Raus aus Spanien? Kataloniens Ministerpräsident Artur Mas (Bild: picture alliance / dpa / Toni Albir)
Bei der Wahl des Regionalparlaments in Katalonien zeichnet sich laut ersten Prognosen ein Sieg des regierenden nationalliberalen Parteienblocks CiU von Ministerpräsident Artur Mas ab. Er forderte vor der Wahl eine Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens.
Nach Angaben des regionalen Fernsehens erhielt die CiU die meisten Stimmen. Sie verfehlte aber die angestrebte absolute Mehrheit und musste deutliche Verluste im Vergleich zur Wahl vor zwei Jahren hinnehmen. Zweitstärkste Partei wurde bei der Parlamentswahl die Republikanische Linke, die ebenfalls für ein eigenständiges Katalonien eintritt.
Unklar ist, ob die von Ministerpräsident Artur Mas angestrebte Volksabstimmung über eine Unabhängigkeit der wirtschaftlich starken Region Spaniens stattfindet. Der Regierungschef hatte einen Wahlsieg zur Bedingung für das Referendum gemacht. In der autonomen Region waren heute 5,4 Millionen Wähler aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen.
Mas hatte im September die Wahl um zwei Jahre vorgezogen. In Umfragen sprechen sich über 50 Prozent der Katalanen für eine Trennung ihrer Region von Spanien aus, in den vorigen Jahren waren es gerade einmal gut 30 Prozent gewesen.
In Madrid ist die Regierung alarmiert - und will eine Trennung der Region von Spanien mit allen Mitteln verhindern. "Niemand wird Katalonien von Spanien und der EU abtrennen", betonte der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy. "Diese Wahl ist noch wichtiger als die spanische Parlamentswahl vor einem Jahr." 28 Prozent der spanischen Exporte kommen aus der Katalonien.
Die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien ist in den letzten Jahren immer stärker geworden. Bereits 600 Dörfer haben sich der Initiative angeschlossen. Sie fühlen sich von Regierung in Madrid vernachlässigt. Die Region ist trotz ihrer hoch entwickelten Wirtschaft stark verschuldet. Die Regionalregierung führt dies darauf zurück, dass ein großer Teil der eingenommenen Steuern nicht nach Katalonien zurückfließt, sondern an ärmere Regionen in Südspanien verteilt wird.
"Die Unabhängigkeit ist für uns der einzig mögliche Weg aus der Krise," sagt etwa Salvador Balliu von den katalanischen Nationalisten, Bürgermeister in Caldes de Malavella in der Provinz Girona.
Für Katalonien wäre die Unabhängigkeit ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Ein unabhängiges Katalonien würde nicht mehr der EU und der Euro-Zone angehören, sondern müsste erst wieder die Aufnahme beantragen, hatte EU-Justizkommissarin Viviane Reding in einem Brief klargemacht. Damit unterstützt die EU-Kommission die Haltung der Madrider Zentralregierung.
Katalonien ist mit seiner Forderung nach Unabhängigkeit vom Zentralstaat aber keinesfalls alleine in Europa. Galizien, das Baskenland, Flandern oder auch Süd-Tirol: Viele Regionen denken mal leise, mal laut über ihre Unabhängigkeit nach - oder wollen sie gleich ausrufen, wie etwa vielleicht die Schotten 2014.
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Letzte Änderung: 26.11.2012 08:21 Uhr
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