Bundespräsident Joachim Gauck hat in seiner ersten Weihnachtsansprache leise Sorge über den inneren Zusammenhalt in Deutschland anklingen lassen. Er rief dazu auf, die Festtage für eine Rückbesinnung auf Solidarität zu nutzen.
Joachim Gauck hat reichlich Erfahrung mit Weihnachtsansprachen. Als evangelischer Pastor hatte er von der Kanzel alle Jahre wieder "Friede auf Erden!" gepredigt. Diese Botschaft liegt ihm auch als Bundespräsident in seiner ersten Weihnachtsansprache am Herzen. "Wir sehnen uns nach Frieden - auch und gerade weil in der Realität so viel Unfriede, so viel Krieg herrscht." Damit meint Gauck nicht nur den Kampf gegen den Terror in Afghanistan, wo gerade den Europäern sichtbar wird, "wie kostbar der Frieden ist".
Der Bundespräsident ist besorgt um die Solidarität, den Gemeinsinn, den Zusammenhalt in Deutschland - um den inneren Frieden. "Die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander, der Klimawandel erfordert ebenso neue Antworten wie eine alternde Gesellschaft", sagte der Bundespräsident in seiner vorab veröffentlichten Rede. "Sorge bereitet uns auch die Gewalt: in U-Bahnhöfen oder auf Straßen, wo Menschen auch deshalb angegriffen werden, weil sie schwarze Haare und eine dunkle Haut haben."
Vor einer Spaltung der Gesellschaft warnt auch der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Die soziale Schere in Deutschland gehe offenbar immer weiter auseinander, sagte Zollitsch den "Ruhr Nachrichten". "Die Armen bleiben zurück, und der Reichtum in der Hand einiger weniger nimmt weiter zu, das ist eine gefährliche Entwicklung." Wenn die Gesellschaft auseinanderdrifte, führe das zu Unruhe.
Um solche gesellschaftlichen Probleme zu lösen, so führt der Bundespräsident in seiner Rede fort, seien "nicht nur tatkräftige Politiker, sondern auch engagierte Bürger" nötig - Gaucks Predigt an Staat und Volk. Zu Weihnachten sei es jetzt höchste Zeit für eine Rückbesinnung auf den Frieden, sagte der Bundespräsident im Schloss Bellevue vor dezentem Adventsschmuck und der Deutschlandfahne. Ein Teil der Menschen sei "verunsichert angesichts eines Lebens, das schneller, unübersichtlicher, instabiler geworden ist".
Gerade Weihnachten helfe, den Soldaritätsgedanken neu aufleben zu lassen, sagte Gauck. "Für Christen ist es das Versprechen Gottes, dass wir Menschen aufgehoben sind in seiner Liebe. Aber auch für Muslime, Juden, Menschen anderen Glaubens und Atheisten ist es ein Fest des Innehaltens, ein Fest der Verwandten und Wahlverwandten, ein Fest, das verbindet, wenn Menschen sich besuchen und beschenken - mit schönen Dingen, vor allem jedoch mit Zuwendung. Wer keine Zuwendung erfährt und keine schenkt, kann nicht wachsen, nicht blühen. In der Sprache der Politik heißt das: Solidarität. In der Sprache des Glaubens: Nächstenliebe. In den Gefühlen der Menschen: Liebe."
In der Festtagsrede blüht immer wieder der Theologe im Bundespräsidenten auf, nicht zuletzt mit einem besonderen Geschenk: "Der Stern aus der Weihnachtsgeschichte führte Menschen einst von fernher zu einem ganz besonderen Ziel - zu einem Menschenkind. Einen solchen Stern wünsche ich jedem in unserem Land. Einen Stern, der ihn zum Mitmenschen, der uns zueinander führt. Mit diesem Wunsch also: gesegnete Weihnachten!"
Letzte Änderung: 03.01.2013 15:41 Uhr
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