dradio.de

/aktuell/1996369/drucken/


AKTUELL VOM 31.01.2013
Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe (Bild: picture alliance / dpa / BKA) Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe (Bild: picture alliance / dpa / BKA)

Mordanklage gegen Zschäpe zugelassen

Auch vier mutmaßliche NSU-Helfer müssen vor Gericht

Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe muss sich wegen Mittäterschaft bei zehn Morden verantworten. Das Oberlandesgericht München hat die Anklage offenbar zugelassen.

Der 6. Strafsenat des Münchner Oberlandesgerichts hat die Anklage der Bundesanwaltschaft gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe zugelassen. Das sagte Zschäpes Verteidiger Wolfgang Stahl der Nachrichtenagentur dpa in München und bestätigte damit Berichte des Berliner "Tagesspiegels", der "Süddeutschen Zeitung" und von "Spiegel Online".

Die 38-Jährige muss sich damit wegen des Verdachts der Mittäterschaft an den zehn NSU-Morden vor Gericht verantworten. Eine Sprecherin des Oberlandesgerichts wollte die Berichte zunächst nicht kommentieren. Das Verfahren soll voraussichtlich im April beginnen.

Das Gericht ließ auch die Anklage gegen vier mutmaßliche Unterstützer und Helfer der Gruppe zu und veränderte nur wenige Details, berichtet der Tagesspiegel [http://www.tagesspiegel.de/politik/nsu-oberlandesgericht-muenchen-laesst-anklage-gegen-zschaepe-zu/7716792.html]. Im Eröffnungsbeschluss des 6. Strafsenats heißt es, die Angeklagten seien der ihnen vorgeworfenen Straftaten hinreichend verdächtig. Die Richter ordneten zudem die Fortdauer der Untersuchungshaft gegen Zschäpe und den Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben an.

Zschäpe soll gleichberechtigtes Mitglied des NSU gewesen sein

Die Bundesanwaltschaft hatte im November 2012 eine umfangreiche Anklage gegen die fünf Beschuldigten präsentiert. Demnach soll Zschäpe nicht nur Gründerin und gleichberechtigtes Mitglied des NSU gewesen sein; die Anklage wirft ihr zudem Mittäterschaft bei sämtlichen Taten des NSU vor: Bei neun Morden an Geschäftsleuten türkischer und griechischer Herkunft, dem Mord an einer Polizistin in Heilbronn 2007 und bei zwei Bombenanschlägen in Köln, bei denen mehr als 20 Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden. Auch an 15 Banküberfällen, die der Gruppe zugerechnet werden, sei sie als Mittäterin beteiligt gewesen.

Wohlleben und Carsten S. wurden wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Sie sollen die Pistole des Typs "Ceska 83" beschafft haben, die bei der Mordserie verwendet wurde. André E. soll Wohnungen und Wohnmobile für das Trio besorgt haben, Holger G. soll die Zelle mit Ausweispapieren unterstützt haben.

Neben Zschäpe gehörten auch Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos dem NSU an. Die Polizei kam den mutmaßlichen Terroristen nach einem missglückten Banküberfall auf die Spur. Die beiden Männer begingen daraufhin am 4. November 2011 Selbstmord. Am 8. November 2011 stellte Zschäpe sich der Polizei.


Mehr zum Thema:

Auf dem rechten Auge blind? - Rechtsextremismus-Experte Bernd Wagner über den Umgang der Justiz mit Neonazis
Eine Anklage als Signal - Bundesanwaltschaft klagt Beate Zschäpe als NSU-Mittäterin an
Herrmann hält Zschäpe-Anklage für "juristisch fundiert" - Bayerns Innenminister räumt aber Restrisiko für Beweisführung ein
Die Verantwortung der Ermittler - Zschäpe-Prozess stellt Justiz und Polizei vor große Aufgaben
Unfassbar - Zum Jahrestag der Aufdeckung der NSU-Terrorzelle


Letzte Änderung: 02.02.2013 16:49 Uhr