Flugzeug der Syrian Air auf dem Flughafen von Ankara (Bild: picture alliance / dpa / Cem Oksuz / Anadolu Agency)
Ein weiteres Kapitel im türkisch-syrischen Grenzkonflikt: Türkische Kampfjets zwangen ein syrisches Passagierflugzeug zur Landung - wegen des Verdachts auf unerlaubte Waffenlieferungen. Unklar ist, woraus die beschlagnahmte Fracht bestand.
Dass ein Teil der Fracht beschlagnahmt wurde, bestätigte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu noch am Abend. Es handle sich um rund 300 Kilogramm "militärische Güter" russischer Herkunft, Adressat sei das syrische Verteidigungsministerium gewesen, berichteten heute übereinstimmend verschiedene türkische Medien. Die russische Nachrichtenagentur Interfax meldet dagegen, aus russischen Rüstungsexportkreisen seien weder Waffen noch andere militärische Ausrüstungen an Bord gewesen.
Der syrische Airbus A320 mit 37 Personen an Bord war gestern von türkischen Kampfjets zur Landung gezwungen worden und durfte seine Reise nach Damaskus erst in der Nacht fortsetzen. Die beanstandete Fracht wurde von den türkischen Behörden beschlagnahmt. Wie die Zeitung "Hürriyet" meldete, löste die Untersuchung der Fracht auf dem Flughafen von Ankara einen Streit zwischen türkischen Behördenvertretern und russischen Diplomaten aus. Die russischen Vertreter protestierten demnach gegen die Öffnung von Behältern, die als diplomatisches Gepäck deklariert und versiegelt waren.
Der Vorfall markiert ein weiteres Kapitel im Konflikt zwischen der Türkei und Syrien. In den vergangenen Tagen schlugen mehrere syrische Granaten im Grenzgebiet der Türkei ein, jedes Mal antwortete die Türkei mit Vergeltungsschlägen auf Einrichtungen der syrischen Armee.
Panik in Akcakale, Türkei, nach dem Beschuss mit Granaten vergangenen Mittwoch (Bild: picture alliance / dpa / Rauf Maltas/Anadolu Agency)
Der türkische Armeechef Necet Özel hatte zuletzt mit noch drastischeren Vergeltungsschlägen gedroht, falls der Beschuss der türkischen Grenzprovinzen nicht aufhöre. "Wenn das weitergeht, werden wir noch heftiger, noch schlimmer reagieren", sagte der Generalstabschef bei einem Besuch in der Grenzstadt Akcakale, in der bei Granateneinschlägen in der vergangenen Woche fünf Menschen getötet wurden. Man habe sofort geantwortet und den Syrern "schwere Verluste beigebracht", sagte Özel.
Seit einem Parlamentsbeschluss für eine mögliche Militärintervention in Syrien am vergangenen Donnerstag werden die türkischen Truppen an der Grenze laufend verstärkt. Auch zusätzliche Kampfjets wurden in die Region geflogen.
Die Bundesregierung hat der Regierung in Ankara den Rücken gestärkt. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) habe der Türkei "strategischen Beistand" versichert, sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Zu einer möglichen militärischen Unterstützung im Fall einer weiteren Eskalation des Konflikts wollte er sich nicht äußern. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte, Deutschland beobachte die Entwicklung an der türkischen Grenze "mit Sorge".
Zuvor hatte die NATO ihrem Bündnispartner Türkei Unterstützung versprochen, falls sich die Lage verschärfen sollte. "Wir haben alle notwendigen Pläne bereitliegen, um die Türkei zu schützen und zu verteidigen", sagte Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bei einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel.
Letzte Änderung: 11.10.2012 20:53 Uhr
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