Russland erinnert an den blutigen Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs. An den Zeremonien im heutigen Wolgograd nehmen russische und deutsche Veteranen teil. Präsident Putin wird eine Militärparade abnehmen.
Das "nackte Grauen" habe in der erbarmungslosen Kesselschlacht geherrscht, sagt der Militärhistoriker Sergej Leonow. Befehlsverweigerer seien sofort erschossen worden, in einem Gebiet von rund 50 Kilometern Durchmesser hätten Leichenberge als Kugelfang gedient. Im Winter herrschten Temperaturen von minus 43 Grad Celsius. Als am 2. Februar 1943 die eingeschlossene deutsche 6. Armee vor den sowjetischen Truppen kapitulierte, waren in monatelangen Kämpfen mindestens 700.000 Soldaten gefallen - möglicherweise liegt die Opferzahl sogar bei einer Million.
70 Jahre später soll in der südrussischen Stadt ein Versöhnungsfest gefeiert werden. Auch Nachkommen deutscher Soldaten sind vor Ort. Delegationen aus Dutzenden Ländern nehmen teil, unter ihnen Vertreter der Partnerstädte Köln und Chemnitz. Vor etwa 20 000 Zuschauern marschierten bei frostigem Wetter 650 Soldaten in historischen Uniformen zu einer Militärparade auf. Zum Jahrestag nannte sich Wolgograd für einen Tag offiziell wieder Stalingrad nach Sowjetdiktator Josef Stalin - trotz massiven Protests von Menschenrechtlern. Den Abschluss der Feierlichkeiten soll ein gemeinsames Konzert des Symphonieorchesters Osnabrück und der Philharmoniker Wolgograd bilden.
Präsident Wladimir Putin sagte bei einem Empfang in Moskau: "Wir müssen alles tun, dass das Gedenken an die Schlacht von Stalingrad und die Wahrheit über sie nie verblasst." Von der eroberten Stadt habe der Marsch der Sowjettruppen nach Berlin begonnen. Am 2. Februar 1943 hatte die 6. Armee unter der Führung von Generalfeldmarschall Friedrich von Paulus kapituliert. Es war Hitlers erste große Niederlage im Zweiten Weltkrieg und wird in Russland bis heute als entscheidender Wendepunkt gefeiert, der den Sieg über Nazi-Deutschland einleitete.
Zum Jahrestag ist vorübergehend auch der alte Name wieder zurückgekehrt: Stalingrad, zu Deutsch "Stalinstadt". Das örtliche Parlament kam einem Antrag von Veteranen nach, sie am heutigen Samstag und an fünf weiteren Gedenktagen im Verlauf dieses Jahres wieder mit dem alten Namen zu bezeichnen. 1961 war die Stadt in Wolgograd umbenannt worden.
Der russische Menschenrechtsbeauftragte Wladimir Lukin verurteilte die Entscheidung. "Das ist eine Beleidigung der Gefallenen von Stalingrad", sagte Lukin der Nachrichtenagentur Interfax. "Selbstverständlich verdienen sie eine Würdigung, aber nicht in dieser Form." Auch die Menschenrechtsorganisation Memorial war empört. Stalin habe als Oberbefehlshaber der Roten Armee Hunderttausende sinnlos in den Kämpfen "verheizt", sagte Jan Ratschinski von Memorial.
Weiterführende Informationen:
"Unglaublich bewegend" - Eine musikalische Begegnung zwischen Russen und Deutschen in Wolgograd
Ein neuer Blick auf Stalingrad - Historiker über den 70. Jahrestag des Endes der Schlacht um Stalingrad
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Letzte Änderung: 05.02.2013 20:17 Uhr
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