Die geplante Einführung gleichgeschlechtlicher Ehen in Frankreich hat einen Massenprotest in der Hauptstadt Paris ausgelöst. Rund 800.000 Demonstranten beteiligten sich nach Angaben der Organisatoren an dem Protest. Die Polizei sprach von bis zu 340.000 Teilnehmern.
Mit Bussen und Bahnen reisten aus ganz Frankreich Gegner der Homo-Ehe in die Hauptstadt. Die Demonstranten zogen in einem Sternmarsch zum Eiffelturm. Ende des Monats will die sozialistische Regierung die Einführung gleichgeschlechtliche Ehen auf den Weg bringen. Der Ministerrat verabschiedete im vergangenen November einen Gesetzentwurf zur Homo-Ehe und zum Adoptionsrecht für schwule und lesbische Paare. Die Nationalversammlung soll sich Ende Januar damit befassen. Nach dem Willen von Staatspräsident François Hollande sollen die Neuregelungen noch im ersten Halbjahr in Kraft treten. Eine Gegendemonstration von Befürwortern gleichgeschlechtlicher Ehen ist für den 27. Januar geplant.
Offizielle verheiratet? Um die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern wird in Frankreich gerungen (Bild: dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte)
Organisator der Protestaktionen ist das unabhängige Bündnis "Manifpourtous". Abgeordnete der konservativen Oppositionspartei UMP, der Hollandes Amtsvorgänger Nicolas Sarkozy angehörte, beteiligten sich an der Großkundgebung, darunter Parteichef Jean-Francois Cope und Ex-Innenminister Brice Ortefeux.
Der Pariser Kardinal Andre Vingt-Trois erklärte sich solidarisch mit den Organisatoren und den Demonstranten. Die Franzosen sollten hier "sagen, was sie wirklich über die Homosexuellen-Ehe denken", sagte der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz am Rande der Kundgebung. Er selbst marschierte nicht mit. Auch der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, und Vertreter anderer Weltreligionen engagieren sich gegen die Öffnung des Ehebegriffs.
Der ehemalige Europaminister Laurent Wauqiez will eine Volksabstimmung über das umstrittene Thema erreichen. Medienberichten zufolge sollen 115 Abgeordnete der Nationalversammlung eine entsprechende Petition an Hollande unterzeichnet haben. Dies sei nötig, da die französische Gesellschaft in dieser Frage tief gespalten sei. Der frühere Premierminister François Fillon rief am Freitag in einem offenen Brief Hollande auf, kein Projekt zu erzwingen, dass das Land spalte.
Unterdessen veröffentlichte das Meinungsforschungsinstitut Ifop am Wochenende eine Umfrage, nach der 62 Prozent der Franzosen der Meinung sind, es werde zu viel über die "Homo-Ehe" gesprochen. Das Thema nehme in der gesellschaftlichen Debatte zu großen Raum ein, so die Mehrheit der Befragten.
Bereits Mitte November 2012 hatten landesweit mehr als 100.000 Menschen gegen das Vorhaben der Sozialisten demonstriert. Hollande hielt bisher ungeachtet des Widerstands aus der konservativen Opposition und katholischen Verbänden an den Plänen fest.
Letzte Änderung: 15.01.2013 19:42 Uhr
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