In unserem Rückblick auf 2012 wollen wir für jeden Monat ein Ereignis in Erinnerung rufen, über das Deutschland oder die Welt damals sprach. Einen umfangreichen Eindruck der Geschehnisse bietet zudem unser Jahresrückblicksportal.
Die gute Nachricht zuerst: Sollten Sie diese Zeilen lesen, ist die Welt am 21. Dezember 2012 NICHT untergegangen. Eine falsche Interpretation des ewigen Kalenders der Maya hatte für diesen Tag eben das vorhergesagt. Seitdem hatten Verschwörungstheorien Hochkonjunktur, selbst ernannte Propheten verkündeten den Untergang und auf allen Kontinenten bereiteten sich Menschen auf das Ende der Welt vor.
Ein gekentertes Schiff sorgt zu Jahresbeginn für Aufsehen: Am 13. Januar (ein Freitag!) steuert der Kreuzfahrtriese Costa Concordia ungewöhnlich nah an der italienischen Insel Giglio vorbei. Das Schiff kollidiert mit einem Felsen und kentert. Wohl über 30 Menschen kostet das Unglück das Leben.
Der Kapitän soll während des Fahrmanövers mit dem Handy telefoniert haben. Im Deutschlandfunk-Interview sagte Willi Wittig, Vizepräsident des Verbandes deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere, es sei gute Tradition, dass der Kapitän als Letzter das Schiff verlässt. In diesem Fall war er einer der Ersten.
Am 17. Februar tritt in Berlin Christian Wulff vor die Öffentlichkeit und erklärt seinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten.
Gut zwei Monate lang hatte er harte Kritik der deutschen Presse auf sich nehmen müssen. Dabei war es genau diese, die der Niedersachse offenbar noch wenig vorher regulieren wollte: Auf der Mailbox von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann forderte Wulff im Dezember 2011, einen geplanten Bericht des Blattes nicht zu veröffentlichen. Der Text informiert über einen Privatkredit, den Wulff einst von einer befreundeten Unternehmerfamilie erhielt und wirft die Frage auf, ob der Bundespräsident den Landtag in dieser Angelegenheit angelogen hatte.
Es sei außergewöhnlich, dass ein Bundespräsident sich so benehme, sagte SZ-Journalistin Franziska Augstein im Deutschlandfunk-Interview.
"Das kennt man von Lokalpolitikern, das kennt man von wütenden Rumpelstilzchen wie dem einen oder anderen Präsidenten in Frankreich, Sarkozy zum Beispiel"
Bereits einen Tag nach Wulffs Rücktritt hält Sigmar Gabriel den ehemaligen SPD-Favoriten für das Amt des Bundespräsidenten nach wie vor für einen guten Kandidaten: Joachim Gauck.
Russlands Staatsoberhaupt heißt wieder Wladimir Putin. Im ersten Anlauf gewinnt er die Präsidentschaftswahl - und sorgt damit für nationalen und internationalen Protest. An ein faires Abstimmungsverfahren glauben die wenigsten. Jens Siegert von der Heinrich-Böll-Stiftung bewertet die Situation im größten Land der Erde so:
"Russland ist heute ein autoritäres Land, demokratisch kann man es nicht nennen, denn es gibt keine demokratische Wahl weder des Parlaments noch des Präsidenten, aber die Menschen leben selbst in ihrem privaten Leben einigermaßen frei. Insofern ist es auch nicht richtig eine Diktatur. Es ist ein bisschen schwierig - es ist etwas dazwischen."
Putin sei nie von der Machtspitze weg gewesen, sagte der Frankfurter Ökonom Alexander Libman. "Auch im Laufe der vergangenen vier Jahre, als er formal als Ministerpräsident tätig war, war er trotzdem die Person, die Entscheidungen getroffen hat."
Auch in Deutschland gibt es einen - zumindest repräsentativen - Machtwechsel: Ab dem 18. März heißt der neue Bundespräsident Joachim Gauck.
Sechs Wochen vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-EM in der Ukraine und in Polen rückt nicht das Fußballfieber in den Fokus, sondern die schlechten Haftbedingungen der früheren ukrainischen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko. Man könne nicht gut Fußball gucken, wenn nicht weit entfernt Menschenrechte verletzt werden, beklagen zahlreiche Bundespolitiker.
Kanzlerin Merkel kündigt an, ihren Ministern zu empfehlen, den Spielen in der Ukraine fernzubleiben, wenn die inhaftierte Oppositionspolitikerin nicht freigelassen werde.
Markus Löning, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, hält hingegen nichts von einem Boykott der EM. Vielmehr müsse der Druck auf die Ukraine auf rein politischer Ebene erhöht werden, sagte Löning im Interview bei Deutschlandradio Kultur.
