Ratspräsident van Rompuy, Kommissionspräsident Barroso und Parlamentspräsident Martin Schulz nehmen die Auszeichnung entgegen. (Bild: picture alliance / dpa / Heiko Junge)
Die Europäische Union erhält den Friedensnobelpreis. Damit werden die 500 Millionen EU-Bürger für ihre Leistung als Friedensstifter geehrt. Stellvertretend für die 27 Mitliedsstaaten nahmen Ratspräsident van Rompuy, Kommissionspräsident Barroso und Parlamentspräsident Schulz die Auszeichnung entgegen.
Inmitten ihrer schwersten Krise ist die Europäische Union am Montag in Oslo mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Die EU wird mit dem Preis für ihren Beitrag für ein friedliches und stabiles Europa geehrt. Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet 930.000 Euro dotiert. Die EU will das Preisgeld zugunsten von Kindern in Kriegs- und Krisengebieten stiften.
Bei der Zeremonie in der norwegischen Hauptstadt Oslo wies der Vorsitzende des Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, auf die Verdienste der EU nach dem Zweiten Weltkrieg hin. Die Europäische Union sei eine Art "andauernder Friedenskongress" und habe maßgeblich zur "unglaublichen Aussöhnung" in Europa nach zwei Weltkriegen beigetragen. "Gemeinsam müssen wir dafür sorgen, dass wir nicht verlieren, was wir auf den Ruinen von zwei Weltkriegen aufgebaut haben", sagte Jagland. "Frieden darf nicht als selbstverständlich angesehen werden. Wir müssen jeden Tag dafür kämpfen." Europa müsse nach vorne schauen und das schützen, was bereits erreicht worden sei, sagte Jagland mit Blick auf die aktuelle Eurokrise.
Kommissionspräsident José Manuel Barroso bezeichnete in seiner Rede den Euro als stärkstes Symbol der Einheit des Staatenbundes. "Heute ist eines der sichtbarsten Symbole unserer Einheit in jedermanns Händen", sagte Barroso. "Es ist der Euro, die Währung unserer Europäischen Union. Wir werden ihn verteidigen", so Barroso bei der Zeremonie, an der die meisten der EU-Staats- und Regierungschefs teilnahmen, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Staatschef François Hollande.
Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (Bild: picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)
Aus Sicht von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) erhält die EU den Preis zu Recht. Nach Jahren des Krieges und nach dem Holocaust sei sie "ein friedens- und sozialpolitisches Erfolgsprojekt", sagte Schulz im Deutschlandradio Kultur. Schulz bezeichnete den Preis als Mahnung und Warnung. Man dürfe man sich auf dem Erfolg nicht ausruhen: "Die Dämonen, die wir gebannt haben, sind noch lebendig", warnte er mit Blick auf Ungarn, wo vor kurzem ein Parlamentsmitglieds die Registrierung jüdischer Abgeordneter gefordert hatte.
Menschenrechtler hatten zuvor mit Skepsis auf die Entscheidung der Nobelpreis-Jury reagiert und auf die europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik verwiesen. Die EU schotte ihre Grenzen ab, schicke Flüchtlinge zurück in Länder, in denen sie gefoltert würden, und lasse sie fallen, kritisierte die Organisation Amnesty International.
Auch bei den Euroskeptikern innerhalb der EU stieß der Nobelpreis bislang auf wenig Gegenliebe. Der Premierminister des wohl derzeit EU-kritischsten Mitgliedslandes Großbritannien, David Cameron, reist heute nicht nach Oslo. Dort sei bereits genug politische Prominenz vorhanden, so seine lapidare Begründung.
Viviane Reding, Fürsprecherin der "Vereinigten Staaten von Europa" (Bild: picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)
Die Vizepräsidentin der EU-Kommission, EU-Justizkommissarin Viviane Reding, setzte sich unterdessen für die "Vereinigten Staaten von Europa" ein. In der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" forderte sie mehr Macht für die europäischen Institutionen. Die Europäische Kommission müsse gerade im Bereich der Wirtschaftspolitik zu einer europäischen Regierung werden, die vom Europäischen Parlament umfassend parlamentarisch kontrolliert werde.
Die Zeremonie zur Verleihung des Friedesnobelpreises wird auf der Website des Friedensnobelpreis-Komitees per Livestream übertragen.
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Letzte Änderung: 17.12.2012 13:05 Uhr
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