Schreine in einer Moschee: UNESCO-Weltkulturerbe in Timbuktu (Bild: picture alliance / dpa / Evan Schneider)
Islamistische Rebellen haben sich aus Timbuktu scheinbar zurückgezogen, zuvor aber weitere kulturelle Schätze zerstört. Malische und französische Soldaten kontrollieren die Zugänge zur historischen Oasenstadt. Doch die militärischen Erfolge sorgen für Misstrauen.
Die malische Oasenstadt Timbuktu zählt wegen seiner Mausoleen, Moscheen und Friedhöfe seit 1988 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im vergangenen Jahr hatten Islamisten mehrere geschützte Heiligengräber in der Altstadt zerstört. Die Videoaufnahmen lösten weltweit Empörung aus. Diese Islamisten wurden nun offenbar im Zuge des Anti-Terror-Einsatzes weitgehend verjagt. Das Militärbündnis sichert nach eigenen Angaben die Zugänge zur Stadt und kontrolliert, ob sich unter den rund 50.000 Einwohnern Rebellen versteckt haben.
Ein Mitglied einer Erkundungseinheit der malischen Armee erklärte, Timbuktu sei noch nicht vollständig unter Kontrolle des Militärs. "Die französischen und malischen Truppen sind noch nicht im Stadtzentrum, wir haben einige Elemente in der Stadt, nicht viele", sagte er. Das Militär kontrolliert damit die sogenannte Nigerschleife, das Gebiet entlang des Nigerflusses zwischen Gao und Timbuktu.
Bewaffnete Tuareg-Rebellen auf der Ladefläche eines Fahrzeugs bei Kidal (Bild: picture alliance / dpa / Str)
Neben diesen einstigen Islamistenhochburgen kontrollieren die Terroristen nun nur noch die wichtige Stadt Kidal im Nordosten. Allerdings sollen sich dort Rebellen der Terrororganisation Ansar Dine zurückgezogen haben; ihr werden Verbindungen zum Netzwerk Al-Kaida nachgesagt. Damit befindet sich Kidal in der Hand der islamistischen Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA). Azawad ist eine Bezeichnung für die nordöstliche Hälfte Malis. Die MNLA spielte bei Ausbruch des Konflikts noch eine Rolle, inzwischen soll ihre politische Stärke geschwunden sein.
Erfolge am laufenden Band verkündet die französische Armee bei ihrem Anti-Terror-Kampf. Was an der Front aber tatsächlich passiert, lässt sich von unabhängiger Seite nur schwer überprüfen. "In diesem Konflikt scheint Frankreich weniger Journalisten 'einzubetten' als sonst", also Reportern zu erlauben, Soldaten zu begleiten, kritisierte Ambroise Pierre von der Journalisten-Organisation Reporter ohne Grenzen in Paris.
Wie bereits bei der Einnahme der Stadt Gao gingen dem Vormarsch auf Timbuktu Luftangriffe voraus. Die Soldaten seien auf keinerlei Widerstand der Islamisten getroffen, sagte ein ranghoher Offizier der malischen Armee. Auf der Flucht vor dem Militär steckten die Terroristen in der Wüstenstadt das Ahmed-Baba-Zentrum mit altertümlichen arabischen Manuskripten von unschätzbarem Wert in Brand. Laut malischem Kulturministerium wurden im 1973 gegründeten Ahmed-Baba-Zentrum für Dokumentation und Forschung bis zu 100.000 Manuskripte aus der antiken muslimischen Welt und Griechenland aufbewahrt. Bürgermeister Halley Ousmane sprach von einem "kulturellen Verbrechen".
Frankreichs Außenminister Laurent Fabius warnte indes vor einer Rückkehr der Rebellen. "Die Terrorgruppen verfolgen die Strategie des Rückzugs", sagte Fabius dem Fernsehsender France 2. "Einige von ihnen könnten in den Norden zurückkehren, vor allem in Mali." Ob sich Frankreich auch dann an einem erneuten Militäreinsatz in dem westafrikanischen Land beteiligen würde, ließ der Außenminister offen.
Afrikakenner betrachten den raschen Erfolg der französischen Intervention in Mali mit großer Sorge. "In Afghanistan zogen sich die Taliban zurück, weil sie wussten, dass sie zu einem konventionellen Krieg nicht fähig waren," sagte der nigerianisch-britische Politologe Oladayo Bello der Nachrichtenagentur dpa. "Stattdessen wichen sie samt ihrer großen militärischen Ausrüstung aus und bereiteten sich auf einen Guerillakrieg vor. In dieser Situation befindet sich Frankreich jetzt." Die internationale Hilfe müsse militärisch und finanziell deutlich verstärkt werden.
Frankreich ist derzeit mit 2900 Soldaten in Mali vertreten, hinzu kommen 2700 afrikanische Bodentruppen in Mali und im Nachbarland Niger. Nun traf in Dakar ein Schiff aus Frankreich ein, das hunderte Männer Verstärkung, Fahrzeuge und weiteres Material zur Verstärkung des Einsatzes lieferte. Die westafrikanische Staatengemeinschaft ECOWAS sowie der Tschad haben ebenfalls die Entsendung mehrerer tausend Soldaten zugesagt.
Deutschland will die logistische Hilfe für den Kampf gegen die islamistischen Rebellen in Mali ausweiten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte einen Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung", wonach die Entsendung eines dritten Transall-Transportflugzeugs geplant ist. Dabei soll es sich um eine Reservemaschine handeln. Die Bundeswehr transportiert seit einer Woche afrikanische Soldaten in die malische Hauptstadt Bamako. Zudem stellt Deutschland Ausrüstung - wie Lastwagen und Schutzwesten - für den Einsatz gegen die Islamisten zur Verfügung.
Letzte Änderung: 29.01.2013 11:22 Uhr
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