Erstmals seit 17 Jahren wird Frankreich wieder von einem sozialistischen Präsidenten regiert. Mit vier Prozent Vorsprung gewinnt François Hollande gegen den bisherigen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. Schon während des Wahlkampfes hatte Hollande angekündigt, er wolle die vor allem von Deutschland verfolgte Sparpolitik in Europa nicht unverändert weiterführen.
Trotz dieses Kurses würden beide Länder auch zukünftig "ziemlich beste Freunde bleiben", prognostizierte der französische Politologe Henry Ménudier im "Interview der Woche".
"Er ist nicht jemand, der auf Konfrontation geht. Er ist jemand, der mehr den Konsens sucht."
Ab dem 8. Juni rollt wieder der Ball in Europa. Für viele Experten gilt die deutsche Elf als Favorit für den EM-Titel. Sieg gegen Portugal, die Niederlande und Dänemark: Die Vorrunde in der als schwierig geltenden Gruppe B meistern Jogis Jungs souverän.
Mit einem 4-zu-2-Triumph über Griechenland setzen Philipp Lahm und Co. ihre Siegesserie auch im Viertelfinale fort.
In der nächsten Runde hat die Freude schließlich ein Ende - und der Schrecken der Deutschen einen Namen: Mario Balotelli. Nach seinem ersten Tor für Italien, brennt sich der Stürmer von Manchester City mit muskelprotzender Geste wohl auf ewig ins Gedächtnis aller Fußballbegeisterten. Auch ein zweites Tor schiebt er leichtfüßig hinterher.
Im Interview mit Deutschlandradio Kultur zeigte sich Grünen-Politiker Jürgen Trittin ratlos:
"Wie kann man jemanden, der von drei Leuten umstellt ist, so flanken lassen?"
Im Finale gegen Spanien sieht Italien wiederum nicht gut aus und verspielt die Chance auf einen EM-Titel mit gleich vier Gegentoren.
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Im Juli zeigt ein Organspende-Skandal auf drastische Weise die Schwächen im deutschen Klinikalltag auf: An der Göttinger Universitätsklinik sollen Ärzte Akten gefälscht haben, um bevorzugten Patienten schneller Spenderorgane zu beschaffen.
Schnell werden Forderungen nach besseren Kontrollmechanismen laut. Hans Lilie, Chef der Ständigen Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer, forderte im Deutschlandfunk, dass die jeweiligen Daten stets durch nicht-beteiligte Ärzte auf Richtigkeit überprüft werden sollen. Der Vorfall habe passieren können, "weil Einzelne ein System, das auf Ehrlichkeit und Vertrauen basierte, gröblichst missbraucht haben."
Als "Super-GAU der Transplantationsmedizin" bezeichnete Eckard Nagel von der Universität Essen (Mitglied im Deutschen Ethikrat) den Vorfall.
Für Begeisterung und gesunde Skepsis in der Wissenschaft sorgte das fälschlicherweise als "Gottesteilchen" bekannt gewordene Higgs-Boson-Teilchen. Forscher am europäischen Kernforschungszentrum CERN hatten es entdeckt. Mit ihm wird erklärt, wie Materie zu ihrer Masse kommt - warum also beispielsweise Atome, Planeten oder sogar unser eigener Körper, zusammengehalten werden.
"Die Mädchen skandierten einstudierte Worte der Beleidigung an die Adresse Gottes (...). Es gab kein politisches Motiv."
So begründet eine Richterin am 17. August die Verurteilung der Bandmitglieder von Pussy Riot zu zwei Jahren Haft. Dass die drei Frauen tatsächlich keine politischen Beweggründe gehabt haben sollen, als sie am 21. Februar ein Punk-Gebet in Moskaus Christus-Erlöser-Kathedrale aufführten, sehen wohl zahlreiche Menschen auf der ganzen Welt anders. "Mutter Gottes, befreie uns von Putin", lautete unmissverständlich eine von Pussy Riots Forderungen.
Die internationale Solidarität mit den Musikerinnen ist schon kurz nach Bekanntwerden der Verhaftung riesig. Zu ihren Unterstützern zählen unter anderem Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow sowie die Musiker Madonna und Paul McCartney.
Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, empörte sich kurz vor Urteilsverkündung im Deutschlandfunk:
"Das ist völlig unverhältnismäßig, was dort passiert, die sitzen jetzt seit sechs Monaten in Untersuchungshaft wegen einer Sache, die man allenfalls vielleicht als Ordnungswidrigkeit bezeichnen könnte."
Bei einem Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi werden am 11. September der amerikanische Botschafter Chris Stevens und drei seiner Mitarbeiter getötet. Ursache für die Wut der Täter ist ein Amateurfilm aus den USA, der den Propheten Mohammed als Frauenheld, Kinderschänder und Mörder darstellt.
Diese Kränkung treibt Muslime in zahlreichen Ländern zu Protesten: Bei Ausschreitungen in Bangladesch, Pakistan, Tunesien, Libyen, Sri Lanka, Indien und im Jemen kommen mindestens 30 Menschen ums Leben.
In Deutschland wird fortan über ein Vorführverbot für den Film diskutiert.
Im Interview mit Deutschlandradio Kultur spricht sich der Schriftsteller und Übersetzer Michael Kleeberg gegen ein solches Verbot aus und sagt:
"Wir dürfen nur nicht vergessen, Meinungsfreiheit gilt nicht nur für intelligente Meinungen. Auch die Idioten haben Meinungsfreiheit."
Am 12. Oktober wird in Oslo verkündet, wer 2012 den Friedensnobelpreis verliehen bekommt. Von der Entscheidung sind viele überrascht - ob positiv oder negativ. Preisträger wird die gesamte Europäische Union.
In seiner Begründung sagt Thorbjörn Jagland vom Nobel-Komitee:
"Heutzutage wäre ein Krieg zwischen Deutschland und Frankreich undenkbar. Historische Feinde können enge Partner werden. Der Fall der Berliner Mauer hat es dann auch den osteuropäischen Ländern ermöglicht, der EU beizutreten. Sie haben damit eine neue Ära europäischer Geschichte eröffnet."
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Gesine Schwan (SPD), Präsidentin der Humboldt Viadrina School of Governance, zeigte sich über die Auszeichnung für die EU dankbar und froh. Gleichzeitig gab sie zu bedenken:
"Ich habe auch ein kleines bisschen das Gefühl, dass die Dramatik der Situation das Nobelpreiskomitee dazu animiert hat, den Preis an die Europäische Union zu geben. Das heißt, es ist einerseits eine Ehrung und eine Auszeichnung, aber es ist auch der Versuch, zu ermutigen, dass wir vernünftig mit dieser Krise umgehen und sie zu einem guten Ende bringen."
Die eigentliche Verleihung des Preises erfolgt knapp zwei Monate später in Oslo.
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Barack Obama wird erneut zum Präsidenten der USA gewählt. Kurz vor der Abstimmung sahen Umfragen ihn und seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney noch gleichauf.
Bei den Republikanern werde die "Schockwirkung" des Wahlergebnisses dazu führen, dass sich in ihren Reihen langsam die moderaten Kräfte durchsetzen werden, sagte der US-amerikanische Politikwissenschaftler Jackson Janes im Interview.
Wenige Tage vor der Wahl hatte Wirbelsturm Sandy vor allem an der US-Ostküste verheerende Schäden angerichtet - und dem erfolgreichen Krisenmanager Obama wichtige Wählerstimmen beschert.
In unserer interaktiven Grafik finden Sie die Stimmenverteilung der Wahl nach Bundesstaaten geordnet - zudem die Ergebnisse der Senats- und Gouverneurswahlen in den USA.
Zum Sammelportal "US-Wahl 2012"
Szene aus dem Trauergottesdienst für die Opfer (Bild: picture alliance / dpa / Andrew Gombert / Pool)
Am 14. Dezember betritt ein 20-jähriger Mann eine Grundschule im US-Städtchen Newton (Connecticut) und beginnt, mit einem halbautomatischen Schnellfeuergewehr um sich zu schießen. Während des etwa zehnminütigen Amoklaufs tötet er 26 Menschen - 20 davon sind Kinder, meist Erstklässler. Kurze Zeit vor dem Blutbad hatte der Mann auch seine Mutter erschossen und ihre Waffen zu der Schule mitgenommen. Am Ende tötete er sich selbst.
Was das Motiv für die Tat sein könnte, ist den ermittelnden Behörden bisher unklar. Das Massaker lässt eine internationale Debatte über die zahlreichen Schusswaffen in amerikanischen Haushalten aufkommen. Schätzungen zufolge befinden sich in den Privathaushalten der USA zwischen 200 und 300 Millionen Gewehre und Pistolen. Rund 30.000 US-Amerikaner kommen jährlich durch Schusswaffen ums Leben.
"Wir können das nicht mehr tolerieren. Diese Tragödien müssen enden", erklärt US-Präsident Barack Obama drei Tage später auf der Gedenkfeier für die Opfer.
Der Politologe Christer Garrett sagte im Deutschlandfunk, eine knappe Mehrheit der Amerikaner sei gegen den privaten Waffenbesitz, weil er es durchaus einfacher mache, dass solche Ereignisse stattfänden.
Letzte Änderung: 03.01.2013 15:41 Uhr
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