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AKTUELL VOM 10.10.2012
Bundeskanzlerin Merkel bei der Eröffnung eines Windparks (Bild: dpa / Jens Büttner) Bundeskanzlerin Merkel bei der Eröffnung eines Windparks (Bild: dpa / Jens Büttner)

Energiewende wird teurer

Öko-Umlage steigt auf 5,3 Cent - Berlin will Reformen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte versichert, dass Strom wegen der Energiewende nicht teurer werde. Nun werden Ökostromumlage und Netzgebühren ab nächstem Jahr steigen. Eine vierköpfige Familie muss damit etwa 170 Euro mehr zahlen. Bundesumweltminister Peter Altmaier will nun eine Reform präsentieren.

Die Verbraucher werden die Kosten der Energiewende deutlich stärker als geplant tragen. Nicht nur die Netzgebühren werden deutlich teurer. Nun steht nach übereinstimmenden Medienberichten fest, dass die Umlage zum Ausbau des Ökostroms um die Hälfte auf rund 5,3 Cent je Kilowattstunde von bislang 3,59 Cent steigt - plus Strom- und Umsatzsteuer. Eine vierköpfige Famile mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden zahlt damit allein für die Umlage rund 85 Euro mehr. Sie erhöht sich, weil immer mehr regenerativer Strom aus Wind, Wasser und Sonne produziert wird. Bei den Netzgebühren rechnet die Branche mit einem Anstieg von 40 Prozent, was für die Durchschnittsfamilie noch einmal 85 Euro bedeuten könnte.

Damit die Folgekosten der Energiewende nicht völlig aus dem Ruder geraten, will die Bundesregierung reagieren. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will die Förderung des Ökostroms reformieren, um so "vertretbare" Strompreise zu gewährleisten. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) werde "an Haupt und Gliedern" überarbeitet, sagte der Minister im ARD-Fernsehen. So solle der Ausbau erneuerbarer Energien wie Solar-, Wind- und Wasserkraftenergie zwischen den 16 Bundesländern besser abgestimmt werden. Auch eine Begrenzung der künftigen Förderung sei möglich.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte im Juni 2011, als sie ihre Pläne der Energiewende im Bundestag vorstellte, noch erklärt: "Unternehmen genauso wie Bürgerinnen und Bürger in Deutschland müssen auch in Zukunft mit bezahlbarem Strom versorgt werden. (...) Die EEG-Umlage soll nicht über ihre heutige Größenordnung hinaus steigen; heute liegt das etwa bei 3,5 Cent pro Kilowattstunde." So Merkel in der 17. Minute ihrer Regierungserklärung:



Nun rechtfertigte die Bundeskanzlerin die höhere Ökostromumlage. "Wenn man die Energiewende will, geht es nicht ohne jede Preisveränderung", sagte Merkel am Abend bei einer CDU-Regionalkonferenz in Fulda.

Der Ausbau des Ökostroms kommt offenbar zu schnell voran, denn der Ökostrom wird den Produzenten zu garantierten Preisen abgenommen, die über den Markttarifen liegen. Die Differenz wird über die Umlage von den Verbrauchern bezahlt - jährlich rund 16 Milliarden Euro. Die vier Netzbetreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW wollen die Höhe der Umlage am Montag bekanntgeben. "Die Zahl steht fest", sagten Beteiligte.

So setzt sich der Strompreis zusammen

Eigentlich müsste die Stromrechnung geringer ausfallen, denn der reine Energiepreis sinkt. Doch dann muss auch die Umlage höher sein, eben wegen dieser genannten Differenz. Der reine Energiepreis macht insgesamt lediglich ein gutes Drittel aus. Er wird unter anderem an der deutschen Strombörse in Leipzig gehandelt, wo der Trend momentan leicht nach unten zeigt. Daneben beträgt das Netznutzungsentgelt ein Fünftel der Stromrechnung. Damit werden Stromtransport und -verteilung bezahlt.

Für Abgaben, Umlagen und Steuern werden derzeit 45,4 Prozent fällig, mit der höheren Ökostromumlage dann 48,8 Prozent. Die staatlichen Zuschläge pro Kilowattstunde im Einzelnen:

  • EEG-Umlage: derzeit 3,59 Cent, ab 2013 rund 5,3 Cent

  • Konzessionsabgabe, mit der die Kommunen Stromleitungswegerechte einräumen: 1,32 bis 2,39 Cent

  • Stromverbrauchszuschlag gemäß Paragraph-19-Umlage: 0,151 Cent

  • Umlage nach Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz: 0,002 Cent

  • Stromsteuer: 2,05 Cent

  • Umsatzsteuer: 19 Prozent


Letzte Änderung: 11.10.2012 20:53 Uhr

 

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