Anlässlich des Weltfrauentages kritisieren die Vorsitzenden von SPD und Grüne, Sigmar Gabriel und Claudia Roth, dass die Bundesregierung sich gegen eine Frauenquote in Unternehmen ausspricht. Auch EU-Justizkomissarin Viviane Reding ließ kein gutes Haar an der schwarz-gelben Frauenpolitik.
Ein erster Schritt im Kampf gegen die Ungleichbehandlung sei ein Gesetz zur Angleichung der Entgelte, "das mit dem Skandal aufräumt, dass Frauen in Deutschland im Durchschnitt 22 Prozent weniger verdienen als Männer", schreiben der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel und die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth in einem gemeinsamen Gastbeitrag in der "Frankfurter Rundschau" anlässlich des Internationalen Frauentags. Beide Parteien sprechen sich für familienfreundliche Arbeitszeiten aus und wollen diese auch in Ministerien und Behörden durchsetzen, wie es hieß.
An Deutschland gescheitert: EU-Justizkommissarin Viviane Reding wollte 40 % der Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzt sehen (Bild: picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)
Kritik an der Frauenpolitik der Bundesregierung kommt erneut auch aus der EU. Justizkommissarin Viviane Reding wetterte gegen das Nein der Regierung Merkel zur Einführung einer Frauenquote für Spitzenpositionen in Großunternehmen. "Die Frauen in Europa haben ein besseres 'Geschenk' zum Weltfrauentag verdient, als ein Nein Deutschlands zur Quote", sagte Reding der "Bild"-Zeitung. Die Bundesregierung hatte sich vor kurzem darauf verständigt, die EU-Pläne zur Frauenquote zu stoppen. Deutsche EU-Diplomaten wurden angewiesen, in den Verhandlungen in Brüssel gegen die Kommissionspläne zu stimmen. EU-Justizkommissarin Reding hatte vorgeschlagen, dass ab 2020 in den Aufsichtsräten von Großunternehmen 40 Prozent der Posten mit Frauen besetzt sein sollten.
Die meisten Führungsgremien bleiben weiterhin mit deutlich weniger Frauen als Männern besetzt, bei gleicher Leistung verdienen Frauen deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Zugleich scheint es Deutschlands Frauen nicht an Arbeit zu mangeln: Die Beschäftigungszahl ist auf Rekordhoch. Die "Saarbrücker Zeitung" berichtet unter Berufung auf Angaben der Bundesregierung zu einer Anfrage der Linke-Bundestagsfraktion, dass bundesweit inzwischen sieben von zehn Frauen arbeiten. Die Quote beträgt 71,6 Prozent, die der Männer 82,2 Prozent. Vor 20 Jahren lag die Frauenerwerbsquote demnach noch bei knapp 61 Prozent. Seit der Wiedervereinigung sei die Zahl der weiblichen Beschäftigten um 2,6 Millionen auf 18,1 Millionen gestiegen.
Der hohe Beschäftigungsgrad bei Frauen sei allerdings auch auf das starke Anwachsen sogenannter atypischer Beschäftigungsverhältnisse wie etwa Leiharbeit zurückzuführen. 2010 gab es im Jahresschnitt insgesamt fast 776.000 Leiharbeiter - knapp drei Viertel von ihnen Frauen. Fünf Jahre zuvor war dieses Verhältnis noch genau umgekehrt, so der Bericht. Leiharbeiter werden im Durchschnitt schlechter bezahlt als Festangestellte. Auch sinken, wie die SPD-nahe Heinz Böckler Stiftung festhält, die Arbeitszeiten bei Frauen.
Zumindest zwei Fluggesellschaften erhöhen die Frauenquote kurzfristig auf 100 Prozent. Bei der indischen Airline Spicejet und der französischen Air France steigen heute Flugzeuge mit rein weiblicher Crew in die Luft. Die Abfertigung übernimmt weibliches Sicherheits- und Check-In-Personal, die technische Überwachung ist in der Hand von Technikerinnen, an Bord sind Stewardessen und Pilotinnen im Einsatz. Auch der RBB-Sender Radio Eins arbeitet eine Woche lang 100% weiblich.
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Letzte Änderung: 11.03.2013 13:07 Uhr
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