Knapp 40 Manipulationen soll es in Leipzig gegeben haben (Bild: picture alliance / dpa / Balazs Mohai)
Nach dem Bekanntwerden des Organspende-Skandals an der Leipziger Universitätsklinik werden weitere Fälle befürchtet. In den kommenden drei Jahren sollen bundesweit rund 140 Transplantationszentren überprüft werden.
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich im Deutschlandfunk für schärfere Gesetze gegen Korruption bei Ärzten aus. Für ihn stecken drei Motive hinter Manipulationsfällen rund um Organspenden: Guter Wille, dem Patienten zu helfen, zweitens das eigene Prestigestreben des Arztes und schließlich dessen materielle Gewinn, da mit Transplantationen viel Geld verdient werden könne.
Lauterbach forderte stark verschärfte Kontrollen. "Wir versuchen, dieses Thema aus dem Wahlkampf und dem Parteienstreit zu isolieren", sagte er. Parteiübergreifend werde derzeit mit dem Gesundheitsministerium nach einer Lösung gesucht.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, schlug ein schärferes Berufsrecht für Ärzte vor. Der "Passauer Neuen Presse" sagte er: "Wer als Transplantationsmediziner immer noch nicht begreift, dass er sein eigenes Fach durch Schummeln und Manipulieren kaputt macht, der hat in diesem Fach nichts mehr zu suchen." Montgomery zufolge dürften bei den anstehenden Untersuchungen noch mehr Verstöße ans Licht kommen.
Auch der CDU-Abgeordnete Jens Spahn verlangte die Ächtung korrupter Ärzte. Im ARD-Fernsehen sagte er, wenn die Ärzteschaft nicht selbst stärker kontrolliere, "dann ist die Bundesregierung gefordert. Dann sollten wir schärfere Gesetze machen."
Nach den Organspende-Skandalen in Göttingen, Regensburg und München meldete am Mittwoch auch das Universitätsklinikum Leipzig Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Organen. Offenbar wurden falsche Angaben zur Behandlung von Patienten gemacht, um ihre Chancen auf ein Spenderorgan zu erhöhen.
Wegen der Vorgänge in Leipzig prüft die Staatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht. Sie reagiert damit auf einen Bericht der Klinikleitung, wonach in 38 Fällen Krankenakten manipuliert worden seien, um raschere Leber-Transplantationen zu ermöglichen. Ein Direktor und zwei Oberärzte wurden beurlaubt.
Als Konsequenz aus Falschangaben bei Kandidaten für Lebertransplantationen seien der Direktor des Transplantationszentrums sowie zwei Oberärzte mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden, teilte die Klinik mit.
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz erneuerte die Forderungen nach einer staatlichen Kontrolle des Transplantationssystems. Angesichts der zahlreichen Skandale in der Transplantationsmedizin müsse zudem eine bundesweite Schwerpunktstaatsanwaltschaft geschaffen werden, sagte Vorstand Eugen Brysch. Notwendig seien konkrete Schritte, damit die Menschen dem Organspendesystem vertrauen könnten. Brysch sprach sich auch für eine geringere Zahl von Transplantationszentren in Deutschland aus: "Die Hälfte der bestehenden 49 Transplantationszentren reicht aus."
Herausgekommen sind die Unregelmäßigkeiten durch Untersuchungen der Prüfungs- und der Überwachungskommission der Bundesärztekammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und des GKV-Spitzenverbandes. Die Vorfälle sollen nun noch genauer überprüft werden. Die Kommissionen untersuchen seit September 2012 die Transplantationszentren in Deutschland auf Regelverstöße und Auffälligkeiten.
Vor dem Hintergrund der bereits bekannt gewordenen Organspende-Skandale an den Kliniken in Göttingen, Regensburg und München hatte die Klinik in Leipzig im Juli 2012 auch ihre Innenrevision damit beauftragt, alle Meldungen an Eurotransplant zu prüfen. Nach Bekanntwerden der Mängel sei die Innenrevision durch vier Fachärzte verstärkt worden, um die Aufklärung zu beschleunigen, erklärte die Klinik auf ihrer Internetseite.
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Letzte Änderung: 11.01.2013 09:09 Uhr
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