Vertreter der kolumbianischen Regierung und der linksgerichteten FARC-Guerilla sitzen wieder am Verhandlungstisch. Es ist der vierte Versuch, die Gewalt zu beenden, die bereits über 200.000 Menschen das Leben gekostet hat.
Ein Konferenzhotel in der Nähe der norwegischen Hauptstadt Oslo ist der Schauplatz der neuen Gespräche. Unterhändler sind bereits zusammengetroffen, heute - mit einer mehrtägigen Verzögerung - setzen die beiden Delegationen auch offiziell die Suche nach einer friedlichen Lösung des Kolumbienkonflikts fort, die seit dem letzten diplomatischen Versuch 2002 unterbrochen war.
Die Regierung wird durch den früheren kolumbianischen Vizepräsidenten Humberto de la Calle vertreten. Er sagte in einem Interview mit dem Sender RCN, er reise mit gemäßigtem Optimismus nach Norwegen und hoffe, mit guten Nachrichten zurückzukehren. Die Delegation der FARC wird von Luciano Marín angeführt, einem Mitglied des Farc-Sekretariats. Er und war auch an früheren Friedensverhandlungen beteiligt. Kuba und Norwegen vermitteln in dem Konflikt.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach von einer großen Chance für Kolumbien. Erstmals seit langer Zeit bestehe die Aussicht auf Frieden, sagt er in Berlin. Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos habe mit den Gesetzen zu Landrestitution und Opferentschädigung günstige Voraussetzungen geschaffen.
Zu den strittigen Teilfragen gehören die künftige Rolle der Aufständischen, der Drogenhandel, über den sich die Rebellen finanzieren, sowie ein Waffenstillstand. Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos lässt trotz der Friedensverhandlungen weitere Militäroperationen gegen die FARC durchführen.
Seit beinahe 50 Jahren dauert der Terror in Kolumbien an. Die FARC, die "Revolutionären Streitkräfte", sind die älteste Guerillaorganisation Südamerikas, seit 1964 bekämpfen sie den Staat. Schätzungen zufolge sind in dieser Zeit über 200.000 Menschen getötet worden. 1984 startete ein erster Friedensprozess, der ebenso ohne endgültigen Erfolg blieb wie weitere Versuche 1991 und 1999.
Ingrid Betancourt (Mitte), eine der prominentesten Geiseln der FARC, nach ihrer Befreiung 2008 (Bild: AP)
Die Rebellion entwickelte sich ursprünglich aus Bauernaufständen in der kolumbianischen Provinz. Ihr Ziel ist es, die Staatsführung zu entmachten und eine marxistisch orientierte Regierung zu installieren. Mittlerweile sehen Beobachter die FARC in einer geschwächten Position, da sie in den letzten Jahren mehrere Anführer und zahlreiche Kämpfer verloren hat. Zudem habe sie sich von ihren politischen Zielen entfernt und führe den Kampf vor allem in Verbindung mit Drogenhandel und Geiselnahmen fort.
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Letzte Änderung: 27.04.2013 03:45 Uhr
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