Seit vier Jahren beschäftigt die Euro-Schuldenkrise Land und Leute: Nach diversen Hiobs-Botschaften kehrt langsam Optimismus ein. Die Reformen der vergangenen Monate tragen nach Überzeugung der Europäischen Zentralbank (EZB) erste Früchte - reif sind sie allerdings noch nicht.
Die Wirtschaft in der Eurozone wird sich in der zweiten Jahreshälfte erholen. Davon ist EZB-Präsident Mario Draghi überzeugt. Zugleich rief er aber beim Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos auf, die Strukturreformen weiter voran zu treiben, um die Staatsschulden zu senken. Die Erholung in der Eurozone sei noch nicht robust genug, um die Krisenpolitik der Regierungen und der Notenbank beenden zu können. Die 2012 beschlossenen Maßnahmen zur Konsolidierung der Haushalte und zur Förderung von Wachstum müssten in diesem Jahr entschlossen umgesetzt werden.
Die Lage an den Finanzmärkten hat sich seinen Worten zufolge durch die EZB-Politik des billigen Geldes und die Injektion von rund einer Billion Euro in den Bankensektor wesentlich gebessert. Die Banken des Euroraums zahlten der EZB nach eigenen Angaben in einer ersten Runde deutlich mehr von dieser Krisenhilfe zurück als erwartet. Wie es in Frankfurt hieß, flossen der EZB bereits 137,2 Milliarden Euro zu. Draghi betonte, die EZB-Hilfen seien zwar noch immer nicht in ausreichendem Maße bei der Realwirtschaft angekommen, dennoch müssten die Kredit-Geldhähne irgendwann auch wieder zugedreht werden: "Es kann auf Dauer kein nachhaltiges Wachstum geben, das durch die endlose Anhäufung von Schulden finanziert wird." Wann der Zeitpunkt für einen Ausstieg aus der Krisenpolitik der europäischen Notenbank kommt, bleibt nach seiner Darstellung auch 2013 erst einmal offen.
Den europäischen Regierungen bescheinigte Draghi "Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung und strukturellen Reformen, die inzwischen erste Früchte tragen". So habe sich die Wettbewerbsfähigkeit in mehreren Ländern gegenüber 2011 verbessert. Jedoch hätten manche Konsolidierungsbemühungen auch zu einer anfänglichen Verringerung des Wachstums geführt. Nötig sei eine kluge Mixtur von gezielten Sparmaßnahmen und öffentlichen Investitionen für mehr Wachstum.
Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, mahnte denn auch eine Abkehr von allzu starren Sparzielen an. "Es ist besser, sich ein bisschen mehr Zeit zu nehmen, als einen Gewaltmarsch hinzulegen", sagte sie vor Journalisten in Davos. Eine solche Entscheidung müssten die europäischen Staaten aber gemeinsam treffen.
Mehr auf dradio.de
"Wir müssen innovativ sein" - Bundeskanzlerin warnt vor Instabilität in Europa
Camerons EU-Ultimatum - Volksabstimmung für Großbritannien angekündigt
Cameron-Rede hat "wichtigen Anstoß geleistet" - Politikwissenschaftler über Folgen eines EU-Austritts Großbritanniens
Letzte Änderung: 28.01.2013 12:24 Uhr
Links:
Deutschlandfunk
Seit 08:50 Uhr
Presseschau
Nächste Sendung: 09:00 Uhr
Nachrichten
Deutschlandradio Kultur
Seit 08:05 Uhr
Aus den Archiven
Nächste Sendung: 09:00 Uhr
Nachrichten
DRadio Wissen
Seit 08:30 Uhr
Radiolinks International: BBC Material World
Nächste Sendung: 09:00 Uhr
Nachrichten
Beiträge zum Nachhören
Ja mit Gottes Hilfe - 1. Ökumeinsches Traufest
Sendezeit: 16.06.2013, 08:35
Denk ich an Deutschland: Katja Ebstein
Sendezeit: 16.06.2013, 08:22
Obama in Berlin - Interview mit Markus Kaim
Sendezeit: 16.06.2013, 08:12
dradio-Recorder
im Beta-Test: