Skalpell vor dem Hintergrund weiterer Operationswerkzeuge (Bild: picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Künstliche Knie, neue Hüften, Herz-OPs - in den vergangenen Jahren ist die Zahl der Operationen in Deutschland stark gestiegen. Der Zuwachs sei nicht allein auf den demografischen Wandel zurückzuführen, heißt es in einem Bericht der Krankenkasse AOK. Vielmehr steckten Wirtschaftsinteressen dahinter.
Allein 2011 gab es in Deutschland laut AOK-Krankenhausreport 18,3 Millionen Operationen. Das sind 300.000 Behandlungen mehr als im Vorjahr. Viele Operationen seien unnötig und würden nur erbracht, damit die Kliniken ihre Einnahmen verbesserten, kritisierten in Berlin die Herausgeber des von AOK-Bundesverband und Wissenschaftlichem Institut der AOK (WIdO) erstellten Berichts.
Die Zahl der stationären Behandlungen sei vor allem in jenen Bereichen gestiegen, "die wirtschaftlichen Gewinn versprechen", sagte WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber. Patienten kämen öfter unters Skalpell als nötig, sagte AOK-Vorstand Uwe Deh. Egal ob bei Operationen an Gelenken, Knochen und Skelett, ob bei Herz-OPs, ob bei Therapien der Harn-, der Atem- oder Verdauungsorgane - überall zeigen die Behandlungszahlen deutlich nach oben. Bei Herzschrittmachern sei die Zahl der Eingriffe zwischen 2008 und 2010 um ein Viertel gestiegen. Auch Wirbelsäulenoperationen bei AOK-Versicherten hätten sich zwischen 2005 und 2010 mehr als verdoppelt, berichtet Korrespondent Gerhard Schröder im Deutschlandfunk.
Durch das Älterwerden der Gesellschaft sei nur ein Drittel des Anstiegs erklärbar. "Den ökonomischen Fehlanreizen kommt eine ganz gewichtige Rolle zu", sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, Fritz Uwe Niethard. So bringe eine typische Wirbelsäulen-OP einer Klinik 12.000 Euro ein. Dafür könnten 100 Jahre Behandlung ohne OP bezahlt werden. "Man kann Bandscheibenvorfälle sehr gut konservativ behandeln", erklärte Nienhardt. Doch wenn ein Patient Schmerzen hat und ein Arzt schnelle Abhilfe durch per OP verspricht, stimmen viele gerne zu.
Auch die Qualität der Kliniken unterscheidet sich dem Report zufolge deutlich. Verglichen wurden Komplikationen und unerwünschte Ereignisse in den 614 untersuchten Krankenhäusern. Während es in 74 Kliniken bei weniger als fünf Prozent der Katheterpatienten zu einem Problem kam, lag die Rate in 37 Häusern bei mehr als 15 Prozent. In Zukunft sollten die Kassen die Möglichkeit bekommen, "nachweislich schlechte Qualität nicht zu bezahlen", forderte Deh. Dies sei nötig, um "die Spreu vom Weizen" zu trennen.
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Letzte Änderung: 10.12.2012 13:37 Uhr
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