Mali entwickelt sich zum internationalen Kriegsschauplatz. Französische Kampfjets eroberten die strategisch wichtige Stadt Kona zurück. Auch der Senegal und Nigeria stellen der malischen Regierung Hilfe bereit.
Die Unterstützung der drei Länder sei sehr wichtig für Malis Streitkräfte, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Moon in New York. Auch die USA erwägen ein Eingreifen in dem westafrikanischen Land. Washington könnte logistische Hilfe liefern und Geheimdienstinformationen bereitstellen, sagte ein US-Regierungsvertreter.
Französische Soldaten unterstützen seit gestern den Kampf der malischen Regierungstruppen gegen den Vormarsch radikalislamischer Rebellen, die seit neun Monaten den Norden des Landes kontrollieren. Am Vormittag gelang es französischen Kampfjets, die islamistischen Rebellen zum Rückzug aus der Stadt Kona zu zwingen. Die strategisch wichtige Stadt im Landesinneren war am Donnerstag von den Aufständischen erobert worden. Bei den Kämpfen sei ein französischer Hubschrauberpilot getötet worden, teilte Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian mit.
Außenminister Laurent Fabius charakterisierte den Einsatz als "Intervention aus der Luft". Außerdem sollen mehrere Dutzend französischer Elitesoldaten vor Ort sein. Malis Übergangspräsident Dioncounda Traoré wandte sich mit einer TV-Ansprache an sein Volk und forderte die Malier auf, sich als "Soldaten des Vaterlandes" zu verhalten, berichtet Marc Dugge im Deutschlandfunk.
Frankreichs Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault sagte, der Militäreinsatz sei notwendig, um die terroristische Gefahr aufzuhalten. Sie bedrohe nicht nur Mali und Afrika, sondern auch Frankreich und Europa. Die islamistischen Rebellen hatten nach einem Militärputsch im April vergangenen Jahres den Norden Malis unter ihre Kontrolle gebracht. Das Land ist seither faktisch geteilt. Im Süden amtiert eine Übergangsregierung. Der Westen befürchtet, Mali könne mit der Herrschaft der Rebellen zum Rückzugsraum für Islamisten werden.
Malis Interimspräsident Dioncounda Traoré dankte Frankreich am Samstag nach Angaben des Elysée-Palasts bei einem Telefongespräch mit Hollande für sein Eingreifen. Hollande berief für den Nachmittag den nationalen Verteidigungsrat des Landes ein, um über die Lage in Mali zu beraten.
Frankreich hatte in den vergangenen Monaten einen Militäreinsatz in der früheren Kolonie auch unter dem Hinweis hinausgezögert, die Sicherheit der Landsleute sei in Gefahr. Nach Medienangaben befinden sich derzeit sieben französische Geiseln in der Gewalt der Aufständischen. Malis Präsident Traoré hatte in einem Brief an Frankreichs Präsident François Hollande und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon um Hilfe gebeten.
Die Situation spitzte sich zuletzt mit dem Vormarsch der Rebellen aus dem Norden auf die Stadt Mopti zu. Die Großstadt gilt als Tor zum Süden des westafrikanischen Landes, das doppelt so groß wie Frankreich ist. Der UN-Sicherheitsrat in New York hatte am Donnerstag die schnelle Entsendung einer afrikanisch geführten Militärmission gefordert.
Die Europäische Union plant derzeit keinen Kampfeinsatz unter EU-Flagge in Mali. Man wolle aber etwa 200 Militärberater entsenden, die malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten sollen, sagten Diplomaten in Brüssel. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) schließt einen Einsatz der Bundeswehr in dem westafrikanischen Krisenstaat bisher aus. Er rief dazu auf, die politischen Bemühungen für ein Ende der Krise zu verstärken. "Eine allein militärische Lösung wird es nicht geben". Das Auswärtige Amt warnte vor Reisen nach Mali und riet allen Deutschen, deren Aufenthalt in Mali nicht unbedingt erforderlich sei, das Land zu verlassen. Der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion begrüßte die internationale Hilfe für Mali und forderte die Bundesregierung auf, Klarheit in ihrer Mali-Politik zu schaffen. Westerwelle und Verteidigungsminister De Maizière müssten "die Karten auf den Tisch legen", sagte Nouripour im Deutschlandfunk.
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Letzte Änderung: 15.01.2013 19:42 Uhr
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