In Reih' und Glied: Die verschiedenen Awards über die Jahre. (Bild: picture alliance / dpa / Nicolas Armer)
In Los Angeles werden am Sonntagabend zum 85. Mal die Oscars verliehen. Die Show wird vom Entertainer Seth MacFarlane moderiert. Im Rennen sind diesmal viele politische und durchaus umstrittene Filme. Filmexperten und Wettanbieter haben ihre Favoriten schon ausgemacht.
Wenn es nach Filmfachleuten und Buchmachern geht, dürften zwei Filme die wichtigste Kategorie "Bester Film" untereinander ausmachen: Ben Afflecks "Argo" und Steven Spielbergs "Lincoln". Das Fachportal Indiewire tippte am Samstag beispielsweise auf "Argo". Dem Film "Life of Pi" räumte es noch Außenseiterchancen ein. Die Londoner Buchmacher von Ladbrokes, die auch auf die Literatur-Nobelpreise immer wieder Wetten annehmen und dabei nicht selten richtig liegen, setzten am Samstag ebenfalls klar auf "Argo" mit einer deutlichen Wettquote von 1.16. Das heißt, der Oscar geht demnach mit einer Wahrscheinlichkeit von 86 Prozent an diese Produktion. Gefolgt von "Lincoln" mit einer Quote von 6.50. "Life of Pi" liegt hier gemeinsam mit "Les Misérables" nur auf dem vierten Platz bei einer Wettquote mit 67.00. Dazwischen liegt noch "Silver Linings Playbook" mit 34.00.
Ab 1.30 Uhr deutscher Zeit werden die Spekulationen nach und nach unwichtiger. Dann geht es nämlich los: Zuerst werden die Gewinner in den nachrangigeren Kategorien bekannt gegeben, zum Ende dann der beste Film. Der Fernsehsender Pro7 überträgt die Preisverleihung live. Besonders hart umkämpft dürfte dieses Jahr die Kategorie Bester Nebendarsteller sein, in der auch der bereits Oscar-prämierte Christoph Waltz ("Django Unchained") hoch gehandelt wird. Er wird sich wohl vor allem gegen Tommy Lee Jones ("Lincoln") und Robert De Niro durchsetzen müssen? Indiewire tippt hier auf Robert de Niro. Ladbrokes sieht es etwas anders: Beste Chancen hat demnach Thommy Lee Jones (2.25) dicht gefolgt von Christoph Waltz (2.50) und Robert de Niro (6.00)
Selten ging es in den Favoriten-Filmen so ernst, so politisch und teilweise so gewalttätig zu. Selten lösten die Filme auch so viel Kritik und Diskussionen aus. Das Historien-Drama "Lincoln" von Steven Spielberg beschäftigt sich mit dem Ringen des Präsidenten mit seinem tief gespaltenen Kongress um die Abschaffung der Sklaverei. "Argo" macht die spektakuläre Befreiungsaktion von sechs US-Diplomaten durch den Geheimdienst CIA während einer Geiselnahme in Teheran 1979 zum Thema. Es ist die dritte Regiearbeit von Ben Affleck und er spielt darin auch die Hauptrolle. Beide Filme basieren auf wahren Tatsachen, es wird ihnen aber unter anderem vorgeworfen, mit den historisch verbürgten Ereignissen viel zu freizügig umzugehen.
Der Action-Triller "Zero Dark Thirty" zeigt die Jagd nach dem Top-Terroristen Osama bin Laden und landete wegen der Folter-Szenen im Kreuzfeuer der Kritik. Probleme mit Bezügen zur Realität hat Quentin Tarantinos fiktiver Italo-Western "Django Unchained" mit Christoph Waltz als gewieften Kopfgeldjäger nicht. Dafür sorgte er wegen seiner brutalen Darstellung von Sklavenmisshandlung in den Südstaaten für Ärger. Der afroamerikanische Regisseur Spike Lee weigerte sich, den Film überhaupt anzusehen. Der "Spaghetti-Western" sei "respektlos" gegenüber seinen Vorfahren, wetterte er.
Unter den insgesamt neun Produktionen in der Top-Sparte "Bester Film" befindet sich auch "Liebe". Der österreichische Regisseur Michael Haneke setzt sich in seinem Werk ziemlich erbarmungslos mit dem Altern und Sterben eines Paares in Paris auseinander.
Der Jury der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS), die die Oscars vergibt, wurde oft vorgeworfen, mit Vorliebe Filme auszuwählen, die das breite Publikum überhaupt nicht interessiert. Im vergangenen Jahr etwa wurde die leichte Tragikomödie "The Artist" und der 3D-Film "Hugo" mit jeweils fünf Oscars nach Hause geschickt. Beide waren im Grunde eine Hommage an die Anfänge der Stummfilm-Zeit. Das US-Magazin "New York" kommentierte die diesjährigen Nominierungen mit den Worten: "Die Filmindustrie hat wieder Bodenkontakt mit dem Land aufgenommen."
Offiziell heißt der Oscar "Academy Award of Merit". Alleine die Nominierungen gelten schon als große Ehre. Die Bekanntgabe erfolgt etwa einen Monat vor der Verleihung. In diesem Jahr hatten 5856 Akademie-Mitglieder erstmals die Möglichkeit, ihr Votum für die besten Einzelleistungen aus der Filmproduktion des Vorjahres elektronisch abzugeben.
35 Zentimeter hoch, vier Kilogramm schwer und mit Gold überzogen - das ist der Oscar. Emil Jannings erhielt die begehrte Trophäe 1929 als erster Schauspieler überhaupt - für seine Rollen in den Stummfilmen "Der Weg allen Fleisches" (Regie: Victor Fleming) und "Sein letzter Befehl" (Regie: Josef von Sternberg). Bis heute wurden 2809 Oscars vergeben.
Die Figur gleicht einem Ritter, der auf einer Filmspule steht und sich auf ein Schwert stützt. Ihren Namen verdankt sie angeblich der Bibliothekarin und späteren Akademie-Direktorin Margaret Herrick. Die Statue sehe ihrem Onkel Oscar ähnlich, meinte diese. 1939 ließ die Akademie den Spitznamen Oscar zu.
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Letzte Änderung: 25.02.2013 12:06 Uhr
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