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AKTUELL VOM 13.02.2013
Mit Becketts "Warten auf Godot" startete der Suhrkamp-Verlag seine berühmte Taschenbuchreihe. Derzeit wartet der Verlag auf sein Schicksal. (Bild: picture alliance / dpa / Paul Zinken) Mit Becketts "Warten auf Godot" startete der Suhrkamp-Verlag seine berühmte Taschenbuchreihe. Derzeit wartet der Verlag auf sein Schicksal. (Bild: picture alliance / dpa / Paul Zinken)

Warten auf Suhrkamp-Urteil

Verfahren in Frankfurt vertagt - Folgetermin im Herbst

Kommt es? Wenn ja, wann? Das Warten auf ein Ende des Machtkampfs im Suhrkamp-Verlag geht weiter. Seit Jahren gibt es Streit zwischen der Verlagschefin Unseld-Berkéwicz und dem Minderheitsgesellschafter Barlach. Das Landgericht in Frankfurt am Main hat das Verfahren vertagt - es will Zeit für eine außergerichtliche Einigung geben.

Unter dem Motto "Eigentum verpflichtet!" hatten noch im Januar mehr als 160 Wissenschaftsautoren des Suhrkamp-Verlags eine gütliche Einigung gefordert. "Wir sind fassungslos angesichts der rechtlichen Vorgänge, die gegenwärtig den Fortbestand einer herausragenden Institution des literarischen Lebens, aber auch eines der weltweit renommiertesten Wissenschaftsverlage bedrohen." Doch vergebens: Die beiden Kontrahenten wollen sich weiterhin gegenseitig entmachten. Sie haben auf den Ausschluss des jeweils anderen als Gesellschafter geklagt. Die Verleger-Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz hält über eine Familienstiftung 61 Prozent der Verlagsanteile, der Medienunternehmer Hans Barlach 39 Prozent.

Die für Handelssachen zuständige Kammer hat am Vormittag aber ihre Entscheidung vertagt. Das Landgericht Frankfurt verwies auf die außergerichtlichen Vermittlungsbemühungen. Als Termin für eine mögliche weitere Verhandlung nannte das Gericht den 25. September.

Drohende Auflösung

"Beide Gesellschafter sehen sich offenbar wechselseitig als Inkarnation des Bösen", hatte Richter Norbert Höhne zu Beginn des Prozesses am Frankfurter Landgericht im Dezember gesagt. "Einer der namhaftesten Teilnehmer am Literaturbetrieb der Nachkriegszeit droht zu verschwinden." Barlach hat für den Fall einer Niederlage vor Gericht angekündigt, die Auflösung der Kommanditgesellschaft zu beantragen. Damit könnte das gesamte Vermögen des Verlags auch von Dritten übernommen werden.

Das Landgericht Berlin hatte im Dezember bereits Unseld-Berkéwicz als Geschäftsführerin abberufen. Sie habe rechtswidrig für den Verlag Event-Räume in ihrer eigenen Berliner Villa angemietet und Barlach nicht informiert. Dagegen legte die Suhrkamp-Chefin jedoch Berufung ein.

Ein legendäres Verlagshaus

Verleger Siegfried Unseld im Jahr 1968  (Bild: picture-alliance / dpa)

Verleger Siegfried Unseld im Jahr 1968 (Bild: picture-alliance / dpa)

Der 1950 von Peter Suhrkamp gegründete Verlag hat mit seinen regenbogenfarbenen Bänden Literatur und Geisteswissenschaften in der Nachkriegszeit maßgeblich geprägt. "Kein anderes deutsches Verlagshaus wurde so vielen großen Autoren zur geistigen Heimat", meint Deutschlandradio-Korrespondent Jürgen König. Schriftsteller wie Bertolt Brecht, Hermann Hesse und Martin Walser verlegten dort ihre Werke. Heute gehören Namen wie Durs Grünbein, Sybille Lewitscharoff und Uwe Tellkamp zum Programm.

Nach dem Tod des Verlagspatriarchen Siegfried Unseld im Jahr 2002 übernahm ein Jahr später dessen Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz die Macht. Aus Protest trat damals der Stiftungsrat um Hans Magnus Enzensberger und Jürgen Habermas zurück, wichtige Autoren wie Martin Walser und Adolf Muschg kehrten Suhrkamp den Rücken. Unseld-Berkéwicz hat selbst als Schriftstellerin 13 Bücher geschrieben, darunter das vielbeachtete Debüt "Josef stirbt". 2010 zog der Verlag auf ihr Betreiben von Frankfurt am Main nach Berlin um. Barlach kaufte sich 2006 in den Verlag ein. Er hatte zuvor die Hamburger Morgenpost und die Fernsehzeitschrift "TV Today" saniert und gewinnbringend verkauft. Barlach ist ein Enkel des expressionistischen Malers Ernst Barlach.

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Letzte Änderung: 14.02.2013 13:13 Uhr

 

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