praktisch nutzbares Instrument der Zukunft werden.

Die Akademie in Stockholm vermutet sogar, dass der Quantencomputer in diesem Jahrhundert unseren Alltag genauso radikal verändern kann, wie es der klassische Computer im vergangenen Jahrhundert getan hat.

Für den Preisträger Serge Haroche, Professor am College de France in Paris, ist die Erforschung der Licht-Teilchen schon jetzt längst im Alltag angekommen. Das Handy zum Beispiel funktioniere genau nach den Gesetzen der Quantenphysik, sagte er. Sein eigenes Handy klingelte heute Vormittag:

"Ich war gerade mit meiner Frau auf dem Heimweg. Und als ich auf dem Handy den Vorwahl-Code 46 für Schweden sah, da musste ich mich erstmal hinsetzen. Zum Glück gingen wir gerade an einer Parkbank vorbei, so dass ich mich setzen konnte. Der Preis ist wirklich überwältigend."

Haroche und sein amerikanischer Kollege Wineland, beide 68 Jahre alt, haben völlig unabhängig voneinander gearbeitet. Trotzdem gibt es nach Angaben der Akademie viele Gemeinsamkeiten.

Die Erkenntnisse der beiden haben unter anderem bereits zur Entwicklung einer hochpräzisen Ionen-Uhr geführt.

Anne L'Huillier, Mitglied des Nobelkommitees, erklärt, was an dieser Uhr so faszinierend ist:

"Wenn es eine solche Uhr schon seit der Entstehung des Universums gegeben hätte, also seit 14 Milliarden Jahren, dann würde diese Uhr heute nur um allerhöchstens 5 Sekunden falsch gehen."

Bei der Preisverleihung Anfang Dezember in Stockholm werden die beiden Quantenphysiker also auf jeden Fall pünktlich sein.


Links auf dradio.de:

- Physiknobelpreis geht an Serge Haroche und David J. Wineland - Die Wissenschaftler werden für Arbeiten auf dem Gebiet der Quantenphysik ausgezeichnet
- Der Preis aller Preise - Das Nobelkomitee gibt die Auszeichnungen bekannt


Letzte Änderung: 18.04.2013 03:45 Uhr

 

JETZT IM RADIO

Deutschlandfunk

Seit 22:50 Uhr
Sport aktuell
Nächste Sendung: 23:00 Uhr
Nachrichten

mehr

Deutschlandradio Kultur

Seit 22:30 Uhr
Ortszeit
Nächste Sendung: 23:00 Uhr
Nachrichten

mehr

DRadio Wissen

Seit 22:02 Uhr
DJ Wissen
Nächste Sendung: 23:00 Uhr
Nachrichten

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandfunk

Deutschlandradio Kultur

DRadio Wissen

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Tunesien: Festnahme nach tödl. Salafisten-Protest

Sendezeit: 20.05.2013, 22:40

Chinas neuer Premier in Indien

Sendezeit: 20.05.2013, 22:37

Kommentar: Bruchlandung Drohne?

Sendezeit: 20.05.2013, 22:32

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link