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AKTUELL VOM 11.02.2013
Papst Benedikt auf dem Balkon des Petersdoms (Bild: picture alliance / dpa / OSSERVATORE ROMANO EDITORIAL USE ONLY) Papst Benedikt auf dem Balkon des Petersdoms (Bild: picture alliance / dpa / OSSERVATORE ROMANO EDITORIAL USE ONLY)

"Große menschliche und religiöse Geste"

Reaktionen auf den Rücktritt von Papst Benedikt XVI.

Der angekündigte Rücktritt von Papst Benedikt XVI. hat bei vielen Politikern und Geistlichen für Bestürzung und Bedauern gesorgt. Doch auch Kritiker meldeten sich zu Wort.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Papst Benedikt XVI. als einen der bedeutendsten religiösen Denker der Gegenwart gewürdigt. "Wenn der Papst selbst jetzt nach reiflicher Prüfung zu dem Entschluss gekommen ist, seine Kraft reiche nicht mehr für die Ausübung seines Amtes, so hat das meinen allerhöchsten Respekt", sagte Merkel in Berlin.

Bundespräsident Joachim Gauck bescheinigte dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche "großen Mut und Selbstreflexion". Der Papst habe mit seiner einfachen Sprache auch Nicht-Katholiken den Weg zum Glauben geöffnet.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer bedauert den Rücktritt. "Die Entscheidung von Papst Benedikt XVI. verdient größten Respekt, auch wenn ich sie persönlich zutiefst bedauere", sagte der CSU-Parteichef.

Auch Italiens Ministerpräsident Mario Monti zeigte sich überrascht und geschockt von der Nachricht. "Ich bin sehr erschüttert über diese unerwartete Nachricht", sagte er in Mailand.

US-Präsident Barack Obama brachte seine Wertschätzung ebenfalls zum Ausdruck. Er schließe Benedikt in seine Gebete ein. Die Kirche spiele eine entscheidende Rolle in den Vereinigten Staaten und der ganzen Welt, meinte Obama. Er wünsche all jenen alles Gute, die bald zusammenkommen werden, um einen Nachfolger zu wählen.

Großbritanniens Premierminister David Cameron bedauerte: "Millionen Menschen werden ihn als geistliches Oberhaupt vermissen."

Als "kurz, aber sehr schwer" charakterisiert EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy die Amtszeit Benedikts. Er respektiere die Entscheidung des katholischen Kirchenoberhauptes, vor allem weil dieser "entgegen der Tradition" zurückgetreten sei.

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch (Bild: AP)

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch (Bild: AP)

"Die Nachricht vom Rücktritt unseres Heiligen Vaters bewegt mich zutiefst", erklärte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, nach dem Bekanntwerden des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. "Er wird uns fehlen." Der Rücktritt sei eine "große menschliche und religiöse Geste".

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bezeichnete die Rücktrittsankündigung als bewegenden Schritt. "Dass Ämter nur auf Zeit wahrgenommen und dass man ab einem bestimmten Lebensalter von allen amtlichen Pflichten befreit ist, gehört zum Maß des Menschlichen", erklärte der EKD-Ratsvorsitzende, Nikolaus Schneider.

Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) würdigte den Schritt als "verantwortungsvoll". "Benedikt ist körperlich offensichtlich nicht mehr in der Lage seinen enormen Aufgaben gerecht zu werden", sagte KEK-Generalsekretär Guy Liagre in Genf. "Seine Entscheidung verdient tiefen Respekt."

Der Bruder des Papstes, Georg Ratzinger, reagiert gelassen und erleichtert. Schon seit längerer Zeit habe er von den Plänen seines Bruders gewusst, sagte der ehemalige Regensburger Domkapellmeister

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte, eine solche Entscheidung verdiene großen Respekt, wenn man sie selbst treffe, "weil man sich seinen Aufgaben nicht mehr gewachsen fühlt". Er hoffe, dass das "unter Papst Benedikt XVI. gute Verhältnis zu den jüdischen Gemeinden" auch unter dessen Nachfolger bestehen bleibe.

Die Ditib als größter islamischer Dachverband in Deutschland würdigte den Papst als Förderer des Dialogs unter den Religionen. "Das interreligiöse Gespräch war ihm ein Anliegen und so hat er zu verschiedenen Anlässen dessen Bedeutung ausdrücklich betont", erklärte die türkisch-islamische Union in Köln.

Der Theologe Hans Küng (Bild: AP Archiv)

Der Theologe Hans Küng (Bild: AP Archiv)

Auch der Theologe und Papst-Kritiker Hans Küng zollte Benedikt XVI. für seinen Rücktritt Respekt. Dieser Schritt sei "aus vielen Gründen verständlich", so Küng. "Zu hoffen ist aber, dass Ratzinger nicht Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers nimmt", betonte der 84-Jährige. Allerdings habe Benedikt XVI. in seiner Amtszeit so viele konservative Kardinäle berufen, dass unter ihnen kaum eine Person zu finden sei, "die die Kirche aus ihrer vielschichtigen Krise herausführen könnte".

Noch deutlichere Worte fand der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck: "Das Pontifikat von Papst Benedikt XVI. war eine verpasste Chance", schrieb er auf seiner Facebook-Seite. "Unter ihm ist die katholische Kirche teilweise wieder hinter Erneuerungen durch das zweite vatikanische Konzil zurückgefallen, beispielsweise durch die Aufhebung der Exkommunikation der antisemitisch-ausgerichteten Piusbruderschaft."


Letzte Änderung: 12.02.2013 13:23 Uhr

 

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