Wer wird wohl zuletzt lachen? Weil und McAllister sind trotz Spannung bei guter Laune. (Bild: picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)
Auch Stunden nach Schließung der Wahllokale lassen die Hochrechnungen keinen klaren Sieger der Landtagswahl erkennen. Schwarz-Gelb und Rot-Grün sind momentan quasi gleichauf. Die FDP zieht sicher ins Parlament in Hannover ein, zugleich verliert die CDU an Stimmen. Im Oppositionslager gewinnen SPD und Grüne hinzu. Die Linkspartei scheitert wohl an der Sperrklausel.
Hochspannung in Hannover: Alle paar Minuten kommt eine neue Hochrechnung über die Nachrichtenticker. Manchmal liegen in der erwarteten Sitzverteilung Schwarz-Gelb und Rot-Grün gleichauf, manchmal schwenken die Lager hauchdünn, um einen einzigen Parlamentssitz, hin oder her.
Ministerpräsident David McAllister, der vor knapp zweieinhalb Jahren das Amt von Christian Wulff übernommen hatte, behält zur Stunde alle Chancen, mit der FDP weiterregieren zu können. In der laufenden Stimmauszählung ist es aber durchaus möglich, dass SPD und Grüne an der Regierungskoalition vorbeiziehen. Zu unserer interaktiven Wahlgrafik - laufend aktualisiert
Die Christdemokraten verlieren rund sechs Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl 2008. SPD, Grüne und FDP gewinnen Stimmen hinzu. Alle übrigen Parteien sind nach derzeitigem Stand nicht im niedersächsischen Landtag vertreten - damit wird sich die Fraktion der Linkspartei wohl auflösen. Die Piraten schaffen den Sprung ins Parlament nicht. Mit etwa 60 Prozent lag die Wahlbeteiligung etwas höher als beim letzten Mal (57,1 Prozent).
FDP-Spitzenkandidat Stefan Birkner nimmt Glückwünsche entgegen. (Bild: picture alliance / dpa - Marcus Brandt)
Klaren Jubel gab es am Abend in Hannover bei der FDP. Niedersachsens Finanzminister Jörg Bode wertet die ersten Prognosen zur Landtagswahl in Niedersachsen als Regierungsauftrag für die schwarz-gelbe Koalition. Der FDP-Politiker sprach von einem "klaren Signal", dass die Regierungskoalition fortgesetzt werden solle.
"Es ist zu früh, sich als Sieger oder Verlierer zu präsentieren", sagte SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil. Das Kopf-an-Kopf-Rennen beschere ihm und seinen Kollegen einen spannenden Wahlabend. Weil sprach von einer bemerkenswerten Leistung der Landes-SPD unter nicht einfachen Bedingungen. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück räumte ein, ihm sei "sehr bewusst, dass es aus der Berliner Richtung keinen Rückenwind gegeben hat." Er trage dafür "maßgeblich" eine Mitverantwortung.
Die Grünen freuten sich über das beste Niedersachsen-Ergebnis ihrer Geschichte. Spitzenkandidatin Anja Piel sagte, sie sei sehr glücklich. Der Bundesvorsitzende Cem Özdemir rief den Sozialdemokraten zu: "Die SPD muss gucken, wie sie ihr Ergebnis verbessert. Wir leisten unseren Beitrag."
Die Wahlpartys in Hannover versprechen lang zu werden, bis die Gäste dort wissen, ob ihre Partei nun auf der Regierungs- oder Oppositionsbank Platz nehmen kann. Auf der CDU-Veranstaltung war der Applaus für das liberale Ergebnis fast lauter als für die eigenen Zahlen. In der SPD-Fraktion dominiere der Optimismus, berichtet unsere Korrespondentin in Hannover.
Für die Wahl war Niedersachsen in 87 Wahlkreise eingeteilt. Mit ihrer Erststimme konnten die Wähler pro Kreis einen Abgeordneten nach Hannover schicken. Für das Kräfteverhältnis im Landtag ist allerdings die Zweitstimme zuständig, die über die Größe der einzelnen Fraktionen entscheidet. Die landesweiten Kandidatenlisten der Parteien werden so lange "abgearbeitet", bis jedes der - mindestens - 135 Mandate vergeben ist.
An dieser Stelle lässt das niedersächsische Wahlrecht sogenannte Überhang- und Ausgleichsmandate zu. Denn wenn eine Partei mehr Direktkandidaten ins Parlament schicken kann, als dort für sie eigentlich nach dem Verhältnis der Zweitstimmen sitzen düften, bekommt sie Überhangmandate. Um den Proporz zu wahren, werden auf die übrigen Parteien Ausgleichsmandate verteilt. Beides lässt sich erst nach Auszählung aller Stimmen festlegen.
Letzte Änderung: 22.01.2013 11:14 Uhr
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